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17.05.2017

12:26 Uhr

Alexander Birken führt Versandhändler

Der neue Chef trimmt Otto auf Wachstum

Der Otto-Konzern hat einen dramatischen Wandel vom reinen Versandhändler zur Nummer zwei im deutschen Onlinehandel hinter sich. Der neue Chef gibt nun ehrgeizige Wachstumsziele für die nächsten Jahre vor.

Früher ein reiner Versandhändler, heute die Nummer zwei im deutschen Onlinehandel. dpa

Otto Group

Früher ein reiner Versandhändler, heute die Nummer zwei im deutschen Onlinehandel.

Hamburg, DüsseldorfDer Handels- und Dienstleistungskonzern Otto ist durch seinen Umbau profitabler geworden und schaltet nun wieder auf Wachstum. Binnen fünf Jahren soll der Umsatz auf 17 Milliarden Euro gesteigert werden, wie der seit Jahresanfang amtierende Vorstandschef Alexander Birken am Mittwoch ankündigte. Das ist gut ein Drittel mehr als zuletzt.

Für die angepeilte Steigerung setzt Europas größter Versandhauskonzern vor allem auf den Onlinehandel. Der Einkauf über Smartphones und Tablets im Internet steuert mit knapp sieben Milliarden Euro bereits jetzt mehr als die Hälfte zum Konzernumsatz von Otto bei. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016/17 (bis Ende Februar) steigerte das Hamburger Familienunternehmen die Erlöse auf vergleichbarer Basis insgesamt um fünf Prozent auf 12,5 Milliarden Euro.

Neuer Otto-Chef Alexander Birken: Teamspieler mit hohen Ansprüchen

Neuer Otto-Chef Alexander Birken

Premium Teamspieler mit hohen Ansprüchen

Der neue Otto-Chef Alexander Birken soll den begonnenen Wandel bei dem Versandhändler vorantreiben. Wie er sich die Zukunft der Gruppe vorstellt, ist bereits auf dem Firmengelände in Hamburg zu erkennen.

Die Otto Group ist die Nummer zwei im deutschen Onlinehandel. Doch anders als die Konkurrenten Amazon und Zalando auf Platz eins und drei hat sie nicht nur die eine große Plattform otto.de. Das Unternehmen besteht aus rund 100 teils sehr spezialisierten Webshops. Darunter sind auch bekannte Namen wie Bonprix, MyToys oder auch der Shoppingclub Limango.

Das Onlineangebot an Produkten und Dienstleistungen will Birken weiter ausbauen. Zudem soll das stark wachsende Start-up Collins mit der Plattform About you zu einem Unternehmen mit Milliardenumsatz entwickelt werden. Bei einer Finanzierungsrunde wurde Collins von externen Partnern jüngst schon mit 320 Millionen Euro bewertet.

Neue Ideen für die Online-Lieferung

Drohnen

Als Amazon-Chef Jeff Bezos Ende 2013 in einem TV-Interview den Prototypen seiner kleinen Fluggeräte zur Warenlieferung vorstellte, hielten das viele zunächst für einen Werbegag. Doch Amazon meint es ernst und hat mit „Prime Air“ sogar schon einen Namen für den Service. Ob und wann Amazon-Bestellungen tatsächlich im Alltag per Drohne geliefert werden könnten, ist offen - der Konzern testet noch. Eine Hürde bleibt auch die rechtliche Grundlage. Dies schreckt Konkurrenten jedoch nicht von eigenen Versuchen ab. So hat die Deutsche Post den automatischen „Paketcopter“, der 2014 testweise die Nordseeinsel Juist unter anderem mit Medikamenten versorgte. Und Google arbeitet bei „Project Wing“ an Mini-Fliegern mit Seilwinde.

Lieferroboter

Die Fahrzeuge, die äußerlich an einen großen Mars-Rover erinnern, sollen neben Fußgängern auf Gehwegen unterwegs sein. Die Firma Starship zum Beispiel, mit der unter anderem der Paketdienst Hermes und der Handelskonzern Metro zusammenarbeiten, will damit Waren mit einem Gewicht von bis zu 15 Kilogramm auf eine Entfernung von fünf Kilometern befördern. Die Vision ist, dass ein Mitarbeiter über das Internet 50 bis 100 automatische Lieferroboter überwacht. Starship peilt Kosten von rund einem Dollar pro Zustellung an. Die Pizza-Kette Domino's testete einen eigenen Lieferroboter in Australien. In Deutschland gibt es das Problem, dass der Betrieb solcher Fahrzeuge im Alltag nicht geregelt ist.

Kofferraum

Warum die Pakete immer nach Hause liefern, wenn der Adressat vielleicht gerade woanders unterwegs ist? Die Idee, die Pakete vom Zusteller einfach im Kofferraum zu platzieren, nimmt dabei konkrete Formen an. Der Zusteller bekommt dafür einen ein Mal gültigen Code, mit dem er die Klappe öffnen kann. Die Position des Fahrzeugs wird per GPS bestimmt. Der Paketdienst DHL testet die Kofferraum-Zustellung in einigen deutschen Städten mit jeweils mehreren hundert Smart-Fahrern. Unter anderem auch Audi, BMW und Volvo arbeiten an einem solchen Verfahren.

Crowdshipping

Warum nicht den Nachbarn zum Paketboten machen? Zahlreiche Start-ups versuchen gerade, daraus eine Geschäftsidee zu machen. Kern ist eine App, die Händler, Lieferanten und Kunden verknüpft. Wer ohnehin unterwegs ist, kann dann Pakete für andere mitnehmen und sich so etwas Geld verdienen. So gut die Idee ist, so schwierig scheint sie umzusetzen zu sein: DHL hat damit schon erfolglos experimentiert, Walmart einen Feldversuch abgebrochen. Auch Amazon testet den Service.

Kühlboxen

Die britische Supermarktkette Waitrose hat als erster mit dieser Idee Furore gemacht: Gekühlte Abholstationen für online bestellte Lebensmittel. Auch die britische Walmart-Tochter Asda experimentiert mit Kühlfächern an Tankstellen. Geöffnet werden sie per QR-Code oder PIN, die Kunde per Mail bekommt. Auch Rewe probiert bereits die Idee aus.

Weiteren Zuwachs verspricht sich Otto von den klassischen Modeanbietern Bonprix und Witt sowie vom amerikanischen Möbel- und Lifestyle-Spezialisten Crate & Barrel. Birken will den Konzern zudem für Partner öffnen. „Wir können uns vorstellen, stärker als bisher Beteiligungen an ausgewählten wachstumsstarken Konzernunternehmen zuzulassen.“

Im abgelaufenen Geschäftsjahr erntete der Konzern mit weltweit knapp 50.000 Beschäftigten die Früchte des Umbaus. Unter Birkens Vorgänger Hans-Otto Schrader hatte Otto mehrere Tochtergesellschaften saniert und sich von unprofitablen Beteiligungen getrennt. Der Betriebsgewinn (Ebit) legte um fast 40 Prozent auf 365 Millionen Euro zu. Trotz erneut hoher Belastungen aus dem Verkauf der Handelsaktivitäten der französischen 3SI Group bliebt unter dem Strich einen Überschuss von 41 Millionen Euro. Im vorangegangenen Jahr hatte ein Nachsteuerverlust von 190 Millionen Euro in der Bilanz gestanden.

Kommentare (2)

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Herr Nehal Devanowitch

17.05.2017, 12:45 Uhr

Alles austauschbar. Bei Bonprix bestell ich seit über 17 Jahren nichts mehr, nachdem mit nur schrott geliefert wurde und keinerlei für mich akzeptable Rückabwicklung stattfand.

Herr Hans-Jörg Griesinger

17.05.2017, 13:21 Uhr

Im Onlinehandel zählt nur noch billiger und besser beim Service.
Wenn mal mal die Preise bei Otto mit amazon vergleicht, haben die Hamburger keine Chance.
Gerade für finanzschwächere Haushalte bietet die sehr teure Ratenkaufmöglichkeit bei Otto eventuell ein Kaufargument, welcher aber durch knapp 16% Zinszahlung die Ware weiter massiv verteuert.
Otto ist beim Preisangebot gegenüber anderen Mitbewerbern deshalb nicht konkurrenzfähig.

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