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30.01.2015

06:57 Uhr

Amazon und Alibaba

Das Duell der Handelsgiganten

VonAxel Postinett

Während Jack Mas Alibaba an der Börse einbricht, schießt Jeff Bezos‘ Amazon nach oben. Mit dem Comeback des Onlinehändlers hatte niemand gerechnet. Doch wer wird das Rennen gewinnen?

Der Handelsriese verdient gut im abgelaufenen Quartal. Das ist wahrlich nicht immer der Fall und verwirrt die Börse. dpa

Amazon lässt nicht nur die Drohnen steigen

Der Handelsriese verdient gut im abgelaufenen Quartal. Das ist wahrlich nicht immer der Fall und verwirrt die Börse.

San FranciscoEs ist der Kampf der Giganten: Jack Ma gegen Jeff Bezos. Die erste Runde ging mit einem phantastischen Börsengang mit immensen Kurssteigerungen im September an Ma, den Börsenneuling und –liebling aus China. Dagegen der Altmeister aus Seattle, der am liebsten Geld verliert, um irgendwann mal Geld zu gewinnen. Und der weiß zu kämpfen. Amazon-Chef Jeff Bezos holte völlig unerwartet gute Zahlen aus dem Zauberhut. Die Weihnachtsrunde geht an Amazon.

Das Gute vorweg: Amazon hat Geld verdient im abgelaufenen Quartal. Das ist wahrlich nicht immer der Fall und die Börse ist verwirrt. Immerhin 214 Millionen Dollar netto blieben hängen. Im Vorjahresquartal waren es zwar noch 239 Millionen Dollar, es geht also abwärts. Doch das ist nichts verglichen mit dem dritten Quartal 2014, in dem Chef und Gründer Jeff Bezos seine Aktionäre mit einem Nettoverlust von 437 Millionen Dollar verschreckt hatte. Zur gleichen Zeit spricht alle Welt nur noch über Alibaba: den Börsengang des hochprofitablen Handelsgiganten aus China, der den westlichen Cyberspace erobern will.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Jetzt lüftet Bezos im Gegenzug ein wenig den Vorhang und zeigt, dass er auch anders kann, wenn er denn will. Er hält die Investitionen etwas zurück und lässt Ruhe an der Börse einkehren. Vorausgesagt hatte er im Oktober zum Beispiel für das Weihnachtsquartal ein operatives Ergebnis zwischen Minus 570 Millionen und Plus 430 Millionen Dollar. Tatsächlich wies er jetzt mit einem satten Plus von 590 Millionen Dollar ungewöhnlich viel mehr aus. Am Ende stand dann ein Gewinn pro Aktie von 0,45 Cent. Wieder weniger als im Vorjahr mit 51 Cent, aber deutlich mehr als die traumatisierten Analysten mit 0,17 Cent erwartet hatten. Das scheint zumindest genau das zu sein, was die Aktionäre sehen wollten. Es gibt scheinbar einen „Gewinnschalter“, den Bezos nur umlegen muss, damit das Geld sprudelt. Der Trick zeigt Wirkung. Der Lohn: Die Aktie schoss nachbörslich um über zehn Prozent in die Höhe.

Da gefriert dem anderen Zauberer des Onlinehandels das Grinsen im Gesicht. Ma legte für Alibaba am gleichen Tag ein Umsatzplus von 40 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar vor. Pro Aktie quetscht er mit 81 Cent fast doppelt so viel Gewinn aus dem Umsatz wie Bezos. Insgesamt netto 965 Millionen Dollar, allerdings, so wie bei Amazon, weniger als im Vorjahr. Was hält die Wall Street davon? Wenig, es ging krachend um neun Prozent abwärts auf 89,81 Dollar.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

30.01.2015, 10:26 Uhr

Wer unter den Marktgegebenheiten in Q4/2014 (hohe - poltische - Unsicherheit an den Märkten mit z.T. extremer Volatilität und Tages-Ranges) fette Erträge anzweifelt, hat Investmentbanking/Börsenhandel einfach nicht verstanden. Wer unter solchen Marktumständen nicht satt Geld verdient, sollte seinen Laden dicht machen.

Die Formel ist ganz einfach: Je extremer o.g. Kriterien sind, umso mehr wird sich die Taschen vollgemacht. Fertig.


Grüße aus Downtown-Mainhattan. Der schönsten Stadt Deutschlands. And the heartbeat of financial €urope and HQ of Super-Mario.


Ralph

Investmentbanker (CFA, Eurex- und Xetra-Lizenz)
- selbst. Börsenhändler -
Algo- und System-Trading

Handelsbuch mit 5,0 Mio. € Handelslimit, genehmigt durch die hinterlegte Sicherheit in physischen Gold auf dem Margin-Konto

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