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30.10.2014

13:47 Uhr

Amazon

Vierter Streiktag an deutschen Standorten

Die Fronten sind verhärtet: Im Streit zwischen Verdi und dem Online-Versandhändler Amazon wollen beide Seiten nicht nachgeben. Verdi will weiter streiken, aber „Kunden werden den Streik nicht spüren“, so das Unternehmen.

Streikende Amazon-Beschäftigte in Bad Hersfeld (Hessen): Die Beschäftigten des Online-Versandhändlers setzten ihren Streik den vierten Tag in Folge fort. dpa

Streikende Amazon-Beschäftigte in Bad Hersfeld (Hessen): Die Beschäftigten des Online-Versandhändlers setzten ihren Streik den vierten Tag in Folge fort.

München/BerlinIm Konflikt zwischen Amazon und der Gewerkschaft Verdi ist weiter keine Einigung in Sicht. Am Donnerstag setzten Beschäftigte des Online-Versandhändlers ihren Streik den vierten Tag in Folge fort. Amazon sprach von einer „abnehmenden Streikbereitschaft“. Dem Aufruf der Gewerkschaft seien mit Beginn der Frühschicht weniger als 700 Mitarbeiter gefolgt. „Kunden werden den Streik nicht spüren“, erklärte das Unternehmen mit Verweis auf sein europäisches Netzwerk aus 28 Logistikzentren. Verdi wollte ihre Beteiligungszahlen am Nachmittag vorlegen.

Die Gewerkschaft hat seit Montagmorgen an den Amazon-Standorten zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Sie versucht seit mehr als einem Jahr vergeblich, das Unternehmen mit Streiks zu Tarifverhandlungen zu den als günstiger gewerteten Bedingungen des Einzelhandels zu bewegen.

Eva Völpel, Sprecherin des Verdi-Bundesvorstandes, bestätigte, dass am Donnerstag an den Standorten in Bad Hersfeld, Leipzig, Graben bei Augsburg und Rheinberg in Nordrhein-Westfalen gestreikt wurde. Die Streiks würden auch den Rest der Woche durchgezogen. In Graben und Rheinberg bis zum Ende der Spätschicht am Freitagabend, weil dort am Samstag Feiertag sei. In Bad Hersfeld bis in den späten Samstagabend. In Leipzig sei heute beschlossen worden, dass ebenfalls dort am Samstag die Arbeit niedergelegt werde, dort sei am Freitag ein Feiertag. Nicht mehr gestreikt werde in Werne.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Völpel sagte der dpa: „Solange sich Amazon nicht bewegt, wird es weiter Streiks geben.“ Das gelte auch für das Weihnachtsgeschäft. Von Verdi sei festgestellt worden, „dass es durchaus zu Lieferverzögerungen kommt.“

Amazon sieht sich als Logistikunternehmen und lehnt die Forderung von Verdi ab. „Mitarbeiter der Amazon Logistikzentren machen typische Logistikarbeit“, erklärte das Unternehmen. „Sie nehmen Ware aus Regalen, verpacken und versenden sie.“ Den Mitarbeitern würden Löhne gezahlt, „die sich am oberen Ende dessen orientieren, was für vergleichbare Tätigkeiten gezahlt wird“.

Von

dpa

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