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14.07.2016

16:36 Uhr

Amazon Lockers

Online-Riese prüft eigene Packstationen in Deutschland

Angriff auf die Post: Der Onlinehändler Amazon prüft offenbar eigene Packstationen in Deutschland. In anderen Ländern gibt es das Angebot bereits. Der Konzern will dadurch unabhängiger werden.

Die Post betreibt bisher 2700 Packstationen in Deutschland. Konkurrenz könnte bald von Amazon kommen. dpa

DHL-Packstation

Die Post betreibt bisher 2700 Packstationen in Deutschland. Konkurrenz könnte bald von Amazon kommen.

DüsseldorfDer Onlinehändler Amazon könnte bei der Verteilung von Paketen einen weiteren Schritt in Richtung Kunden gehen und der Deutschen Post damit Geschäft streitig machen. Amazon prüfe die Einrichtung von Packstationen, die es zunächst in München und Berlin geben könnte, sagte Bernd Schwenger, Chef von Amazon Logistics in Deutschland, der „Wirtschaftswoche“ laut einer Vorabmeldung vom Donnerstag.

Mit den sogenannten Amazon Lockers können Kunden Sendungen abholen, falls die Paketboten sie zuhause nicht erreichen können. „Wir werden bald darüber entscheiden, ob wir die Amazon Locker auch unseren deutschen Kunden anbieten“, sagte Schwenger.

Der Schritt käme nicht überraschend – aus Stellenanzeigen Amazons war bereits im Februar hervorgegangen, dass der US-Riese in europäischen Großstädten eigene Stationen für Pakete aufbauen will. In solchen Stationen könnten die Verbraucher ihre Bestellungen abholen oder Retouren einstellen. Bislang erhalten Amazon-Kunden ihre Lieferungen auf Wunsch auch an die gelben Packstationen der Post oder in die Hermes-Paketshops. Mit einem eigenen Netz würde sich Amazon unabhängiger machen von den großen Paketdienstleistern. Ein entsprechendes Angebot gibt es bereits in den USA und Großbritannien.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Die Post hat in Deutschland bereits über 2700 Packstationen aufgestellt.

Von

rtr

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