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11.12.2015

19:30 Uhr

Amazon

Gericht verbietet Sonntagsarbeit

Verdi will Amazon mit Streiks im Weihnachtsgeschäft unter Druck setzen. Zudem geht die Gewerkschaft gerichtlich gegen Sonntagsarbeit in Leipzig vor. Der US-Onlinehändler will seine Kunden trotzdem pünktlich beliefern.

Verdi will mit Streiks weiter Druck auf Amazon machen. dpa

Wieder Streiks bei Amazon

Verdi will mit Streiks weiter Druck auf Amazon machen.

Bautzen/LeipzigDas sächsische Oberverwaltungsgericht (OVG) hat Sonntagsarbeit bei Amazon in Leipzig am dritten und vierten Advent untersagt. Die Voraussetzungen für eine Bewilligung am 13. und 20. Dezember lägen nicht vor, teilte das OVG am Freitag mit. Damit setzte sich die Gewerkschaft Verdi mit ihrem Widerspruch gegen die Sonntagsarbeit durch. Zudem rief Verdi wieder zu Streiks im Weihnachtsgeschäft auf. Am Freitag beteiligten sich den Angaben zufolge rund 450 Beschäftigte. Auch an diesem Samstag soll in Leipzig gestreikt werden.

„Wir nehmen die Entscheidung mit Bedauern zur Kenntnis“, sagte eine Amazon-Sprecherin am Freitagabend mit Blick auf die Gerichtsentscheidung. Auswirkungen auf den Endspurt im Weihnachtsgeschäft werde dies aber nicht haben. „Unsere Kunden können sich darauf verlassen, dass ihre Weihnachtsgeschenke pünktlich ankommen.“ So hätten in Leipzig an Sonntagen ohnehin nur Freiwillige gearbeitet.

Die Landesdirektion Sachsen hatte die Sonntagsarbeit im Advent bei Amazon bewilligt, woraufhin Verdi vor Gericht zog. Vor dem Verwaltungsgericht Chemnitz war die Gewerkschaft noch gescheitert. Das OVG beschloss nun aber, dass die Beschäftigung von bis zu 3000 Arbeitnehmern an den Adventssonntagen unrechtmäßig wäre. (Az.: 3 B 369/15)

Das sind Amazons nächste Projekte

Einkaufsliste per Knopfdruck

Unter Amazon Dash versteht der Internetkonzern eine Art Einkaufsliste auf Knopfdruck. Die kleinen Aufkleber mit Taste können die Kunden einfach im Haus an das Waschmittel oder an das Hundefutter kleben - und wenn die Packung leer ist, per Knopfdruck schnell bei Amazon eine neue bestellen. Bisher ist der Service nur für Kunden des Premiumdienstes Amazon Prime in den USA erhältlich - für 4,99 US-Dollar je Button.

Marktplatz für Selbstgemachtes (1)

Mit "Amazon Handmade" macht der Online-Händler Anbietern wie Etsy oder DaWanda Konkurrenz. Auf dem Marktplatz will Amazon Künstler und Bastler versammeln, die individualisierbare Produkte verkaufen: Selbstgeschneiderte Kleider und Taschen, Schmuck, Armbänder, Möbel. Die Plattform befindet sich in den USA noch im Aufbau. Wer dort verkaufen will, kann sich jetzt schon bewerben.

Marktplatz für Selbstgemachtes (2)

Allerdings kostet ein professioneller Verkäufer-Account knapp 40 Dollar im Monat, und Amazon will bei jeder Bestellung zwölf Prozent Provision einstreichen. Bei anderen Plattformen sind diese Konditionen weitaus günstiger für die Verkäufer - allerdings erreichen sie dort wahrscheinlich nicht so viele Kunden. Ob und wann Amazon Handmade auch nach Deutschland kommen soll, ist nicht bekannt.

Plattform für Handwerker

Über seine Plattform "Amazon Home Service" vernetzt der Online-Händler in den USA Techniker, Handwerker und Trainer mit seinen Kunden in den Großstädten. Wer bei Amazon einen neuen Fernseher kauft, kann also gleich einen Techniker beauftragen, der den Fernseher anschließt und einrichtet. Auch Yoga-Stunden und Gitarren-Lehrer lassen sich über die Plattform buchen. Bis zum Jahresende will Amazons einen Service in 30 amerikanischen Großstädten anbieten.

Ein Lkw voller Schätze

In der Amazon-Heimatstadt Seattle fährt seit diesem Sommer der "Treasure Truck" - ein Lkw, vollgeladen mit Sonderangeboten. Kunden können die Waren auf dem Truck per App bestellen und direkt liefern lassen - zum Beispiel ein Surfboard für den Preis von 99 Dollar anstatt den üblichen 499 Dollar.

Musik-Streaming

Prime Music ist der Musik-Streamingdienst von Amazon, eine Konkurrenz zu Spotify oder Apple. Wer Mitglied beim Amazon Premiumdienst Prime ist, kann den Service in den USA und auch in Großbritannien ohne Zusatzkosten nutzen. Allerdings verfügt Amazon bisher nur über eine Bibliothek von etwa einer Millionen Songs.

Eigene Serien, Filme und Video-Spiele (1)

Amazon begnügt sich schon lange nicht mehr, Medien zu verkaufen - der Online-Händler produziert sie mittlerweile auch selbst. Über seinen Streamingdienst zum Beispiel veröffentlichte Amazon gerade die erste Folge der Serie "The Man in the High Castle".

Eigene Serien, Filme und Video-Spiele (2)

Darin geht es um die Frage: Wie würde die Welt aussehen, wenn die Nazis den zweiten Weltkrieg gewonnen hätten? Auch einen eigenen Kinofilm mit dem Titel "Elvis & Nixon" produziert Amazon gerade. Was danach kommt? Wahrscheinlich ein eigenes Videospiel. Laut Medienberichten hat Amazon Entwickler von bekannten Spielen wie World of Warcraft oder Halo verpflichtet.

Der US-Onlinehändler habe den Antrag mit einer stark erhöhten Auftragssteigerung im Weihnachtsgeschäft begründet, teilte das Gericht mit. Sonntagsarbeit sei aber nur zur Verhütung eines unverhältnismäßigen Schadens gerechtfertigt. Mehr Bestellungen gebe es jedes Jahr im Weihnachtsgeschäft. Es sei nicht ersichtlich, warum Amazon den Zusatzbedarf nicht durch die Einstellung weiterer Mitarbeiter abdecken könne.

Verdi will mit Streiks weiter Druck auf Amazon machen. Am Freitag gab es auch Ausstände in Bad Hersfeld (Hessen), Graben (Bayern) sowie an den nordrhein-westfälischen Standorten Werne und Rheinberg. Die Gewerkschaft fordert die Anerkennung des Tarifvertrags für den Einzel- und Versandhandel, der US-Konzern lehnt Verhandlungen darüber strikt ab.

Von

dpa

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