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22.06.2012

20:03 Uhr

Analyse

Was hinter dem Schreiben der Schlecker-Kinder steckt

VonFabian Gartmann

Ein wenig trotzig erklären die Schlecker-Kinder nach Monaten des Schweigens: Wir haben viel Geld verloren, aber es ist noch was da. Handelsblatt Online zeigt die größten Widersprüche in dem Schreiben der Schleckers auf.

Lars und Meike Schlecker, die Kinder von Schlecker-Gründer Anton, vor der Unternehmenszentrale der Schlecker-Drogeriemärkte in Ehingen (Archivbild). dpa

Lars und Meike Schlecker, die Kinder von Schlecker-Gründer Anton, vor der Unternehmenszentrale der Schlecker-Drogeriemärkte in Ehingen (Archivbild).

DüsseldorfSeit Meike Schlecker, Tochter des Firmenpatriarchen Anton Schlecker, am 23. Januar mit Schweißperlen auf der Stirn vor den Kameras saß und verkündete: „Es ist nichts mehr da“ wurde viel darüber diskutiert, was das im Fall der Schleckers heißt. Monatelang schwieg die Familie, heute gaben Meike und Lars Schlecker eine schriftliche Stellungnahme ab: Wirklich Neues steht darin nicht und die größten Widersprüche schafft die Familie nicht aus der Welt – ganz im Gegenteil.
Wenn man die Stellungnahme liest könnte man fast meinen, die Familie habe nichts aus der Pleite gelernt:

Der Schlecker-Brief analysiert - Teil 1

Mitgefühl

In diesem Passus des Briefs äußern die Schlecker-Kinder Mitgefühl für die Beschäftigten, die ihre Arbeitsplätze verloren haben.

Der gesamte Passus (1)

„Wir werden immer wieder gefragt, wie es uns als Familie geht und ehrlicherweise können wir dazu nur sagen: Es ist ein Schock, eine Tragödie und ein Desaster. Für unseren Vater und auch für unsere Mutter, die beide gemeinsam das Unternehmen aufgebaut und geführt haben, ist ihr Lebenswerk komplett zusammengebrochen. Aber auch wir Kinder liegen oft wach und grübeln. Da gibt es kein Zurück in die Normalität, denn die Firma war für uns alle Lebensinhalt - und da ist jetzt erst einmal ein großes Nichts.
Was uns alle ganz besonders schmerzt, ist, das Schicksal der vielen Schlecker-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern hier in Deutschland, in der Fläche, in der Zentrale und in allen Ländern.
Schlecker hat über viele Jahre einer großen Zahl von Menschen sichere Arbeitsplätze, im Vergleich mit dem Wettbewerb überdurchschnittlich viele Vollzeitstellen, seit 2010 die weitreichendsten Tarifverträge der Branche und damit ein gutes Auskommen geboten. Das ist uns zuletzt nicht mehr gelungen und das tut uns am meisten leid.“

Analyse (1): Es ist das erste Mal, dass die Schleckers öffentlich ihr Bedauern darüber ausdrücken, dass 25.000 Angestellte des Drogeriehändlers ihre Arbeit verlieren. Im gleichen Atemzug loben sie die Personalpolitik des Unternehmens. Fakt ist aber: Bis 2010 hat Schlecker viele Mitarbeiter zu schlechten Konditionen beschäftigt, zahlte unter Tarif oder kündigte Mitarbeiter und stellte sie über Leiharbeitsfirmen wieder ein. In den Jahren 2009 und 2010 betrieben die Schlecker-Kinder die Firma Meniar – Menschen in Arbeit. Über die Leiharbeitsfirma wurden die gekündigten Schlecker-Mitarbeiter für die Hälfte ihres bisherigen Gehaltes bei Schlecker weiterbeschäftigt.

Der Schlecker-Brief analysiert - Teil 2

Anton Schleckers Vermögen

In diesem Passus des Briefs schreiben die Schlecker-Kinder, dass ihrem Vater Anton keine Vermögenswerte mehr bleiben - weder schöne Uhr noch Sportwagen.

Der gesamte Passus (2)

„Bei den Vermögensverhältnissen muss man einige Dinge auseinanderhalten. Der Satz „Es ist nichts mehr da“, ausgesprochen auf der ersten Schlecker-Pressekonferenz zu Beginn der Insolvenz, war und ist absolut richtig. Unser Vater, Anton Schlecker, und die Anton Schlecker e.K. sind berechtigterweise in die Insolvenz gegangen. Ein signifikantes Vermögen, das dies hätte verhindern oder die Restrukturierung sichern können, hat es nicht gegeben, was auch der Insolvenzverwalter inzwischen mehrfach bestätigt hat.
Es ist schade, dass in der Berichterstattung oft unterschlagen wird, dass im selben Kontext noch ein anderer Satz fiel. Da hieß es: „Wir werden als Familie zurechtkommen und wir wollen nicht jammern.“ Unsere Mutter hat mit unserem Vater Gütertrennung vereinbart und auch wir, die Kinder Meike und Lars Schlecker, verfügen über ein eigenes Vermögen.
Wir helfen unserem Vater und werden ihn selbstverständlich auch in dieser Situation nicht im Stich lassen. Er selbst besitzt kein Vermögen mehr. Vom Sportwagen bis zur schönen Uhr hat er alles als Teil der Insolvenzmasse abgeben müssen. Wir unterstützen ihn mit unseren eigenen Mitteln, die wir rechtmäßig besitzen, denn Sippenhaft gibt es im deutschen Recht nicht.“

Analyse (2): Vor neun Tagen allerdings blickte Anton Schlecker noch von Seite eins der „Bild“-Zeitung - am Steuer eines Porsche. Das Blatt hatte ihn tags zuvor vor seiner Villa fotografiert, als er vorbeibrauste. Da stellt sich die Frage: Was soll man den Schleckers noch glauben?

Richtig ist eigentlich, dass Anton Schlecker kein Vermögen mehr hat. Da er sein Unternehmen als „eingetragener Kaufmann“ führte, haftet er auch mit seinem Privatvermögen für die Pleite. Zudem hat Schlecker schon in den Jahren 2004 bis 2011 rund 650 Millionen in die Firma stecken müssen – das entspricht der Summe der Verluste, die er in diesem Zeitraum angehäuft hat.

Kommentare (25)

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Account gelöscht!

22.06.2012, 22:06 Uhr

"Vor neun Tagen allerdings blickte Anton Schlecker noch von Seite eins der „Bild“-Zeitung - am Steuer eines Porsche."

Wie Bild berichtete, verfuegte Schlecker noch ueber seinen gesamten, sehr teuren Autobestand. Waere wirklich interessant zu erfahren, wie der Insolvenzverwalter dies rechtfertigt. Letztlich gibt es ja auch genug betroffene Unternehmer, die herbe Verluste durch die Schlecker-Pleite erlitten haben und auf jeden Cent aus der Konkursmasse hoffen.

imao

22.06.2012, 22:10 Uhr

die Schlecker halten sich immer noch für wichtig.
Dass sie dabei noch immer nicht begriffen haben wie unwichtig sie sind, das lassen die ihre MA ausbaden.
nmp

Rotamint

22.06.2012, 22:39 Uhr

Ob die jetzt eine Depression bekommen,
weil die Uhr und der Porsche weg ist.
Mein Mitgefühl

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