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11.03.2012

17:11 Uhr

Angeblicher Betrug

Fitness First wehrt sich gegen schwere Vorwürfe

Was geht im Hause „Fitness First“ vor sich? Laut einem Bericht sind in dem Unternehmen Tricksereien üblich. Die Firmenführung wehrt sich gegen die Vorwürfe, die von Betrug bis hin zu Betriebsratsverhinderung reichen.

Laufbänder in einer Filiale der Kette „Fitness First“: Das Unternehmen soll verkauft werden. dapd

Laufbänder in einer Filiale der Kette „Fitness First“: Das Unternehmen soll verkauft werden.

FrankfurtBei der zweitgrößten Kette von Fitness-Studios in Deutschland knirscht es gewaltig. Beim Frankfurter Unternehmen Fitness First erheben laut einem Bericht der „Welt am Sonntag“ aktuelle und frühere Mitarbeiter schwere Vorwürfe, die von Betrug über schlechte Arbeitsbedingungen bis zur gezielten Behinderung von Betriebsratsgründungen reichen. Das Unternehmen mit rund 280.000 Kunden an 87 Standorten hat die Vorwürfe zurückgewiesen und eine Überprüfung durch externe Berater angekündigt.

Die namentlich nicht genannten Insider behaupten, Fitness First habe in den vergangenen Jahren immer wieder falsche Mitgliedsbeiträge abgebucht, schreibt die Zeitung. Bei zu niedrigen Beiträgen sei nachgefordert werden, während zu hohe Beiträge bewusst nur zurückerstattet worden sein sollen, wenn ein Mitglied sich selbst gemeldet habe. Das Unternehmen nannte den Vorwurf gegenüber der Zeitung „abstrus“. Es habe zwar vereinzelt Systemprobleme gegeben, die aber im Promillebereich der Kundenzahl gelegen hätten.

Ein möglicher Betrugsfall beim Firmenkunden RAG in Saarbrücken sei einem Mitarbeiter zuzurechnen und intern aufgedeckt worden. Auch bei der Abrechnung von vergünstigten Mitgliedschaften der Krankenkasse BKK R+V soll es laut Mitarbeitern zu Betrügereien gekommen sein. Fitness First habe auf Basis gefälschter Pässe Rechnungen bei der Krankenkasse gestellt.

Fitness First bestreitet auch diese Vorwürfe. Mitglieder, die keinen vollständigen Trainingsplan vorweisen könnten, seien seit März 2010 fünfmal nachbelastet worden.

Firmenchef Stefan Tilk nimmt für sich in Anspruch, das Betriebsklima bei der vormaligen „Fitness Company“ wesentlich verbessert zu haben. Einzelfällen von schlechter Mitarbeiterführung werde nachgegangen. Man habe gerade in den vergangenen Monaten nach der Schließung einiger unrentabler Clubs einen echten Turnaround geschafft und wieder deutlich mehr Mitglieder, die zudem deutlich länger ihrem Studio treu blieben. Früher habe man mehr als die Hälfte der Kunden innerhalb eines Jahres wieder verloren, heute seien es nur noch unter 30 Prozent, sagte der Fitness-First-Chef.

Tilk wies Vorwürfe zurück, dass in seinem Unternehmen die Gründung von Betriebsräten systematisch behindert werde. Er habe bislang immer in Unternehmen gearbeitet, die vertrauensvoll mit Arbeitnehmervertretungen umgegangen seien. „Ich habe nichts gegen Betriebsräte“, sagte der Geschäftsführer. Bei Fitness First arbeiten nach seinen Angaben rund 4500 Leute, davon nur 1200 festangestellte Vollzeitkräfte.

Die Gewerkschaft Verdi sieht die Sache laut Zeitung aber anders. „Wo sich eine Möglichkeit bietet, streut Fitness First bei geplanten Betriebsratsgründungen Sand ins Getriebe, übt Druck auf Mitarbeiter aus oder sucht nach Formfehlern“, wird Ver.di-Mitarbeiter Achim Meyer-Heithuis zitiert. So sei Mitarbeitern gedroht worden, keine Übungsstunden mehr zu bekommen, falls sie für den Betriebsrat kandidieren. Anderen Kollegen sei eine Beförderung angeboten worden - aber nur unter der Bedingung, aus dem Betriebsrat auszuscheiden, damit dieser sich in dem entsprechenden Club auflöse.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Tom66

12.03.2012, 01:58 Uhr

das Problem mit den zu hohen Abbuchungen kenn ich. Und die Hartnäckigkeit und die dummen Ausreden, mit denen Fitness First sich weigerte, die Fehlbuchungen zu korrigieren, sah mir sehr so aus, als ob das ganze System hatte...

Meiner persönlichen Erfahrung nach kann ich nur raten, recht bald Fristen zu setzen und rechtliche Hilfe hinzuzuziehen.

Seit etwa 2-3 Monaten ist ein Teil der Duschräume gesperrt, und teilweise muss man 10 min warten bis Maschinen frei werden, so voll ist es.

Sobald bei mir in der Nähe ein anderes Studio mit etwa gleichen Konditionen eröffnet, bin ich weg

Account gelöscht!

12.03.2012, 16:18 Uhr

Die Behandlung des Personals ist leider bei vielen Servicebetrieben mehr als kritikwürdig. Gerade Sportstudios, und da meine ich nicht nur Fitness First, die 365 Tage geöffnet sind, drücken die Personalkosten wo es nur geht. Weihnachtsgeld/Urlaubsgeld ? Vergiss es. Die Stunden an Feiertagen, Sonntagen und Samstagen ohne gesetzliche Zuschläge. Selbst bei Teilzeitkräften werden Arbeitszeiten so gesetzt, dass zwischen Soll- und Habenstunden oft ein Minus bleibt und die Arbeitnehmer sich um Arbeitsstunden streiten, damit sie auf ihren Lohn kommen. Die Mitarbeiter müssen 15-30 Minuten vor der Schicht am Arbeitsplatz sein, wegen der notwendigen Übergabebesprechung. Diese Zeit zählt aber nicht auf den Lohn gerechnet. Gerne arbeitet man mit jungen Leuten im dualen Studium, die Fahrten und Studienkosten vom Studio bezahlt bekommen, dafür aber auf 400 Eurobasis rackern müssen. Auch die sind froh über jede Überstunde, die sie machen können, damit es am Ende zum Überleben reicht. Usw. usw. Am Ende sind es Fitness-Knechte, die feststellen müssen, dass sie in dieser Branche keine Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten haben. Desillusioniert und entmutigt schmeissen sie oft nach wenigen Jahren das Handtuch.

Nuernberger

12.03.2012, 19:56 Uhr

@Tom66 Kommst du aus Nürnberg oder ist das mit den Duschen ein generelles Problem? In Nürnberg sind seit Oktober 2011 (!!) 2 von 8 duschen in der Umkleidekabine gesperrt/defekt. Das ist sowas von peinlich für einen Club mit eher gehobenem Anspruch.

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