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05.12.2016

08:23 Uhr

Amazon. Otto. MyToys

Digitale Wunschzettel werden immer beliebter

Lange Gesichter zur Bescherung – das möchten alle Schenkenden vermeiden. Mit digitalen Wunschzetteln sorgen Händler dafür, dass jeder das passende Geschenk finden kann. Auch im stationären Handel boomt das Konzept.

Bei vielen Online-Händlern können Kunden digitale Wunschzettel anlegen und sie an potenzielle Schenker als Entscheidungshilfe weiterleiten. dpa

Wunschzettel für das Christkind

Bei vielen Online-Händlern können Kunden digitale Wunschzettel anlegen und sie an potenzielle Schenker als Entscheidungshilfe weiterleiten.

MünchenWie kommt das Christkind eigentlich an die Wunschzettel? Und wie entscheidet es, welche Geschenkewünsche es erfüllt? Für Kinder hält die Weihnachtszeit so manches Geheimnis bereit. Doch im boomenden Online-Handel bleibt nichts mehr dem Zufall überlassen. Bei vielen Plattformen können Kunden digitale Wunschzettel anlegen und sie an potenzielle Schenker als Entscheidungshilfe weiterleiten.

Oma und Opa, Tante und Onkel bekommen es damit leicht bei der Auswahl, ersparen sich Doppel-Käufe und möglicherweise manche Enttäuschung zu Heiligabend: Kein Spielzeug oder Buch liegt mehr unter dem Christbaum, das nicht mehr altersgemäß ist oder längst schon im Regal steht, keine Jacke oder Hose wird verschenkt, die nicht passt und keine CD, die nicht den Musikgeschmack trifft. Stattdessen sollen alle genau das bekommen, was sie sich wünschen.

Neue Ideen für die Online-Lieferung

Drohnen

Als Amazon-Chef Jeff Bezos Ende 2013 in einem TV-Interview den Prototypen seiner kleinen Fluggeräte zur Warenlieferung vorstellte, hielten das viele zunächst für einen Werbegag. Doch Amazon meint es ernst und hat mit „Prime Air“ sogar schon einen Namen für den Service. Ob und wann Amazon-Bestellungen tatsächlich im Alltag per Drohne geliefert werden könnten, ist offen - der Konzern testet noch. Eine Hürde bleibt auch die rechtliche Grundlage. Dies schreckt Konkurrenten jedoch nicht von eigenen Versuchen ab. So hat die Deutsche Post den automatischen „Paketcopter“, der 2014 testweise die Nordseeinsel Juist unter anderem mit Medikamenten versorgte. Und Google arbeitet bei „Project Wing“ an Mini-Fliegern mit Seilwinde.

Lieferroboter

Die Fahrzeuge, die äußerlich an einen großen Mars-Rover erinnern, sollen neben Fußgängern auf Gehwegen unterwegs sein. Die Firma Starship zum Beispiel, mit der unter anderem der Paketdienst Hermes und der Handelskonzern Metro zusammenarbeiten, will damit Waren mit einem Gewicht von bis zu 15 Kilogramm auf eine Entfernung von fünf Kilometern befördern. Die Vision ist, dass ein Mitarbeiter über das Internet 50 bis 100 automatische Lieferroboter überwacht. Starship peilt Kosten von rund einem Dollar pro Zustellung an. Die Pizza-Kette Domino's testete einen eigenen Lieferroboter in Australien. In Deutschland gibt es das Problem, dass der Betrieb solcher Fahrzeuge im Alltag nicht geregelt ist.

Kofferraum

Warum die Pakete immer nach Hause liefern, wenn der Adressat vielleicht gerade woanders unterwegs ist? Die Idee, die Pakete vom Zusteller einfach im Kofferraum zu platzieren, nimmt dabei konkrete Formen an. Der Zusteller bekommt dafür einen ein Mal gültigen Code, mit dem er die Klappe öffnen kann. Die Position des Fahrzeugs wird per GPS bestimmt. Der Paketdienst DHL testet die Kofferraum-Zustellung in einigen deutschen Städten mit jeweils mehreren hundert Smart-Fahrern. Unter anderem auch Audi, BMW und Volvo arbeiten an einem solchen Verfahren.

Crowdshipping

Warum nicht den Nachbarn zum Paketboten machen? Zahlreiche Start-ups versuchen gerade, daraus eine Geschäftsidee zu machen. Kern ist eine App, die Händler, Lieferanten und Kunden verknüpft. Wer ohnehin unterwegs ist, kann dann Pakete für andere mitnehmen und sich so etwas Geld verdienen. So gut die Idee ist, so schwierig scheint sie umzusetzen zu sein: DHL hat damit schon erfolglos experimentiert, Walmart einen Feldversuch abgebrochen. Auch Amazon testet den Service.

Kühlboxen

Die britische Supermarktkette Waitrose hat als erster mit dieser Idee Furore gemacht: Gekühlte Abholstationen für online bestellte Lebensmittel. Auch die britische Walmart-Tochter Asda experimentiert mit Kühlfächern an Tankstellen. Geöffnet werden sie per QR-Code oder PIN, die Kunde per Mail bekommt. Auch Rewe probiert bereits die Idee aus.

Aber wo bleiben Vorfreude und Überraschung, wenn es nur noch darum geht, Bestellungen per Mausklick zu tätigen und Listen abzuhaken? Und geht die Freude am Schenken nicht vollends verloren, wenn der Versandhändler auch noch das Verpacken übernimmt und sogar die Weihnachtskarte im Auftrag des Kunden beschriftet?

Platzhirsch Amazon kalkuliert gleich mit ein, dass sich die Kunden etwas Spannung bis Heiligabend erhalten wollen. Wer sich einen Wunschzettel anlegt, kann gleich die Option „Verderben Sie nicht meine Überraschung“ mit einstellen: Bestellt ein Schenker einen Artikel von seinem Wunschzettel, erfährt es der Beschenkte nicht und bekommt nur einen Hinweis, falls er selbst den gleichen Artikel ordert.

Gerade zu Weihnachten würden Wunschzettel immer beliebter, sagt ein Amazon-Sprecher. Die Kunden legen sie für sich selbst an, teilen sie mit Freunden oder der Familie oder erstellen sie gleich direkt zusammen mit ihren Kindern. Wieviel Aufwand sie sich dabei gerne abnehmen lassen, verdeutlicht eine Zahl: Alleine das Amazon-Logistikzentrum in Koblenz verbrauchte zum vergangenen Weihnachtsfest rund 24 Kilometer Geschenkpapier.

Auch bei Otto.de gewinnen Bestellungen über Merkzettel zugleich mit dem mobilen Einkauf über Tablet und Smartphone an Bedeutung. Alleine in diesem Jahr gewann das Unternehmen rund eine Million Nutzer für seine Bestell-App hinzu, wie ein Unternehmenssprecher sagt. Beim Anlegen eines Merkzettels, den die Kunden beliebig benennen und verwenden können – vom Weihnachts-Wunschzettel über die Hochzeits-Wunschliste bis zum Kindergeburtstag – wird ein Link generiert, der in sozialen Netzwerken gepostet oder per Mail versandt werden kann.

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