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17.09.2016

11:20 Uhr

Amazon

Vorsicht vor dem „Dash“-Button

VonFlorian Kolf

Der neue Bestellknopf des Onlinehändlers Amazon sollte den Kunden das Leben einfacher machen. Doch Experten und Verbraucherschützer sehen große rechtliche Probleme – mit heiklen Folgen für den Käufer.

„Der Kunde kann so oft er will auf den Dash-Button drücken, zahlen muss er nicht.“ dpa

Amazon Dash Button

„Der Kunde kann so oft er will auf den Dash-Button drücken, zahlen muss er nicht.“

DüsseldorfAuf den ersten Blick sieht es völlig unproblematisch und ungemein praktisch aus. Ein kleiner Button, an der Kaffeemaschine befestigt, sorgt dafür, dass der Nachschub niemals stockt. Kaum gehen die Kapseln zur Neige, reicht ein Druck auf den Knopf und man hat bei Amazon neuen Kaffee bestellt. Genau so einfach kann der Kunde Zahnpasta, Waschmittel oder Rasierklingen nachbestellen.

Doch der sogenannte „Dash Button“, den Amazon jetzt auch in Deutschland eingeführt hat, hat einen entscheidenden Haken: Nach Einschätzung von Experten ist er nach europäischen Gesetzen nicht zulässig. „Der Amazon Dash Button ist rechtswidrig“, urteilt Martin Rätze, Rechtsexperte bei Trusted Shops, einem Unternehmen, das Gütesiegel für Webshops vergibt. „Die europäische Rechtslage lässt das Modell ,Amazon Dash-Button‘ aktuell nicht zu.“ Über ein solches Modell werde das in Deutschland sehr hohe Verbraucherschutzniveau umgegangen.

Amazon und Alibaba: Zalando vertreibt Eigenmarken über Konkurrenten

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Zalando vertreibt Eigenmarken über Konkurrenten

Mehr als 10.000 Produkte bietet der Online-Modehändler Zalando unter Eigenmarken an. Die gibt es nicht nur im eigenen Shop zu kaufen: Für weitere Verbreitung setzt der Konzern auch auf Konkurrenzportale wie Amazon.

Amazon sieht das natürlich anders. „Der Schutz der Interessen unserer Kunden ist für uns von überragender Bedeutung – und dies wird auch mit dem Dash Button gewährleistet. Wir sind überzeugt, dass der Dash Button und die zugehörige App mit geltendem Recht im Einklang stehen", teilte Amazon auf Nachfrage des Handelsblatts mit.

Trusted Shops dagegen sieht gleich eine ganze Reihe von problematischen Punkten. Es fehlten die meisten Pflichtinformationen, über die der Kunde nach dem strengen deutschen E-Commerce-Recht vor dem Kauf aufgeklärt werden müsste. Amazon weist darauf hin, dass der Kunde alle Informationen über die Amazon Shopping App bekommt – viele aber erst nach getätigter Bestellung. Rechtlicher Streit ist geradezu programmiert.

Neue Ideen für die Online-Lieferung

Drohnen

Als Amazon-Chef Jeff Bezos Ende 2013 in einem TV-Interview den Prototypen seiner kleinen Fluggeräte zur Warenlieferung vorstellte, hielten das viele zunächst für einen Werbegag. Doch Amazon meint es ernst und hat mit „Prime Air“ sogar schon einen Namen für den Service. Ob und wann Amazon-Bestellungen tatsächlich im Alltag per Drohne geliefert werden könnten, ist offen - der Konzern testet noch. Eine Hürde bleibt auch die rechtliche Grundlage. Dies schreckt Konkurrenten jedoch nicht von eigenen Versuchen ab. So hat die Deutsche Post den automatischen „Paketcopter“, der 2014 testweise die Nordseeinsel Juist unter anderem mit Medikamenten versorgte. Und Google arbeitet bei „Project Wing“ an Mini-Fliegern mit Seilwinde.

Lieferroboter

Die Fahrzeuge, die äußerlich an einen großen Mars-Rover erinnern, sollen neben Fußgängern auf Gehwegen unterwegs sein. Die Firma Starship zum Beispiel, mit der unter anderem der Paketdienst Hermes und der Handelskonzern Metro zusammenarbeiten, will damit Waren mit einem Gewicht von bis zu 15 Kilogramm auf eine Entfernung von fünf Kilometern befördern. Die Vision ist, dass ein Mitarbeiter über das Internet 50 bis 100 automatische Lieferroboter überwacht. Starship peilt Kosten von rund einem Dollar pro Zustellung an. Die Pizza-Kette Domino's testete einen eigenen Lieferroboter in Australien. In Deutschland gibt es das Problem, dass der Betrieb solcher Fahrzeuge im Alltag nicht geregelt ist.

Kofferraum

Warum die Pakete immer nach Hause liefern, wenn der Adressat vielleicht gerade woanders unterwegs ist? Die Idee, die Pakete vom Zusteller einfach im Kofferraum zu platzieren, nimmt dabei konkrete Formen an. Der Zusteller bekommt dafür einen ein Mal gültigen Code, mit dem er die Klappe öffnen kann. Die Position des Fahrzeugs wird per GPS bestimmt. Der Paketdienst DHL testet die Kofferraum-Zustellung in einigen deutschen Städten mit jeweils mehreren hundert Smart-Fahrern. Unter anderem auch Audi, BMW und Volvo arbeiten an einem solchen Verfahren.

Crowdshipping

Warum nicht den Nachbarn zum Paketboten machen? Zahlreiche Start-ups versuchen gerade, daraus eine Geschäftsidee zu machen. Kern ist eine App, die Händler, Lieferanten und Kunden verknüpft. Wer ohnehin unterwegs ist, kann dann Pakete für andere mitnehmen und sich so etwas Geld verdienen. So gut die Idee ist, so schwierig scheint sie umzusetzen zu sein: DHL hat damit schon erfolglos experimentiert, Walmart einen Feldversuch abgebrochen. Auch Amazon testet den Service.

Kühlboxen

Die britische Supermarktkette Waitrose hat als erster mit dieser Idee Furore gemacht: Gekühlte Abholstationen für online bestellte Lebensmittel. Auch die britische Walmart-Tochter Asda experimentiert mit Kühlfächern an Tankstellen. Geöffnet werden sie per QR-Code oder PIN, die Kunde per Mail bekommt. Auch Rewe probiert bereits die Idee aus.

Es fängt damit an, dass der Kunde vor dem Kauf nicht den aktuellen Preis genannt bekommt. Amazon jedoch behält sich im Kleingedruckten das Recht vor, den Preis für das Produkt jederzeit zu ändern. Preissteigerungen sollen den Kunden nur bei Aufschlägen „um mehr als zehn Prozent“ gesondert mitgeteilt werden.

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