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23.03.2016

09:32 Uhr

Amazon

Verdi weitet Streiks im Ostergeschäft aus

Die Gewerkschaft Verdi erhöht im Tarifkonflikt mit Amazon mitten im wichtigen Ostergeschäft den Druck. Neue Streiks in Rheinberg und Werne sollen bis zum Ende der Spätschicht am Samstag andauern.

Die Gewerkschaft Verdi erhöht vor dem Ostergeschäft den Druck auf den US-Konzern. dpa

Amazon-Versandzentrum

Die Gewerkschaft Verdi erhöht vor dem Ostergeschäft den Druck auf den US-Konzern.

DüsseldorfIm Tarifstreit mit Amazon hat die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten des US-Onlinehändlers in den Versandzentren Rheinberg und Werne in Nordrhein-Westfalen ab Mittwochmorgen zum Streik aufgerufen. Der Ausstand solle bis zum Ende der Spätschicht am Samstag dauern, teilte der Landesbezirk Nordrhein-Westfalen der Gewerkschaft mit. Seit über zwei Jahren ringt Verdi mit Amazon um die Einführung eines Tarifvertrages auf dem Niveau des Einzel- und Versandhandels - bislang ohne Durchbruch.

Die Beschäftigten von Amazon hielten an ihrer Forderung fest, erklärte Verdi Nordrhein-Westfalen am Mittwoch. Sollte Amazon sich weiterhin verweigern, über die Tarifbindung zu verhandeln, werde es auch in diesem Jahr „unruhig“.

Der Flächentarifvertrag im Einzel- und Versandhandel Nordrhein-Westfalen sehe zum 1. Mai eine Erhöhung der Löhne um zwei Prozent vor. „Wir erwarten, dass Amazon diese Erhöhung an die Beschäftigten weitergibt“, forderte Verdi. Das sei „das Mindeste“, was Amazon tun müsse. Ziel der Gewerkschaft bleibe aber weiterhin die Anerkennung des Flächentarifvertrags.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Amazon betont im Tarifstreit immer wieder, ein guter Arbeitgeber zu sein und vergleichsweise hohe Löhne zu zahlen. Insgesamt beschäftigt der Online-Riese in Deutschland über 10.000 Menschen. Europaweit hat Amazon 29 Logistikzentren und plant weitere.

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