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23.06.2015

15:51 Uhr

Amazon überarbeitet Bewertungssystem

Fünf Sterne reloaded

Der Online-Händler Amazon überarbeitet sein Bewertungssystem. Die Meinung der Kunden wird in Zukunft nach mehreren Kriterien gewichtet. Nicht jede Fünf-Sterne-Bewertung ist künftig noch fünf Sterne wert.

Das Bewertungssystem wird verfeinert. dpa

Online-Händler Amazon

Das Bewertungssystem wird verfeinert.

DüsseldorfFünf Sterne, 200 Bewertungen: Es gibt keinen Grund, an dieser Digitalkamera zu zweifeln. Mit einem Klick landet sie im Amazon-Warenkorb – und wird bestellt. Wer die Kamera bewertet und ob derjenige sie wirklich gekauft und getestet hat, war bisher unklar. Die böse Überraschung mit dem Produkt war also auch bei fünf Sternen bei weitem nicht ausgeschlossen. Das will der Online-Händler nun ändern.

Das Bewertungssystem war bisher anfällig für Manipulationen. Auch Menschen, die das entsprechende Produkt gar nicht gekauft hatten, konnten eine Bewertung abgeben. Erst im April verklagte Amazon einen Website-Betreiber aus Kalifornien, der Händlern, die über Amazon verkaufen, gute Produktbewertungen gegen Geld angeboten haben soll. Gefälschte Bewertungen sind wohl eher die Regel als die ganz große Ausnahme.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Amazon will Abhilfe schaffen – und hat in den USA ein neues Bewertungssystem gestartet. Das berichtet die US-Technologie-Webseite „cnet“. Bisher hatte der Konzern schon Bewertungen von anderen Kunden auf ihre „Nützlichkeit“ hin einschätzen lassen. Die Bewertungen von Kunden, die das Produkt nachweislich über Amazon gekauft hatten, erhielten außerdem das Prädikat „Verifizierter Kauf“.

Doch nun hat sich der E-Commerce-Riese zu einem größeren Schritt entschlossen – und schafft die Gewichtung der Bewertungen nach dem Durchschnitt ab. Die Basis für das neue System bilden zwar weiterhin die Urteile der Kunden. Doch in Zukunft bewertet Amazon die Bewertungen selbst. Nicht jede Fünf-Sterne-Bewertung ist damit auch fünf Sterne wert. Neue Bewertungen, Bewertungen zu „verifizierten Käufen“ sowie als „nützlich“ eingeschätzte Bewertungen werden schwerer gewichtet und den Kunden auch weiter oben angezeigt.

Dabei setzt der Online-Händler auf künstliche Intelligenz: Das System soll lernen, welche Bewertungen für die Kunden besonders nützlich sind. Je länger es im Einsatz ist, desto besser soll es werden. Wann das System auch im deutschen Angebot von Amazon startet, ist noch unklar.

Von

td

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