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22.01.2015

15:09 Uhr

Amazon nimmt Produkte vom Markt

Windelmarke entpuppt sich als Flop

Weil Kunden mit dem Produkt nicht zufrieden waren, hat Amazon seine eigene Windelmarke wieder aus dem Sortiment gestrichen – nach nicht einmal zwei Monaten. Gegen die namhaften Hersteller kam der Online-Händler nicht an.

Hauseigene Windeln wird Amazon künftig nicht mehr verschicken. ap

Hauseigene Windeln wird Amazon künftig nicht mehr verschicken.

WashingtonEine eigene Windelmarke hat sich für den US-Versandhändler Amazon als Flop entpuppt. Nach noch nicht einmal zwei Monaten nahm der Online-Händler die Windeln des Labels „Amazon Elements“ am Mittwoch schon wieder aus dem US-Sortiment. Aufgrund „erster Kundenreaktionen“ solle das „Design“ verbessert werden, teilte Amazon den bisherigen Käufern per E-Mail mit.

Amazon hatte den Verkauf der hauseigenen Windeln erst Anfang Dezember gestartet. Damit trat der Online-Händler in Konkurrenz zu Windelmarken namhafter Hersteller, deren Produkte ebenfalls über Amazon erhältlich sind. Die Amazon-Windeln waren günstiger, blieben aber in der Kundenbewertung deutlich hinter den Markenprodukten zurück.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Die Windeln waren neben Feuchttüchern für Babys die ersten Produkte der neuen Linie „Amazon Elements“, mit der Amazon künftig Produkte des täglichen Bedarfs an den Start bringen will. Nach seinen Anfängen als Online-Buchhändler hat der Konzern seine Geschäftsfelder in den vergangenen Jahren extrem erweitert: So stellt Amazon eigene mobile Geräte her oder lässt für seinen Streamingdienst demnächst von US-Regisseur Woody Allen eine Serie drehen.

Von

afp

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