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23.10.2015

06:35 Uhr

Amazon wächst

Eine kreative Kampfmaschine

VonFlorian Kolf

Das Erfolgsgeheimnis von Amazon: Der Online-Händler ruht sich nie auf seinen Lorbeeren aus. Kreative Seitensprünge, Ausnutzen der Schwachstellen von Konkurrenten und der Ausbau der Cloud-Sparte bringen Wachstum.

Der amerikanische Online-Versandhändler mit Hauptsitz im amerikanischen Seattle hat seine Quartalszahlen veröffentlicht. dpa

Amazon

Der amerikanische Online-Versandhändler mit Hauptsitz im amerikanischen Seattle hat seine Quartalszahlen veröffentlicht.

DüsseldorfWenn es ein Motto von Amazon gibt, dann dieses: Keiner ist vor uns sicher. Gerade erst hat das Etsy zu spüren bekommen. Der noch vor kurzem so gefeierte Marktplatz für handgemachte Produkte hat einen großen Fehler gemacht.

Um nach dem Börsengang weiter Wachstum zu generieren, gibt es dort seit kurzem auch Produkte, die nicht selbstgebastelt sind. Amazon hat diesen Schwachpunkt erkannt und sofort gnadenlos zugeschlagen.

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Amazon verwöhnt seine Kunden, andere Händler macht es abhängig.  Denn über „Marketplace“ machen viele kleine Online-Anbieter einen Großteil ihres Umsatzes. Das nutzt der Konzern aus – mit stets derselben Methode.

„Handmade at Amazon“ heißt der neue Dienst. Schon zum Start gibt es dort 80.000 Artikel von 5.000 Händlern. Der Internetriese macht es konsequent: „Factory-free“ müssen alle Waren sein. Und da Amazon um seine unschlagbare Reichweite weiß, kann sich das Unternehmen auch erlauben, ganze zwölf Prozent Provision von den Anbietern zu nehmen - statt 3,5 Prozent wie Etsy.

Dieses Beispiel zeigt: Das Erfolgsgeheimnis von Amazon ist, dass sich der Konzern nie auf seinen Lorbeeren ausruht. Ständig werden neue Geschäftsfelder geprüft, neue Ideen entwickelt. Und wenn die Entscheidung für ein weiteres Angebot gefallen ist, scheut das Management keine Kosten, um die Konkurrenz das Fürchten zu lehren. Leitlinie ist das typisch amerikanische Prinzip „Think Big“. Bei Amazon wird geklotzt, nicht gekleckert.

Lange wurde der Konzern dafür kritisiert. Schließlich hieß seine Strategie jahrelang nur Umsatzsteigerung um jeden Preis. Die Gewinnzone war weit entfernt.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Doch nun ist die kreative Kampfmaschine Amazon in Fahrt gekommen und erntet die Früchte der Investitionen. Im dritten Quartal hat der Konzern erneut Gewinn gemacht. Er wuchs um 79 Millionen US-Dollar. Im entsprechenden Vorjahresquartal hatte Amazon noch einen Rekordverlust von 437 Millionen US-Dollar verbuchen müssen. Der Umsatz stieg erneut um 23 Prozent auf 25,4 Milliarden US-Dollar - nach 20,6 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum.

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