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20.08.2016

17:37 Uhr

Amorelie und Co.

Start-ups revolutionieren die Erotik-Branche

Weg vom Schmuddel-Image: Sie verkaufen vernetzte Vibratoren und designen vegane Kondome. In Berlin krempeln junge Gründer eine Branche gehörig um. Als Sex-Start-ups wollen die Unternehmen aber nicht bezeichnet werden.

Die Berlinerin Lea-Sophie Cramer hat den Erotik-Onlineshop „Amorelie“ gegründet. Sie will das Image von Sexspielzeug verbessern und auf eine sinnliche Stufe heben. dpa

Amorelie

Die Berlinerin Lea-Sophie Cramer hat den Erotik-Onlineshop „Amorelie“ gegründet. Sie will das Image von Sexspielzeug verbessern und auf eine sinnliche Stufe heben.

BerlinEine große Fabriketage im Berliner Wedding, hell und durchdesignt, ein Mops sitzt herum, mitten im Raum hängt eine Schaukel. Was dieses Start-up-Office von den vielen anderen in der Hauptstadt unterscheidet: Die Mitarbeiter entwickeln keine Musik-Streaming-Dienste oder Online-Games – hier geht es um Sex.

Amorelie verkauft Vibratoren, Liebeskugeln, leichtes Bondage-Zubehör und Dessous - Lovetoys nennt das Team um Gründerin Lea-Sophie Cramer die Produkte liebevoll. Das Start-up gehört zu einem noch kleinen Kreis von jungen Unternehmen, die eine Branche revolutionieren, deren Bild jahrzehntelang vor allem durch schmuddelige Videokabinen in zwielichtigen Läden geprägt war.

Eon-Tochter Uniper: Kondome statt Kraftwerke

Eon-Tochter Uniper

Kondome statt Kohlekraft

Uniper hat kurz vor dem Börsengang ein pikantes Problem: Investoren, die im Internet nach der Eon-Abspaltung suchen, landen leicht bei einem Namensvetter. Der verfolgt allerdings ein völlig anderes Geschäftsmodell.

„Unsere Zielgruppe sind wir selbst“, sagt die 29-jährige Amorelie-Chefin Cramer. „Frauen, Männer und Paare meiner Generation, die von den klassischen Händlern in ihrer Produktauswahl und ihrem Marketing vergessen wurden.“ Was Amorelie anders macht? „Wir erklären etwa den Unterschied zwischen Vibrator und Dildo“, sagt Cramer. Viele Kunden schrecke es zudem ab, wenn ein Vibrator einem echten männlichen Geschlecht nachempfunden sei. Die online verkauften Produkte sind pink, lila oder hellblau.

Während Amorelie die Produkte zunächst nur verkauft, gehen andere Gründer in den Herstellungsprozess und verbinden Erotik mit Elektronik. Das Londoner Sex-Technologie-Start-up Mystery Vibe etwa hat einen über eine App steuerbaren Vibrator herausgebracht. Für Cramer liegt darin die Zukunft: „Produkte, die über Wlan miteinander kommunizieren und zwei Menschen auch von Paris nach New York miteinander verbinden können.“

Welche Produkte die Deutschen im Internet suchen

Do-it-yourself-Produkte

Do-it-yourself-Produkte

(Bauern, Garten, Heimwerken, Basteln)

über Google: 47 Prozent

über Amazon: 31 Prozent

über Ebay: 25 Prozent

(Alle Daten hat das Marktforschungsunternehmen Konzept & Markt in seiner Studie zum Online-Shopping erhoben.)

Elektro-Geräte

Elektro-Geräte (Haushalt, Büro, Unterhaltung)

über Google: 46 Prozent

über Amazon: 46 Prozent

über Ebay: 22 Prozent

Kfz-Teile & Zubehör

Kfz-Teile & Zubehör

über Google: 43 Prozent

über Amazon: 20 Prozent

über Ebay: 32 Prozent

Lebensmittel

Lebensmittel (und andere Dinge des täglichen Bedarfs)

über Google: 37 Prozent

über Amazon: 26 Prozent

über Ebay: 10 Prozent

Medien

Medien (Bücher, CDs, DVDs, Spiele etc.)

über Google: 32 Prozent

über Amazon: 57 Prozent

über Ebay: 18 Prozent

Medikamente & Arzneimittel

Medikamente & Arzneimittel

über Google: 33 Prozent

über Amazon: 6 Prozent

über Ebay: 4 Prozent

Mode, Schuhe, Accessoires

Mode, Schuhe, Accessoires

über Google: 28 Prozent

über Amazon: 22 Prozent

über Ebay: 16 Prozent

Reisen, Hotels, Flüge

Reisen, Hotels, Flüge

über Google: 39 Prozent

über Amazon: 3 Prozent

über Ebay: 3 Prozent

Sport- & Outdoorartikel

Sport- & Outdoorartikel

über Google: 35 Prozent

über Amazon: 26 Prozent

über Ebay: 16 Prozent

Tiernahrung & Zubehör

Tiernahrung & Zubehör

über Google: 26 Prozent

über Amazon: 10 Prozent

über Ebay: 7 Prozent

Wein & Spirituosen

Wein & Spirituosen

über Google: 21 Prozent

über Amazon: 8 Prozent

über Ebay: 6 Prozent

Während sich die Pornoindustrie überwiegend an den Vorlieben des Mannes orientiert, spricht Amorelie gezielt Frauen und Paare an. Rund vier Jahre, nachdem das Unternehmen von Cramer und ihrem Geschäftspartner Sebastian Pollok gegründet wurde, liegen die Umsätze im zweistelligen Millionenbereich.

Kenner sehen großes Potenzial in dem Geschäft, das die sexuelle Lust neu justiert. „Wir reden über die Branche mit dem größten Traffic im Internet und sehr relevanten Umsätzen“, sagt der Vorsitzende des Bundesverbands Deutsche Startups, Florian Nöll. „Sie schafft Arbeitsplätze und kommt immer mehr aus der Schmuddelecke heraus.“ Der Markt biete durchaus noch viel Platz für andere Anbieter. „An das Thema trauen sich meiner Einschätzung nach aber wenige ran“, sagt Nöll. Er sieht eine „moralische Eintrittsbarriere“.

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