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27.07.2015

13:52 Uhr

Alles zum neuen Lufthansa-Tarifsystem

Wie Germanwings – nur mit Gratis-Snack

Die Lufthansa führt ein neues Preissystem für Flüge innerhalb Europas ein. Die Billigtochter Germanwings steht Pate. Wer nur mit Handgepäck fliegt, kommt günstiger weg. Was Sie über die neuen Tarife wissen sollten.

Preisschlacht über den Wolken

Neues Billig-Image: Lufthansa schlägt zurück

Preisschlacht über den Wolken: Neues Billig-Image: Lufthansa schlägt zurück

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Düsseldorf/FrankfurtIst die Lufthansa auf dem Weg zum Billigflieger? Oder ist es lediglich ein längst überfälliger Schritt, den Deutschlands größte Fluggesellschaft am Montag gegangen ist? Die Lufthansa hat ihr neues Tarifsystem für Europaflüge vorgestellt. Je nach Kunde – vom Städtetourist bis zum Vielflieger – wird das Preiswerk wohl unterschiedlich ankommen.

Nach dem Vorbild des konzerneigenen Billigfliegers Germanwings enthält das günstigste Ticket ab dem 1. Oktober nicht mehr das Recht, einen Koffer kostenlos aufzugeben. Der Einstiegspreis für Hin- und Rückflug verringert sich so um zehn auf 89 Euro. Andere Tickets werden hingegen im Vergleich zum aktuellen Niveau teurer.

Kommentar zur Lufthansa: Diese Aufpreisliste nervt!

Kommentar zur Lufthansa

Diese Aufpreisliste nervt!

Fester Sitzplatz? Kofferabgabe? Umbuchung? Das alles kostet bei der Lufthansa ab sofort extra. Was beim Autokauf oder beim Handyvertrag Sinn macht, nervt beim Fliegen gehörig. Ein Kommentar.

In der Economy-Klasse wird es künftig für jeden Sitz die Wahl zwischen drei Service-Paketen in den Tarifen „Light“, „Classic“ und „Flex“ geben. Auch der Leistungsumfang der Business-Klasse wird neu gefasst. Die Tickets sind bereits ab Dienstag erhältlich.

„In Zukunft kann jeder Passagier eine Flugreise aus verschiedenen, modularen Leistungsbestandteilen individuell und flexibel zusammenstellen“, lässt sich dazu Vertriebschef Jens Bischof zitieren. „Die vorkonfektionierten Preisoptionen Light, Classic und Flex sind transparenter und erleichtern dem Kunden bei Flugreisen innerhalb Europas in der Economy Class die Auswahl.“

Klingt ganz schön technisch. Doch was bedeutet das im Detail? Die neuen Buchungsklassen im Überblick:

Economy Light

Die neue Handgepäckklasse der Lufthansa. Sie ist günstig bereits ab 89 Euro für Hin- und Rückflug zu buchen, jedoch ohne ein aufzugebenes Gepäckstück und ziemlich unflexibel: Eine Umbuchung oder gar Erstattung der Ticketkosten ist nach der Buchung nicht möglich.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Gegen Zusatzgebühren erfüllt die Lufthansa aber gerne Wünsche. Ein Koffer pro Strecke kann ab 15 Euro aufgegeben, ein fester Sitzplatz ab 10 Euro reserviert werden. „Bereits heute fliegt ein Drittel unserer Fluggäste innerhalb Europas nur mit Handgepäck“, rechtfertigt Vertriebschef Bischof die Tarifoption.

In einer Sache unterscheidet sich die Lufthansa aber weiterhin von ihrer Billigtochter Germanwings: Es werden immer – auch in der „Light“-Option – kostenlose Snacks und Getränke an Bord serviert. Außerdem gibt es eine feste Sitzplatzvergabe beim Check-in ab 23 Stunden vor dem Abflug sowie Prämien-, Status- und Select-Meilen der Programms Miles & More.

Kommentare (10)

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Herr Giannis Peissinger

27.07.2015, 14:05 Uhr

Ich wuesste nicht, warum man Lufthansa fliegen sollte.
Innerhalb Europas gibt es inzwischen jede Menge guter und zuverlaessiger Anbieter ausserhalb Europas liegen zwischen Lufthansa und anderen Konkurrenten, wie Emirates, Singapore, Ethihad oder Quantas Lichtjahre - im Service, Freundlichkeit, Annehmlichkeit des Fluges.
Diese Firmen sind auch ziemlich bei den groessten Drehkreuzen der Welt beheimatet, die mit Sicherheit demnaechst komplett ausserhalb Europas liegen.

Lufthansa wird bald nur noch Nischen bedienen und in wenigen Jahren vermutlich ein Sanierungsfall.
Etwas Besseres haben sie mit ihrer Hochnaesigkeit und verfehlter Strategie nicht verdient.

Herr Marc Otto

27.07.2015, 14:10 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Giannis Peissinger

27.07.2015, 14:17 Uhr

@Otto
Netter Kommentar, aber deplaziert.
Hier geht es um Lufthansa!
Vielleicht kommentieren Sie nochmals beim entsprechenden Artikel.

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