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17.04.2014

14:22 Uhr

Amazon

Streik in Leipzig und Bad Hersfeld

Warnschuss an den US-Versandriesen: Mit Streiks in Leipzig und Bad Hersfeld setzen Amazon-Mitarbeiter ihren Kampf für höhere Löhne fort. Sie wollen Amazon zur Aufnahme von Tarifgesprächen zwingen – bislang ohne Erfolg.

Amazon-Standort in Leipzig: Beschäftige der deutschen Zentren in Leipzig und Bad-Hersfeld haben ihre Arbeit niedergelegt. dpa

Amazon-Standort in Leipzig: Beschäftige der deutschen Zentren in Leipzig und Bad-Hersfeld haben ihre Arbeit niedergelegt.

LeipzigBeschäftigte des Online-Versandhändlers Amazon sind am Donnerstagmorgen in Leipzig und im hessischen Bad Hersfeld in den Ausstand getreten. Mit der Frühschicht begann die ganztägige Aktion, zu der die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hatte. Verdi fordert für die Beschäftigten einen Tarifvertrag nach den Konditionen des Einzel- und Versandhandels. Das US-Unternehmen orientiert sich dagegen nach eigenen Angaben an der Bezahlung in der Logistikbranche. Die Auseinandersetzung läuft bereits seit Monaten. Bereits Ende März hatte Verdi in Leipzig zum Ausstand aufgerufen und auch das Weihnachtsgeschäft bei beiden Amazon-Standorten bestreikt.

Nun rief die Gewerkschaft Verdi Beschäftigte in den Verteilzentren Bad Hersfeld und Leipzig mitten im Ostergeschäft zu einem ganztägigen Streik auf. Der Konzern verweigere nach wie vor jedes Gespräch über einen Tarifvertrag.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

„Das Unternehmen geht darauf überhaupt nicht ein“, sagte Christian Krähling, Vertrauensmann bei Amazon und Mitglied der Tarifkommission, zu Reuters im hessischen Bad Hersfeld. An ein Streikende sei auch deswegen noch lange nicht zu denken. Die Proteste würden sogar ausgeweitet, auf ruhigere Zeiten könne die Geschäftsleitung nicht hoffen. „Wir sind da und wir werden weiterhin streiken“, sagte Krähling. „Es werden weitere, größere Streiks folgen“, kündigte er an. „Wir werden weiter versuchen, das Geschäft bei Amazon durcheinander zu bringen“, sagte auch Verdi-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago in Leipzig. Die Gewerkschaft habe dabei einen langen Atem: „Manchmal braucht es Jahre, um sich durchzusetzen.“

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