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18.09.2015

10:50 Uhr

Anbau in Indien

Weltgrößter Teehersteller verliert Fairtrade-Siegel

110 Millionen Kilogramm Tee hat McLeod Russel im vergangenen Jahr hergestellt. Offenbar nicht immer unter Fairtrade-Bedingungen: In Indien wurde dem Teekonzern das Siegel entzogen.

„Das ist doch lächerlich, wir sind eine 150 Jahre alte Firma.“ dpa - picture-alliance

Teeanbau in Indien

„Das ist doch lächerlich, wir sind eine 150 Jahre alte Firma.“

Neu Delhi/BonnDer nach eigenen Angaben weltgrößte Teehersteller McLeod Russel hat das Fairtrade-Siegel für alle Tees aus Indien verloren. Bei den Überprüfungen auf den Plantagen vor Ort seien unter anderem der Umgang mit Pestiziden, die Arbeitsbedingungen und die Auszahlungen der Gelder unter die Lupe genommen worden, sagte Claudia Brück von Fairtrade Deutschland am Donnerstag in Bonn. Die Gründe für die Dezertifizierung sind vertraulich.

Das Unternehmen versuche, das Siegel zurückzubekommen, sagte Dilsher Sen, Sprecher einer McLeod-Tochtergesellschaft. Auf der Startseite seiner Homepage wirbt das indische Unternehmen weiterhin mit dem Fairtrade-Siegel.

Der Deutschen liebster Tee 2013

Mayfair

Im Jahr 2013 tranken 1,6 Prozent der Deutschen den Tee von Mayfair. Im Vorjahr waren es noch 0,1 Prozent mehr gewesen.

Twinings

Die britische Teesorte Twinings schaffte es in 2,9 Prozent aller deutschen Teetassen. Im Vorjahr waren es 2,8 Prozent gewesen.

Windsor Castle

Für die Marke Windsor Castle entschieden sich 2013 4,1 Prozent der deutschen Teetrinker – genauso viele wie im Vorjahr.

Bünting

Bünting Tee, bekannt für seinen Ostfriesentee, kam in 4,2 Prozent der deutschen Haushalte vor. 2012 waren es noch 4,4 Prozent gewesen.

Goldmännchen

Der Goldmännchen-Tee schafft es auf einen Anteil von 5,3 Prozent, 0,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Milford

Rund 15 Prozent der Deutschen trinken Milford-Tee. Damit kann die Sorte, die zur Ostfriesischen Tee Gesellschaft gehört, einen deutlichen Zuwachs zu 2012 verzeichnen: Damals wurde sie nur von 14,2 Prozent der Konsumenten erwähnt.

Meßmer

Rund jeder fünfte deutsche Konsument setzt auf Meßmer-Tee. Die Marke, ebenfalls zur Ostfriesische Tee Gesellschaft gehörig, brachte es 2013 auf 22,6 Prozent Marktanteil. Im Vorjahr waren es 22,8 Prozent gewesen.

Teekanne

Der beliebteste Tee in Deutschland kam 2013 von der Teekanne. Jeder vierte Konsument hierzulande (25,4 Prozent) griff zur dieser Marke. 2012 waren es nur 24,8 Prozent gewesen.

Andere Sorten

Nicht alle Teesorten wurden in den Studie abgefragt. 40 Prozent der deutschen Teetrinker verwenden die Beutel anderer als der genannten Marken, wenn sie ihr Heißgetränk aufschütten.

Das sei gerechtfertigt, weil das Siegel sehr wohl noch für zwei Plantagen in Uganda gelte, so Sen weiter. McLeod betreibt 64 Teeplantagen; im vergangenen Jahr wurden etwa 110 Millionen Kilogramm Tee hergestellt. Laut Fairtrade wurde auch vor der Dezertifizierung auf keiner der fraglichen indischen Plantagen für den deutschen Markt produziert.

Brück weist darauf hin, dass McLeod vor einer Veröffentlichung des Fairtrade-Siegels eine Erlaubnis hätte einholen müssen. Das habe das Unternehmen aber nicht getan. Ohnehin fehle bei dem Bild des Siegels auf der McLeod-Homepage das Trademark-Zeichen. Sen spricht von einem „technischen Fehler“, und merkt an: „Das ist doch lächerlich, wir sind eine 150 Jahre alte Firma.“

Anfang des Jahres hatte der ARD-Hörfunk in einem Feature über gefährliche Pestizide auf McLeod-Plantagen in Indien berichtet. Die britische BBC strahlte Anfang dieses Monats einen Bericht aus, in dem es vor allem die horrenden Arbeits- und Wohnbedingungen der Teearbeiter ging.

In einer Stellungnahme des Unternehmens dazu heißt es, jedes Jahr würden 250 neue Unterkünfte gebaut. McLeod beschäftigt mehr als 100.000 Arbeiter. Außerdem seien die Probleme „in der ganzen Industrie verbreitet“. Ein Teepflücker bei McLeod erhält demnach inklusive der Bonuszahlungen 249 Rupien am Tag (3,30 Euro).

Von

dpa

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