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17.05.2016

13:11 Uhr

Alitalia

Blaupause für Air Berlin?

VonJens Koenen

Die italienische Fluggesellschaft Alitalia, wie Air Berlin eine der Beteiligungen der Golf-Airline Etihad, will 49 Prozent an Air Malta übernehmen. Ein Modell auch für die deutsche Etihad-Tochter?

Die italienische Fluggesellschaft will 49 Prozent der maltesischen Fluggesellschaft Air Malta übernehmen. AFP; Files; Francois Guillot

Alitalia

Die italienische Fluggesellschaft will 49 Prozent der maltesischen Fluggesellschaft Air Malta übernehmen.

FrankfurtManche Dementis sind richtig und falsch zugleich. Als die „Times of Malta“ kürzlich berichtete, dass Etihad mit 49 Prozent bei der heimischen Fluggesellschaft Air Malta einsteigen werde, dementierte die Golf-Airline hart. Entsprechende Berichte seien „kategorisch falsch“, ließen die Offiziellen in Abu Dhabi verlauten. Doch seit Ende April wissen wir: Etihad wird wahrscheinlich doch Aktionär von Air Malta – nämlich indirekt über die Beteiligung Alitalia, die 49 Prozent an der angeschlagenen maltesischen Fluggesellschaft erwerben will.

Die Transaktion selbst fand kaum Beachtung. Air Malta ist klein. Gerade einmal zwölf Flugzeuge besitzt das Unternehmen. Vor gut drei Jahren war die Airline mit einem Verlust von 74 Millionen Euro faktisch am Ende, die EU genehmigte aber die erforderliche Staatshilfe. Für das vergangene Geschäftsjahr hatte das Management eine Reduzierung des Verlusts auf vier Millionen Euro angepeilt, konkrete Zahlen gibt es aber noch nicht. Dafür ist seit längerem klar: Die Airline soll verkauft werden, beziehungsweise sich einen starken Partner suchen.

Mit diesen Extras verdienen die Airlines gutes Geld

Lufthansa

Im Jahr 2014 hat die Lufthansa ihre Einnahmen aus dem Vielfliegerprogramm Miles & More mehr als verdoppelt. 90 Millionen Dollar an Einnahmen standen zu Buche.

Quelle: The Car Trawler Yearbook of Ancillary Revenue

Air Asia

Air Asia bietet seinen Passagieren Wlan für weniger als drei Dollar während des Flugs an, dass für Chatprogramme wie WhatsApp benutzt werden kann.

Jetblue

Jetblue will bald neue Paketangebote vorstellen. Besonders günstig sind dabei Handgepäck-Flüge. So sollen jährlich bis zu 200 Millionen Dollar mehr eingenommen werden.

Ryanair

Billigflieger Ryanair geht davon aus, dass 25 Prozent seiner Kunden Geschäftsreisende sind. So buchen bis zu 9000 Kunden pro Tag das teurere Business-Plus-Paket.

Spirit

Spirit erzielte durch den Verkauf von zugeteilten Sitzplätzen Einnahmen von 76,2 Millionen Dollar, das entspricht im Durchschnitt 5,30 Dollar pro Passagier.

Allegiant

Im vergangenen Jahr steigerte der US-Billigflieger Allegiant seine Einnahmen durch den Verkauf von Dritt-Dienstleistungen (Hotelzimmer, Mietwagen, Hotel Shuttle Service) um 30,1 Prozent.

Volaris

Die mexikanische Billig-Airline Volaris erzielte mehr als 3,5 Millionen Euro durch Mitgliedschaften in seinem „V-Club“. Dieser bietet den Mitgliedern günstigere Flugtarife.

Tigerair

Wer schon mal am Flughafen in Singapur gestrandet ist, wird hierfür sicher Verwendung finden: Tigerair bietet mi seinem „Tigerconnect“-Programm für 18 Dollar eine Sightseeing-Tour durch die Stadt an für Kunden, die länger als acht Stunden auf ihren Anschlussflug warten müssen.

American und US Airways

Die US-Fluglinien setzten im Jahr 2014 287 Milliarden Flugmeilen für Vielflieger ab, 61 Prozent davon wurden an Mitglieder des entsprechenden Programms verkauft.

Virgin Australia

Virgin Australia verkaufte sein Vielflieger-Programm für 295 Millionen Dollar.

Alitalia kann sich mit einem Einstieg, der noch durch die Aufsichtsbehörden aber auch die Arbeitnehmervertreter abgesegnet werden muss, touristisch etwas stärken. Für Air Malta wiederum ist das Netzwerk von Alitalia und der süditalienische Raum interessant.

Ein bahnbrechender Deal ist die Transaktion gleichwohl nicht. „Das Einzugsgebiet von Air Malta ist aus Sicht von Etihad eher klein“, sagt Gerald Wissel vom Luftfahrtberatungsunternehmen Airborne Consulting aus Hamburg. Dennoch ist der Schritt interessant. Denn er könnte eine Art Blaupause für die deutsche Air Berlin sein, ebenfalls eine Beteiligung von Etihad. „Alitalia könnte eine Plattform sein, um alle Beteiligungen von Etihad unter ein Dach und eine Führung zu nehmen“, sagt Wissel.

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