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30.07.2017

09:04 Uhr

Aldi, Lidl, Kik, Primark

Billig-Märkte boomen in Deutschland

Discounter und Billiganbieter sind in Deutschland wieder deutlich erfolgreicher als die Konkurrenz. Und die Liebe der Deutschen zu Schnäppchen-Angeboten ist offenbar immer noch nicht ausgereizt.

Die internationale Modekette ist vor allem durch ihre sehr günstigen Preise bekannt geworden. dpa

Primark

Die internationale Modekette ist vor allem durch ihre sehr günstigen Preise bekannt geworden.

DüsseldorfEine Zeit lang schien es, als habe das Motto „Geiz ist geil“ in Deutschland an Zauber verloren. Angesichts der guten Konjunktur zeigten sich die Bundesbürger spendabel. Sie kauften wieder öfter im Supermarkt ein und seltener beim Discounter. Sie gaben in Umfragen ganz generell zu Protokoll: Qualität sei ihnen wichtiger als der Preis.

Doch war das vielleicht nur ein Strohfeuer. Das Branchenmagazin „Der Handel“ jedenfalls urteilte kürzlich: „Geiz ist geiler denn je“ und malte das Bild einer „Bundesrepublik Discount“ an die Wand.

Tatsächlich boomt billig in Deutschland wieder. Beispiel Lebensmittel: Lagen die Discounter 2016 beim Umsatzwachstum noch deutlich hinter den Supermärkten, so haben Aldi, Lidl und Co. in diesem Jahr wieder die Nase vorn. In den ersten fünf Monaten 2017 steigerten sie die Umsätze nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) um 4,9 Prozent. Die klassischen Supermärkte konnten da nicht mithalten. Sie kamen auf ein Plus von 2,8 Prozent. Und die großen Hypermärkte kämpften sogar mit Umsatzrückgängen.

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Der Discounter plant die milliardenschwere Modernisierung seiner Filialen und hat jetzt die Zustimmung aller Gesellschafter-Stiftungen. Es war unklar gewesen, ob Familienstreitigkeiten das Umbauprojekt stoppen würden.

Um die Rückkehr zu alter Stärke zu schaffen, haben die Discounter an vielen Schrauben gedreht. Sie investierten Milliarden in die Modernisierung ihrer Läden, bemühten sich um attraktive Angebote für jüngere Kunden und Aldi nahm sogar immer mehr Markenartikel in sein Angebot auf. Mit Erfolg: In der Wachstumsdynamik seien die Discounter der Supermarktkonkurrenz „aktuell schon einmal voraus“, heißt es in der GfK-Studie.

Vielleicht noch deutlicher ist die Begeisterung der Deutschen für Schnäppchen im Textilhandel. Während große Teile des Modehandels über Umsatzrückgänge stöhnen und immer mehr Boutiquen und auch traditionsreiche Modehäuser schließen müssen, eröffnen Billiganbieter wie Primark, Kik oder H&M immer neue Läden und bauen ihren Marktanteil damit weiter aus. Und mit dem Designer-Outlet Saks Off 5th des Kaufhof-Mutterkonzerns HBC drängt jetzt sogar noch ein neuer Wettbewerber in die Innenstädte. Rund 40 der Schnäppchen-Läden sollen in den nächsten Jahren in deutschen Fußgängerzonen entstehen.

„Konzepte, die den Preis in den Mittelpunkt stellen, werden vom Verbraucher gut angenommen“, ist der Branchenkenner Joachim Stumpf von der Münchner Handelsberatung BBE überzeugt. Vor allem klassische Modehändler müssten dadurch Umsatzeinbußen befürchten. Denn durch neue Konzepte wie Saks Off 5th werde nicht mehr verkauft. „Der Verdrängungswettbewerb im deutschen Textilhandel wird lediglich noch weiter verstärkt.“

Doch ist damit die Liebe der Deutschen zu Schnäppchen-Angeboten offenbar immer noch nicht ausgereizt. In immer mehr Straßen vor allem abseits der Fußgängerzonen öffnen zurzeit sogenannte Non-Food-Discounter. Läden wie Tedi, Action, MacGeiz oder Black.de bieten ein auf den ersten Blick oft verwirrendes Sortiment, das von Dekoartikeln über Haarshampoo bis zu Süßigkeiten reicht und von Kette zu Kette variiert.

Für den Handelsexperten Markus Hepp von der Unternehmensberatung Boston Consulting füllen sie eine Lücke in den Handelssegmenten, wo sich bisher noch kein spezialisierter Billiganbieter hervorgetan hat. Die Billigketten seien „eine Art Sammel-Discounter für Haushalts-, Party- und Elektroartikel, Schreib- und Spielwaren, aber auch Drogerie- und Kosmetikprodukte“. Und sie wachsen schnell. Allein Marktführer Tedi will in diesem Jahr im Schnitt in Deutschland pro Woche drei neue Filialen eröffnen, wie ein Mitglied der Geschäftsführung dem Handelsblatt verriet.

Von

dpa

Kommentare (2)

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M. A.

31.07.2017, 15:46 Uhr

Die Frage ist nur, wie ethisch vertretbar es ist, als genügend betuchter Käufer in Billig-Modeketten einzukaufen, denen man nachsagt, dass sie Menschen in Dritte-Welt-Ländern ausbeuten. Oder hat sich da irgendetwas wesentlich verbessert?

Frau Emi Landberger

01.08.2017, 10:49 Uhr

Die Ausbeutung spielt tatsächlich eine große Rolle, schließlich machen Leute Kleider. Ich habe gar keine lust mich ständig unwohl zu fühlen, weil ich gerade ein Kleidungsstück trage, für das jemand schuften musste, ohne wirklich entlohnt worden zu sein. Dann könnte dem ein oder anderen auch stören (wie auch mir), dass die Kleidung in einer so großen Menge produziert wird, dass man Leute mit dem Kleidungsstück wie man selbst fast jeden Tag begegnet. Das ist aber natürlich das kleinere Übel. Das ist sehr interessant, wer sich dafür einsetzen möchte https://www.change.org/p/gotransparent-wer-steckt-hinter-meiner-kleidung Also ich kaufe möglichst nicht mehr bei solchen Läden ein, manchmal informiere ich mich noch über die Angebote aber möglichst ohne in den Laden zu gehen, es gibt ja die Portale kaufDA, Online-Prospekt.com usw Naja es ist auch schon vorgenommen, dass ich trotzdem etwas gekauft habe weil mir es so gefallen hat ^^ Allerdings nach 2-3 mal tragen hat mich mein Gewissen wieder eingeholt und das T-Shirt wurde für immer in mein Kleiderschrank verbannt.

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