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21.01.2016

14:00 Uhr

Amazon im Tarifstreit

Verdi kündigt weitere Streikwellen an

„Wir haben einen langen Atem“: Verdi hält an einem Einzelhandelstarifvertrag für deutsche Amazon-Mitarbeiter fest. Die Gewerkschaft hat für 2016 neue Streiks beim Versandhändler angekündigt. Doch der reagiert gelassen.

Insgesamt betreibt Amazon neun Logistikzentren in Deutschland – allein zwei davon in Bad Hersfeld. Reuters

Logistikzentrum in Koblenz

Insgesamt betreibt Amazon neun Logistikzentren in Deutschland – allein zwei davon in Bad Hersfeld.

Bad Hersfeld/BerlinNeues Jahr, neue Streiks: Die Gewerkschaft Verdi hat für 2016 weitere Protestwellen angekündigt, um beim weltgrößten Versandhändler Amazon einen Tarifvertrag für Beschäftigte in Deutschland durchzusetzen. „Es ist eine harte Auseinandersetzung. Wir bleiben dran, werden nicht nachlassen und beweisen, dass wir einen langen Atem haben“, sagte Eva Völpel, Sprecherin des Verdi-Bundesvorstands der Deutschen Presse-Agentur in Fulda. Im benachbarten Bad Hersfeld betreibt Amazon den größten Standort bundesweit mit zwei Warenlagern.

Verdi fordert die Anerkennung eines Tarifvertrags für den Einzel- und Versandhandel. Amazon lehnt Verhandlungen darüber kategorisch ab. Deswegen kommt es seit dem Mitte Mai 2013 immer wieder zu Streiks. Das Unternehmen sieht sich als Logistiker und verweist auf eine Bezahlung am oberen Ende des branchenüblichen. Auf die angekündigte Ausweitung der Streiks reagierte Amazon betont gelassen.

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Amazon verwöhnt seine Kunden, andere Händler macht es abhängig.  Denn über „Marketplace“ machen viele kleine Online-Anbieter einen Großteil ihres Umsatzes. Das nutzt der Konzern aus – mit stets derselben Methode.

Verdi wertet die Ausstände im zurückliegenden Jahr als Erfolg. Die nächsten Streikziele könnten Warenlager in Polen und Tschechien sein, wo das Unternehmen zuletzt gewachsen ist. „Amazon betont immer wieder, dass die Streiks nichts bringen und sich nur eine Minderheit beteiligt. Aber wir wissen von Kollegen aus den Warenlagern: Es bleibt sehr viel Arbeit liegen“, sagte Völpel.

Eine Amazon-Sprecherin am Firmensitz in München wies diese Darstellung zurück: „Das ist nicht korrekt, das können wir nicht bestätigen.“ Amazon habe nicht zuletzt im Weihnachtsgeschäft bewiesen, dass das Lieferversprechen gegenüber den Kunden trotz der Streiks eingehalten werden könne. Die weit überwiegende Mehrzahl der rund 11.000 unbefristet angestellten Mitarbeiter beteilige sich nicht an den Aktionen. Auf die Ankündigung weiterer Streiks reagiere das Unternehmen gelassen.

Der Wachstumsmotor von Amazon läuft ungeachtet der Streiks prächtig. 2015 wurden mehr als 800 zusätzliche unbefristete Stellen geschaffen, wie das Unternehmen mitteilte. Zusätzlich plante Amazon, im Januar über 200 saisonale Stellen in feste Arbeitsplätze umzuwandeln.

Amazon in Zahlen

Umsatz

88,99 Milliarden Dollar (2013: 74,45 Milliarden Dollar)

Ergebnis

241 Millionen Dollar Verlust (2013: 274 Millionen Dollar Gewinn)

Mitarbeiter

Rund 154.100 fest und zeitweise angestellte Beschäftigte. Die Zahl schwankt im Jahresverlauf deutlich mit Ausschlägen vor allem zum Weihnachtsgeschäft.

Märkte

62,33 Prozent der Erlöse machte Amazon 2014 im Heimatmarkt USA (Anteil 2013: 59,8 Prozent). In Deutschland gab es nach Umrechnung in US-Währung einen Jahresumsatz von 11,9 Milliarden Dollar (2013: 10,535 Milliarden Dollar).

Steuern

Amazon stellte 2014 laut Jahresbericht 167 Millionen Dollar für die Einkommensteuer zurück (2013: 161 Millionen Dollar)

Von

dpa

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