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30.10.2014

16:56 Uhr

Amazon stellt 10.000 Saisonkräfte ein

Wie Amazon das Weihnachtsgeschäft überstehen will

VonLisa Hegemann

Vor dem Fest verdoppelt Amazon für kurze Zeit die Belegschaft: 10.000 Saisonkräfte sollen den 9000 Festangestellten zur Weihnachtszeit helfen. Mit den Streiks in einzelnen Logistikzentren soll dies nichts zu tun haben.

Amazon-Mitarbeiter im Arbeitskampf: Die Angestellten einiger Logistikzentren fordern mehr Lohn von ihrem Arbeitgeber. dpa

Amazon-Mitarbeiter im Arbeitskampf: Die Angestellten einiger Logistikzentren fordern mehr Lohn von ihrem Arbeitgeber.

DüsseldorfKurz vor der Weihnachtszeit stockt der US-Versandhändler Amazon die Zahl seiner Angestellten noch einmal auf: Mehr als 10.000 Saisonarbeiter sollen die Nachfrage vor dem Fest bedienen. Damit werden im November und Dezember mehr Zeitarbeiter als Festangestellte in den neun Amazon-Standorten in Deutschland beschäftigt sein.

Mit den derzeitigen Streiks habe die Aufstockung nichts zu tun, sagte eine Amazon-Sprecherin auf Nachfrage von Handelsblatt Online. Für Bad Hersfeld, Brieselang und Leipzig habe man bereits im Sommer und September nach Saisonkräften gesucht. In Bad Hersfeld und Leipzig legten die Mitarbeiter auch am Donnerstag wieder die Arbeit nieder, hinzu kamen Ausstände der Belegschaft in Graben bei Augsburg und in Rheinberg in Nordrhein-Westfalen.

Die Gewerkschaft Verdi bestreikt Amazon schon seit mehr als einem Jahr, weil sie dem Onlinehändler vorwirft, nicht nach Tarif zu bezahlen. Verdi fordert eine Bezahlung nach Einzelhandelstarif. Der US-Konzern hingegen sieht sich als Logistikhändler und zahlt den dort geltenden Lohn.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Nach Angaben des Unternehmen entspricht die Anzahl der Saisonkräfte dem üblichen Satz. 2013 hatte der Konzern 14.000 Saisonarbeiter beschäftigt und 1300 seiner Zeitarbeiter hinterher zumindest bis Ende 2014 festeingestellt.

Die Weihnachtszeit sei der Höhepunkt der Versandsaison, sagte die Amazon-Sprecherin. Im vergangenen Jahr sind in der Vorweihnachtszeit nach Angaben des Unternehmens allein am Spitzentag 4,6 Millionen Kundenbestellungen eingegangen. Umgerechnet seien dies 53 Order pro Sekunde. Der US-Versandhändler betonte, dass die Saisonarbeiter pro Stunde genauso viel verdienen wie die 9000 Festangestellten. Je nach Standort seien dies 9,75 und 10,62 Euro pro Stunde.

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