Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.10.2013

17:47 Uhr

Amazon empört

Frankreich schützt traditionelle Buchläden

In Frankreich dürfen Online-Händler künftig im Preis bereits maximal herabgesetzte Bücher nicht mehr umsonst versenden. Das beschloss die französische Nationalversammlung – mit seltener Einstimmigkeit.

Neues Gesetz in Frankreich: Online-Buchhändlern dürfen bei einem Nachlass von fünf Prozent auf den Buchpreis keinen kostenlosen Versand mehr anbieten. dpa

Neues Gesetz in Frankreich: Online-Buchhändlern dürfen bei einem Nachlass von fünf Prozent auf den Buchpreis keinen kostenlosen Versand mehr anbieten.

ParisZum Schutz traditioneller Buchläden in Frankreichs Einkaufsstraßen nimmt das Land den US-Konzern Amazon stärker an die Kandare. Die Nationalversammlung in Paris verabschiedete am Donnerstag ein Gesetz, das Online-Buchhändlern das Angebot einer kostenlosen Lieferung zusätzlich zu einem Nachlass von fünf Prozent auf die Bücher untersagt.

Angesichts der immer stärker werdenden Konkurrenz durch Amazon waren französische Verlage gegen die Geschäftspraktiken des US-Konzerns Sturm gelaufen, dem sie Dumpingpreise und unfairen Wettbewerb vorwerfen. Unterstützt von der sozialistischen Regierung Francois Hollandes votierte die Nationalversammlung einstimmig für das Gesetz, der Senat dürfte bald nachziehen.

Einer Parlamentsvorlage zufolge ist der Anteil der Onlineverkäufe am gesamten französischen Buchhandel von 3,2 Prozent im Jahr 2003 auf 13,1 Prozent im Jahr 2011 gestiegen. Zugleich hat Frankreich mit 2000 bis 2500 herkömmlichen Buchläden bei rund 65 Millionen Bürgern aber noch mehr Geschäfte dieser Art als viele andere Länder. In Großbritannien mit seiner vergleichbaren Einwohnerzahl sind es demnach nur 1000.

„Das Gesetz ist Teil unseres Kulturerbes“, sagte der konservative Abgeordnete Christian Kert, der die Initiative vorangetrieben hatte. Die neue Regelung gehört zur Buchpreisbindung in Frankreich, die 1981 die damalige sozialistische Regierung zum Schutz von kleinen Buchläden gegen die Übermacht von Supermarktketten eingeführt hatte.

Amazon kritisierte das Gesetz als Diskriminierung des Onlinehandels. Zudem habe es zur Folge, dass ausgerechnet die häufig im Internet gekauften älteren Bücher sowie Werke kleinerer Verlage nun weniger Abnehmer fänden. Amazon ist nicht der erste US-Internet-Konzern, den Frankreich ins Visier nimmt. So drohen die Franzosen Google mit Strafen für nach ihrer Ansicht unzureichenden Datenschutz und machen sich auf EU-Ebene für eine stärkere Kontrolle auch von Facebook stark.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

manthra

03.10.2013, 18:08 Uhr

"Amazon kritisierte das Gesetz als Diskriminierung des Onlinehandels. Zudem habe es zur Folge, dass ausgerechnet die häufig im Internet gekauften älteren Bücher sowie Werke kleinerer Verlage nun weniger Abnehmer fänden." - Wunderbar gemacht, Frankreich!! Grandiosa! Amazon und hier JBezos soll einfach mal die Klappe-zu-halten. Auch Amazon ist eine Diktatur, es bevormundet die Bürger/Konsumenten: wenn einer/einem ein Werk wichtig ist, findet er/sie es auch! Auch: ohne Amazon.

Freegoldbug

03.10.2013, 22:50 Uhr

Die wahren Verlierer sind die Leser. Sie werden gezwungen, mehr zu zahlen, um die vielen Buchläden künstlich am Leben zu halten. Die Konsumenten müssen entscheiden, nicht die Politik. Mit dieser Maßnahme zeigen die Franzosen wieder einmal, dass sie unverbesserliche Sozialisten sind. Schade.

Rechner

04.10.2013, 00:06 Uhr

Die Regierung Hollandes möchte Frankreich offensichtlich als ein Frankreich-Museum führen.

Buchläden mit Klingeling beim Eintritt und Ringelpullies.

Bloß fürchte ich, daß Tourismus alleine die 62 Millionen nicht ernähren kann.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×