Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.03.2016

14:41 Uhr

Amazon

Verdi ruft erneut zu Streiks auf

Seit Jahren streiten Amazon und Verdi über einen Tarifvertrag. Nun ruft die Gewerkschaft erneut zu Streiks auf – doch nur ein kleiner Teil der 11.000 Beschäftigten in Deutschland will sich beteiligen.

Seit 2013 streiten Verdi und Amazon über die Frage: Fallen die Mitarbeiter in den Logistikzentren unter den Tarifvertrag für den Versandhandel – oder unter die Vorgaben der Logistik-Branche? dpa

Streik bei Amazon

Seit 2013 streiten Verdi und Amazon über die Frage: Fallen die Mitarbeiter in den Logistikzentren unter den Tarifvertrag für den Versandhandel – oder unter die Vorgaben der Logistik-Branche?

Pforzheim/Rheinberg/WerneDie Gewerkschaft Verdi hat auch am Donnerstag an etlichen Amazon-Niederlassungen zu Streiks aufgerufen. Pünktlich zum Beginn der Frühschicht haben etwa in Rheinberg 200 und in Werne in Nordrhein-Westfalen 70 Amazon-Mitarbeiter ihre Arbeit niedergelegt. „In beiden Versandhandelszentren werden bis zu 700 Angestellte streiken, wenn alle Schichten mitziehen“, sagte Verdi-Sprecher Tim Schmidt. Auch in Pforzheim gab es Aktionen.

Verdi versucht seit 2013 erfolglos, Amazon zu Verhandlungen über einen Tarifvertrag für den Einzel- und Versandhandel zu bewegen. Amazon zahlt in seinen Logistik-Zentren nach den niedrigeren Vorgaben der Logistikbranche, liegt dabei nach eigenen Angaben am oberen Ende der branchenüblichen Löhne und lehnt die Forderung von Verdi ab.

Der Online-Händler Amazon rechnet trotz der Streiks im wichtigen Ostergeschäft nicht mit Lieferverzögerungen. Nur ein kleiner Teil der rund 11.000 Beschäftigten beteilige sich an Protestaktionen der Gewerkschaft Verdi, hatte eine Amazon-Sprecherin bereits am Mittwoch gesagt, als in Bad Hersfeld, Leipzig und Koblenz gestreikt wurde.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×