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24.10.2014

07:10 Uhr

Amazon

Der Online-Riese taumelt

VonAxel Postinett

Der Verlust von Amazon hat sich verzehnfacht. Entsprechend heftig ist die Reaktion der Börse. Die Zahlen des vierten Quartals setzen den Online-Händler unter Druck wie nie. Die Gründe dafür und welchen Ausweg es gibt.

Ein Amazon-Paket.

Ein Amazon-Paket.

San FranciscoDer Kurssturz war dramatisch. Nachbörslich sackte die Notierung des weltgrößten Online-Händlers um bis zu 13 Prozent ab auf neue 52-Wochen-Tiefs von zuletzt nur noch knapp unter 280 Dollar. Zu Jahresbeginn lag der Kurs noch bei über 400 Dollar.

Es gibt Gründe für Verkaufswellen. Amazon-Gründer Jeff Bezos ist ein Kämpfer, ein Beißer. Er nimmt sich einen Markt nach dem anderen vor und wo er einfällt, da wächst kein Gras mehr. Doch selbst ein Jeff Bezos zeigt irgendwann Ermüdungserscheinungen. Wenn einer gegen alle kämpft, kann das nicht ohne Spuren bleiben. Autoren griffen Amazon an, Verlage probten den Boykott, Disney ließ die Muskeln im Filmverkauf spielen. Das Smartphone wurde vom Exklusivpartner AT&T nach wenigen Wochen von 199 Dollar (mit neuem Zweijahresvertrag) auf praktisch null gesetzt, weil es keine Käufer fand.

Im Analystengespräch am Donnerstag dann das Eingeständnis: Ja, es gab am Quartalsende für 83 Millionen Dollar unverkaufte Geräte und eine Abschreibung von 170 Millionen Dollar auf das „Fire“-Phone. Dazu kam noch die sündhaft teure Akquisition des Videospiele-Onlinesenders Twitch für eine Milliarde Dollar. Die einzelnen Schleuderspuren verdichteten sich im Quartal zu einer fetten, schwarzen Bremsspur.

Am Ende verzehnfachte sich der Nettoverlust im Quartal gegenüber Vorjahr locker von 41 auf 437 Millionen Dollar. Bezos hatte vor hohen Verlusten gewarnt, das stimmt. Er macht unverhohlen klar, dass für ihn Wachstum vor Gewinn geht. Doch das was jetzt auf den Tisch kam, war weit übler als erwartet. Es war sogar ein Rekordverlust.

Wenn er dafür im Gegenzug wenigstens unwiderstehliche Umsatzzahlen abgeliefert hätte: Das Plus von 20 Prozent auf 20,6 Milliarden Dollar half jedoch nicht, über die Gewinn-Enttäuschung hinwegzusehen.  Im Gegenteil. Für das Weihnachtsquartal, das wichtigste des Jahres, warnt Bezos erneut vor massivsten operativen Verlusten in Höhe von bis zu 570 Millionen Dollar bei dann 27 bis 30 Milliarden Dollar Umsatz. Das wäre der nächste Rekordverlust.

Geschäftsfelder von Amazon

Online-Handel

Mit Büchern fing alles an, doch mittlerweile hat Amazon eine breit gefächerte Produktpalette. Der US-Konzern verkauft inzwischen auch CDs, DVDs, Kleidung und Elektronik. Auch mit der Lieferung von Lebensmitteln experimentiert das Unternehmen.

Eigene Hardware

Ob Kindle oder Kindle Fire: Amazon bietet eigene E-Reader und Tablet-Computer an. Die Hardware ist in der Regel sehr günstig – Geld will das Unternehmen mit dem Vertrieb digitaler Medien wie E-Books verdienen.

Verkaufsplattform

Nicht alles, was bei Amazon angeboten wird, stammt aus den Lagerhäusern des Konzerns. Er stellt seine Verkaufsplattform Marketplace auch Privatleuten und anderen Händlern zur Verfügung – natürlich gegen Kommission.

IT-Dienste

Der weltgrößte Online-Einzelhändler ist auch ein führender Anbieter von IT-Diensten. Bei den „Amazon Web Services“ geht es um das sogenannte Could Computing: Unternehmen, Behörden oder Software-Entwickler können Rechenleistung, Speicherkapazitäten und damit verbundene Dienstleistungen mieten. Der Vorteil: Man spart an der eigenen Computertechnik und kann auch flexibel auf Nachfrage-Schübe reagieren.

Markenberater Kevin Paul Scott fürchtet, dass sich Bezos schlicht verzettelt hat. „Statt als der Beste in allem dazustehen, sieht Amazon aus wie der Beste in gar nichts“, warnt er. „Bezos geht in zu viele verschiedene Richtungen auf einmal“, erklärt er gegenüber dem Handelsblatt.

Kommentare (7)

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Herr wulff baer

24.10.2014, 10:06 Uhr

Wieder ein Beispiel, wie schlampig manche Beiträge recherchiert werden, z.B. mit der Äußerung: "...das Beste in garnichts...".
Amazon ist in seinem Kerngeschäft, das größte Warenhaus der Welt, immer noch unangefochten die Nr.1.
Prime-Kunden erhalten innerhalb 24 Stunden portofrei Waren aus dem weltgrößten Sortiment.
Kulanz und Service sind unübertroffen, ein Beispiel für den stationären Wegduck-Handel oder Online-Newkommer wie Otto, Media-Saturn und dergl.
Ich habe einmal und nie wieder etwas bei einem der Amazon-Konkurrenten bestellt und bin reumütig zu Amazon zurückgekommen.

Herr Peter Spiegel

24.10.2014, 10:43 Uhr

Die Reihenfolge der Artikel ist falsch.
Die Zahlen der BASF gehören hier oben hin und nicht Amazon.
Amazon ist für die europäische Wirtschaft unwichtig.
Ich bin übring,s mit Amazon sehr zufrieden.

Account gelöscht!

24.10.2014, 10:51 Uhr

Service hin oder her; Umsatz ist eben kein Gewinn.
Und nur Umsatz reicht auf Dauer nunmal nicht; sieht man in allen Branchen.

199$ für dieses Smartphone? Lachhaft. das wäre ja so als ob ich als Kunde noch meine mir zugesendete Werbepost bezahlen soll. Die müssten mir 1990$ in die Hand drücken damit dieses Gerät nur bei mir auf dem Tisch gelegt werden kann.

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