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23.02.2017

13:27 Uhr

Aldi und Lidl

Deutschlands Discounter im Brexit-Land

Seit mehreren Jahren mischen Deutschlands Discounter Aldi und Lidl den britischen Lebensmitteleinzelhandel auf – und setzen Supermarktgröße Tesco unter Druck. Was bedeutet der Brexit für den Siegeszug der Billigheimer?

Die deutschen Discounter wollen in Großbritannien noch weiter expandieren. dpa

Aldi in London

Die deutschen Discounter wollen in Großbritannien noch weiter expandieren.

LondonBritisches Rindfleisch, schottische Miesmuscheln, dazu Werbebotschaften wie „we love british“. Die Discounter Lidl und Aldi in Großbritannien sind gut darin, dem britischen Kunden das Gefühl zu geben, er kaufe nicht beim Deutschen ein. Seit 2010 haben sie einen erstaunlichen Siegeszug auf der Insel hingelegt. Notierte Aldi Uk in der Rangliste der britischen Supermärkte damals noch unter ferner liefen, kletterte die Aldi-Süd-Tochter nun auf Platz fünf.

Mehr verkaufen nur noch die „big four“, die vier großen Ketten Tesco, Sainsbury's, Morrisons und Asda. Lidl (in Großbritannien sprich: „Liddl“) steht an achter Stelle. Aldi und Lidl zusammen haben sich den Konsumforschern von Kantar Worldpanel zufolge rund 11 Prozent Marktanteil erobert.

Doch wie lange kann das Wachstum noch anhalten? Und was haben Aldi und Lidl vom Brexit zu erwarten? Die Meinungen darüber gehen auseinander. Unbestritten ist die Tatsache, dass der Einbruch des Pfundkurses, den der Entschluss der Briten zum EU-Austritt auslöste, zu einem Preisanstieg auf dem Lebensmittelmarkt führen wird. 40 Prozent der Lebensmittel, die auf der Insel konsumiert werden, sind importiert. Weil in der Branche langfristige Lieferverträge üblich sind, dauert es Monate, bis die Preissteigerung beim Kunden ankommt.

Die Frage ist, ob das die Kunden scharenweise in die Arme der Discounter Lidl und Aldi treiben wird, wie manche meinen, oder die Inflation den beiden Ketten das Leben schwer machen wird, weil sie ohnehin mit sehr knapp kalkulierten Gewinnspannen arbeiten.

Fraser McKevitt vom Konsumforschungsinstitut Kantar Worldpanel ist vorsichtig optimistisch, dass Aldi und Lidl vom Brexit profitieren könnten. „Das ist eine Chance, aber kein Selbstläufer“, sagt er. Die Deutschen müssten noch nachlegen, um mehr Menschen in ihre Läden zu locken.

Das Verbraucherverhalten nach der Finanzkrise von 2008 habe gezeigt, dass der Lebensmittelmarkt relativ widerstandsfähig ist, sagt McKevitt. Am Essen wird zuletzt gespart. Und wenn, dann finden die Menschen auch im Supermarkt um die Ecke oft eine günstigere Alternative. Die etablierten Ketten wie Tesco haben inzwischen kräftig in Eigenmarken investiert. Das scheint sich bereits auszuzahlen. Seit Jahren konnte Marktführer Tesco seine Marktanteile wieder moderat steigern.

Die größten Discounter der Welt

Platz 10

Dollar Tree belegt den zehnten Platz unter den weltgrößten Discountern. Das US-Unternehmen erwirtschaftete 2014 6,8 Milliarden Euro.

Quelle: Planet Retail/Statista

Platz 9

Auch aus Skandinavien kommt ein Discounter, der es unter die Top Ten der weltgrößten geschafft hat: Rema 1000 gehört zum Konzern Reitangruppen. 2014 setzte das Unternehmen sieben Milliarden Euro um.

Platz 8

2014 generierte der US-Discounter Family Dollar einen Umsatz von 8,3 Milliarden Euro.

Platz 7

Der siebtgrößte Discounter der Welt heißt Biedronka, ist in Polen aktiv, gehört aber der portugiesischen Gruppe JMR Jerónimo Martins Retails. 2014 setzte die Kette 9,3 Milliarden Euro um.

Platz 6

Die sechstgrößte Discountkette der Welt stammt aus Spanien. Das Unternehmen mit dem Namen Dia (zu Deutsch „Tag“) setzte 2014 10,3 Milliarden Euro um.

Platz 5

Auf dem fünften Platz findet sich ein deutsches Unternehmen: Der Discounter Penny, der zur Rewe-Gruppe gehört. 2014 betrug der Umsatz des Discounters 12,1 Milliarden Euro.

Platz 4

Der viertgrößte Discounter der Welt ist Netto. Die Kette gehört zur Edeka-Gruppe und erwirtschaftete 2014 einen Umsatz von 14,5 Milliarden Euro.

Platz 3

Die US-Kette Dollar General verkaufte 2014 Waren im Wert von 15,0 Milliarden Euro.

Platz 2

Der Discounter Lidl, der zur Schwarz Gruppe gehört, belegt im Ranking der weltgrößten Discounter mit großem Abstand zum Drittplatzierten den zweiten Platz. 2014 betrug der Umsatz der Supermarktkette 62,7 Milliarden Euro.

Platz 1

Aldi Nord und Süd sind gemeinsam auf Platz eins im Ranking der weltweit größten Discounter. 2014 verkauften die beiden deutschen Unternehmen Artikel im Wert von 65,9 Milliarden Euro.

Experten der Investmentgesellschaft Alliance Bernstein glauben, dass nur eine lange und tiefe Rezession zu weiteren Wanderungsbewegungen in Richtung Aldi und Lidl führen könnte. Davon ist Großbritannien aber trotz Brexit weit entfernt.

Doch längst versuchen Aldi und Lidl, auch abseits der Schnäppchenjäger auf Kundenfang zu gehen. Waren die deutschen Discounter im traditionell stark durch Klassenschranken geprägten Großbritannien vor einigen Jahren noch als Billigheimer verschrieen, haben sich die Markennamen Lidl und Aldi inzwischen ins britische Bewusstsein eingebrannt.

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