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11.11.2014

17:48 Uhr

Amazon weist Verdi-Kritik zurück

Internethändler hält Löhne für angemessen

Bei Amazon hat die Vorweihnachtszeit längst begonnen: Die Versandzentren des Konzerns arbeiten auf Hochtouren. Die Gewerkschaft Verdi hält die Belegschaft dort für zu schlecht bezahlt. Amazon weist die Kritik zurück.

Der Internethändler Amazon will von den Verdi-Vorwürfen zu wenig Lohn zu zahlen, nichts wissen. dpa

Der Internethändler Amazon will von den Verdi-Vorwürfen zu wenig Lohn zu zahlen, nichts wissen.

BrieselangDer Internet-Versandhändler Amazon hat Vorwürfe zurückgewiesen, seine Beschäftigten nicht angemessen zu bezahlen. Die Mitarbeiter erhielten Löhne „am oberen Ende“ der Gehaltsskala in der Logistikbranche, erklärte der Leiter des Amazon-Logistikzentrums Brieselang, Karsten Müller, am Dienstag bei einem Rundgang durch die 69 000 Quadratmeter große Lagerhalle.

Am Standort Brieselang westlich von Berlin in Brandenburg beschäftigt Amazon rund 1500 Mitarbeiter, die umgerechnet zwischen 9,75 und 10,69 Euro pro Stunde verdienen. Aus Sicht der Gewerkschaft Verdi ist das zu wenig - sie will Amazon zu Tarifverhandlungen zu den Bedingungen des Einzelhandels bewegen.

Umstritten ist zudem der hohe Anteil an befristet eingestellten Saisonarbeitern in der Belegschaft. Mehrere deutsche Amazon-Logistikzentren wurden in den vergangenen Monaten bestreikt. In Verteilzentren in Hessen, Sachsen und Bayern legten Mitarbeiter des Konzerns aus Protest die Arbeit nieder, weil Amazon Tarifverträge kategorisch ablehnt.

Im Logistikzentrum in Brieselang sind laut Verdi über 1200 Beschäftigte befristet tätig; 318 haben einen unbefristeten Anstellungsvertrag. Amazon begründet dies mit dem stark erhöhten Bestellaufkommen in der Vorweihnachtszeit.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Außerhalb dieser Hochzeit, die von Frühsommer bis Ende Dezember dauere, würden die Mitarbeiter nicht gebraucht, erklärte ein Amazon-Sprecher. „Das ist die logistische Wahrheit.“ Bundesweit will das Unternehmen für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft über 10 000 Saisonmitarbeiter einstellen.

Das Verteilzentrum Brieselang bei Berlin ist das jüngste von neun bundesdeutschen Amazon-Logistikzentren. Es wurde im Herbst 2013 eröffnet. Deutschland gilt als wichtigster Auslandsmarkt von Amazon. Im vergangenen Jahr erzielte das US-Unternehmen hier einen Umsatz von 10,535 Milliarden Dollar (etwa 7,7 Milliarden Euro).

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

11.11.2014, 18:58 Uhr

In der Tat macht Amazon in seinen in Frage stehenden Verteilzentren nichts anderes als Logistik.

Sonst ist da nichts.

Weitere Tätigkeiten in anderen Bereichen des Unternehmens können doch nicht auf den strikten Logistikbereich abfärben. Die Logistik macht keine Unternehmenspolitik oder anderes.

Amazon sollte rechtlich selbständige Unternehmen aus den Zentren machen, diese ins Ausland verlagern mitsamt den Arbeitsplätzen.
Dann wäre Schluß mit dem Theater.

Herr Ro Stu

12.11.2014, 09:15 Uhr

Soso, die Gewerkschaftsbonzen finden die Löhne also zu niedrig. Im Gegensatz zu den Apanagen, die diese Spezies sich gönnt, sind diese Löhne in der Tat niedrig. Offenbar sind sie das aber für die Beschäftigen selbst nicht. Denn diese wurden ja nicht mit vorgehaltener Waffe zur Unterschrift unter den Arbeitsvertrag gezwungen. Jeder einzelne kann sich jederzeit einen besser bezahlten Job suchen.

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