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04.10.2016

15:35 Uhr

Aldi, Lidl und der Luxus

Die Zukunft gehört den Design-Discountern

Auch Discounter müssen um ihre Kunden kämpfen. Aldi Nord setzt nun mit Piniendekor und Einkaufswagen mit Becherhaltern auf einen Hauch von Luxus. Die Konkurrenz bereitet ebenfalls eine Design-Offensive vor.

Eine Gladbecker Filiale des Discounters zeigt, was die Märkte künftig bieten sollen - zum Beispiel Einkaufswagen mit Latte-Macchiato-Halter. dpa

Aldi-Nord-Markt der Zukunft

Eine Gladbecker Filiale des Discounters zeigt, was die Märkte künftig bieten sollen - zum Beispiel Einkaufswagen mit Latte-Macchiato-Halter.

EssenGeräumigere Parkboxen, Einkaufswagen mit Getränkehalter, Regale in dunkler Kunststoff-Pinie und Wein aus Kisten im Winzerdesign: In immer mehr Aldi-Nord-Filialen hat die traditionell schlichte Ausstattung bald ausgedient. Luxus bleibt im Billigpreis-Reich allerdings auch weiterhin Fehlanzeige. Wie schon zuvor das Mülheimer Schwesterunternehmen Aldi Süd setzt der Essener Discountriese verstärkt auf eine Modernisierung seines Filialnetzes. Dem Pappkarton und der Palette bleibt Aldi jedoch trotzdem treu.

In einer Musterfiliale in Gladbeck ist die Aldi-Nord-Zukunft schon heute zu besichtigen: Dort können Kunden mit einem frisch gebrühten Kaffee ihre Tour durch den 1400 Quadratmeter großen Laden starten. Das neue Einkaufswagenmodell mit Becherhalter, Joystick-Lenker und Fach für empfindliche Waren wird ergänzt durch eine knallbunte Kinderversion.

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Mehr Tageslicht, Markenprodukte und Holz statt Kartons: Aldi Nord erfindet sich nicht am Reißbrett neu, sondern in der Praxis. Das ist dringend nötig, denn die Konkurrenz hat vorgelegt. Ein Besuch in der Filiale der Zukunft.

Als deutlich bedeutsame Neuerung dürften viele Stammkunden den nun an gleich mehreren Stellen im Laden zu findenden Einkaufskorb empfinden, mit dem auch der kleine Einkauf bei Aldi wieder salonfähig wird. Vertraut dürften versierten Aldi-Nutzern dagegen die Pappkartons mit Ware in den Regalen und die Getränke-Paletten sein.

Hinter der Modernisierungsoffensive im Ruhrgebiet steckt ein millionenschweres Investitionsprogramm, mit dem sich der Discount-Primus für den harten Wettbewerb im deutschen Lebensmitteleinzelhandel rüsten will. Nach der Umrüstung von 90 Märkten noch in diesem Jahr allein bei Aldi Nord werde in den kommenden Jahren die Modernisierung von jeweils 150 bis 200 Standorten im Jahr angepeilt, kündigte das Unternehmen an.

Ergänzt wird die Strategie durch den Neubau einer Unternehmenszentrale in Essen. Dort werde sich die Mitarbeiterzahl im neuen Aldi-Campus von derzeit 400 auf 800 verdoppeln, kündigte Aldi-Manager Rainer Kämpgen in der „WAZ“ an. Auch bei Aldi Süd läuft die Modernisierung auf Hochtouren. Das Schwesterunternehmen setzt im Gegensatz zum eher dunkleren Nord-Design mehr auf mediterranes Ambiente. Aldi Süd hatte seine Pläne bereits im Frühjahr vorgestellt.

Auch beim Aldi-Konkurrenten Lidl läuft nach Angaben von Sprecherin Eva Groß eine Modernisierung. „Unser Filialkonzept wird jedes Jahr weiterentwickelt“, sagte sie. Das „freundlichere Ambiente“ mit natürlicher Beleuchtung und LED-Technik sowie der Ausbau der Frischebereiche komme bei den Kunden „sehr gut“ an. Den Discount-Wurzeln wolle man jedoch treu bleiben.

„Das neue Ladendesign ist für Discounter sehr wichtig, um den Anschluss an die Supermärkte nicht zu verlieren“, sagt Handelsexpertin Claudia Horbert vom Kölner Forschungsinstitut EHI. Dabei sei die Wahl des Designs eine „Gratwanderung“. „Wenn die Einrichtung zu edel wirkt, kann das preissensible Kunden verschrecken, weil sie das Gefühl haben, das ist zu teuer hier“, warnt sie.

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Beim Handelsverband Deutschland (HDE) sieht Hauptgeschäftsführer Stefan Genth einen Trend zu höherwertigen Einkäufen gerade im Lebensmittelhandel. „Man gönnt sich was“, so Genth. Neben der Renaissance der Supermärkte trage dem auch die aktuelle Entwicklung der Discounter Rechnung. Trotzdem stehe die Branche weiter unter einem harten Preis- und Wettbewerbsdruck.

Auch Florian Schiffer von der Düsseldorfer Agentur Mavis sieht die Discounter vor neuen Herausforderungen. „Das einfach Dasein reicht nicht mehr“, sagt er. Früher seien der Preis und die Verfügbarkeit von Waren die wesentlichen Punkte gewesen. Heute müsse sich auch ein Discounter dem sich ändernden Kundenverhalten anpassen. Mittlerweile sei es für jede Gesellschaftsschicht absolut normal, zum Discounter zu gehen. Der Kaffeebecherhalter sei dabei ein Schritt in die richtige Richtung. Nun müssten die Discounter auch über andere Angebote wie etwa einen Lieferservice nachdenken.

Von

dpa

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