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15.03.2016

11:50 Uhr

Aldi, Lidl, Edeka

So groß ist die Macht der Supermärkte beim Umweltschutz

Aldi geht gegen die Verunreinigung von Lebensmitteln durch Mineralölbestandteile vor. Die Hersteller beklagen sich, denn die Macht der Discounter ist groß. Doch Tierschützer sprechen von einer Doppelmoral.

„Es waren Aldi und Lidl, die gemeinsam als erste die Käfigeier ausgemustert haben. Und innerhalb eines halben Jahres waren die Qualeier verschwunden.“ Reuters

Aldi-Markt

„Es waren Aldi und Lidl, die gemeinsam als erste die Käfigeier ausgemustert haben. Und innerhalb eines halben Jahres waren die Qualeier verschwunden.“

DüsseldorfDeutschlands große Lebensmittelhändler machen Druck. Immer öfter nutzen Aldi, Lidl, Rewe oder Edeka ihre Marktmacht, um in der Lebensmittelindustrie und der Landwirtschaft Forderungen nach mehr Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz durchzusetzen.

Discount-Marktführer Aldi untersagte erst vor wenigen Tagen seinen Lieferanten, beim Anbau von Obst, Gemüse und Kartoffeln in Deutschland das Sprühen von acht umstrittenen Pestizid-Wirkstoffen. Das Ziel: Mehr Schutz für Bienen. Lidl als Nummer zwei der Branche setzt den Lieferfirmen unter anderem enge Grenzen beim Einsatz von Antibiotika in der Tiermast und betont selbstbewusst: „Die Einhaltung gesetzlicher Standards ist eine Selbstverständlichkeit. Lidl gibt sich damit nicht zufrieden.“

Edeka akzeptiert inzwischen bei Obst und Gemüse seiner Eigenmarken maximal 50 Prozent der gesetzlich zugelassenen Mengen an Pflanzenschutzmittelrückständen. Rewe verbannte Mikroplastik aus den eigenen Kosmetikartikeln. Und auch sonst gehen die Händler immer wieder über geltende gesetzliche Vorgaben hinaus: Etwa wenn sie kein Frischfleisch von betäubungslos kastrierten Schweinen mehr anbieten wollen oder sich gegen das Schnabelkürzen bei Legehennen einsetzen.

Für den Marketingexperten Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU ist dieses Engagement nicht zuletzt eine Antwort auf den wachsenden Druck der Öffentlichkeit. „Die Verbraucher erwarten heute von den Einzelhandelsketten, dass sie sich um Themen wie Nachhaltigkeit und Tierschutz kümmern.“

Wie groß dabei die Einflussmöglichkeiten von Aldi, Edeka und Co. sind, macht der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, an einem Beispiel deutlich: „Es waren Aldi und Lidl, die gemeinsam als erste die Käfigeier ausgemustert haben. Und innerhalb eines halben Jahres waren die Qualeier verschwunden.“

Tatsache ist: Wenn Edeka, Rewe, Aldi oder Lidl etwas von der Lebensmittelindustrie fordern, dann werden sich die Lieferanten den Wünschen nur selten verschließen, weil sie befürchten müssen, sonst bei den nächsten Orderrunden übergangen zu werden.

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