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12.10.2013

00:44 Uhr

Angeschlagene Airline

Kapitalerhöhung bei Alitalia steht

Bei der italienischen Fluggesellschaft Alitalia hat sich ein Schuldenberg von einer Milliarde Euro angehäuft. Die Airline braucht dringend neues Geld. Die Kapitalerhöhung wurde jetzt beschlossen.

Alitalia fliegt täglich 700.000 Euro Verlust ein. Reuters

Alitalia fliegt täglich 700.000 Euro Verlust ein.

Mailand/ParisDie strauchelnde Fluggesellschaft Alitalia kann vorerst weiterfliegen. Der Verwaltungsrat der italienischen Airline gab am Freitagabend grünes Licht für ein Rettungspaket im Volumen von 500 Millionen Euro. Darin ist eine Kapitalerhöhung über 300 Millionen Euro und Kreditlinien von Banken über 200 Millionen Euro enthalten. Alle Anteilseigner - auch Air France-KLM - hätten der Maßnahme zugestimmt, sagte das Mitglied des Gremiums, Maurizio Traglio, im Anschluss an die Sitzung am Freitag. Das Alitalia-Management war am Nachmittag zu einem Krisentreffen zusammengekommen, um über eine Unterstützung für die seit langem kriselnde Airline zu beraten.

Alitalia benötigt dringend frisches Geld, um einen Bankrott abzuwenden. Der Airline drohte bereits am Samstag der Sprit auszugehen. Der italienische Energiekonzern Eni wollte nur noch Treibstoff liefern, wenn der Betrieb für die nächsten Monate gesichert ist. Mit dem Geld kommt Alitalia allerdings nur kurzfristig über die Runden. Langfristig braucht die Airline eine andere Lösung. Die Regierung in Rom sprach sich für eine Übernahme der Fluggesellschaft durch Air France aus.

Die italienische Regierung hatte am Donnerstag staatliche Hilfe in Aussicht gestellt. Diese sieht vor, dass die italienische Post 75 Millionen Euro zusteuert. Eine Schlüsselrolle kommt Air France-KLM zu. Die Airline hält 25 Prozent an Alitalia und hatte erklärt, nur unter strengen Auflagen zu einer Geldspritze bereit zu sein. Das Unternehmen will am Montag darüber entscheiden, ob es sich an der Kapitalerhöhung beteiligen wird.

Alitalia ächzt unter einem Schuldenberg von einer Milliarde Euro und fliegt seit ihrer vorherigen Rettung durch private Investoren vor fünf Jahren täglich fast 700.000 Euro Verlust ein. Die Regierung betrachtet Alitalia als ein strategisch wichtiges Unternehmen. Sie fordert aber eine grundlegende und rasche Änderung des Geschäftsmodells.

Alitalia stand 2008 kurz vor dem Bankrott und wurde später von einer italienischen Investorengruppe von der Börse genommen. Im ersten Halbjahr wurde nach Unternehmensangaben ein Nettoverlust von 294 Millionen Euro eingeflogen nach einem Verlust von 201 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Grünes Licht für die staatlichen Beihilfen müsste die EU-Kommission geben, die bereits 2008 Bedenken hatte. Damals musste Alitalia nach einem Veto aus Brüssel 300 Millionen Euro staatliche Beihilfen an den Staat zurückzahlen. Zur Rechtmäßigkeit der neuen geplanten Unterstützung wollte sich die EU-Kommission am Freitag nicht äußern. „Bis jetzt haben wir noch keinen Antrag auf Genehmigung der Hilfen erhalten“, sagte ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel. Grundsätzlich könne die Airline staatliche Hilfe erhalten - allerdings müsse diese die EU-Regeln für Rettungsbeihilfen einhalten.

Im ersten Alitalia-Geschäftshalbjahr 2013 war der Nettoverlust der trudelnden Airline auf 294 Millionen Euro hochgeschnellt. Nach dem Umbau der bereits 2008 vor dem Kollaps stehenden Alitalia zu einem privaten Unternehmen hält Air France-KLM 25 Prozent, der große Rest verteilt sich auf ein italienisches Konsortium mit über 20 kleineren Anteilseignern. Alitalia hat seit der Neuorganisation, betrieben von dem damaligen Regierungschef Silvio Berlusconi, über 1,25 Milliarden Euro verloren. Jetzt ist zur Rettung auch eine Staatsbeteiligung im Gespräch, zumal es um rund 14.000 Arbeitsplätze bei Alitalia geht.

Kommentare (2)

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fips

11.10.2013, 13:48 Uhr

Alitalia arbeitet defizitär seit es sie gibt.
Dauer-subventioniert vom selbst klammen italienischen Staat.
Diesmal über dem Umweg der staatlichen italienischen Post.
Mit diesen staatlichen Geldern unterbietet sie auch indirekt ihre Wettbewerber.
Durch diese Zuschüsse kann sie Konkurrenten oftmals in der Preisgestaltung unterbieten und betreibt damit schlicht einen unfairen Wettbewerb.
Dieser Protektionismus sowie die eklatante Wettbewerbsverzerrung müssten schon längst von den zuständigen Europäischen Wettbewerbsbehörden sanktioniert werden.
Italien als Erstunterzeichner der Römischen Verträge scheint hier
jedoch für manche EU-Behörde ein Tabu zu sein.
Wie auch Griechenland.
Selbst die seit jahrzehnten chronisch klamme Olympic Air erhielt vor wenigen Tagen die Erlaubnis zur Fusion mit der griechischen Aegean Airlines. Anstatt den Laden nun endlich zu schließen.

ColeWilliams

12.10.2013, 11:34 Uhr

Ist das der Grund, warum Signore Cucchiani seinen Hut genommen hat? Da muss man sich langsam mehr Sorgen machen, als über irgendwelche Revirements in der italienischen Regierung!

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