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31.01.2014

16:39 Uhr

Angeschlagene Warenhauskette

Filialschließungen laut Karstadt-Betriebsrat kein Thema

Die Lage bei Karstadt spitzt sich offensichtlich zu. Auch das Weihnachtsgeschäft hat dem Warenhausriesen nicht zur erhofften Trendwende verholfen. Von Filialschließungen will der Betriebsrat aber nichts wissen.

In zwei bis drei Monaten soll ein Plan zur Zukunft des Filialnetzes stehen. dpa

In zwei bis drei Monaten soll ein Plan zur Zukunft des Filialnetzes stehen.

KölnBeim angeschlagenen Karstadt-Konzern liegen trotz anhaltender Verluste dem Betriebsrat zufolge keine Schließungspläne für Filialen auf dem Tisch. „Es gibt keine Liste, die wir kennen, und wir haben auch keinen Schulterschluss mit dem Management über Schließungen vereinbart“, sagte Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. In den Tarifgesprächen in knapp zwei Wochen werde der Betriebsrat auf eine Standort- und Beschäftigungssicherung pochen. „Das ist unsere erste Priorität. Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz und um jeden Standort.“ Auch die Gewerkschaft Verdi machte am Vortag deutlich, zu Gesprächen über die Standort- und Beschäftigungssicherung bereit zu sein, mit dem Management aber nicht über die Schließung einzelner Filialen verhandeln zu wollen.

Karstadt hatte bereits im vergangenen Oktober angekündigt, alle Filialen auf den Prüfstand zu stellen. Damit sollten Produktivität und Profitabilität erhöht werden, hieß es damals. Aufsichtsratschef Stephan Fanderl kündigte nun in einem Gespräch mit der „Welt“ an, in „zwei bis drei Monaten“ solle ein Plan zur Zukunft des Filialnetzes stehen: „Wir haben wenig Zeit.“ „Standort für Standort“ werde dabei mit den Arbeitnehmern erörtert, fügte er hinzu.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Die Lage bei Karstadt spitzt sich offensichtlich zu. Für den angeschlagenen Warenhausriesen hatte auch das wichtige Weihnachtsgeschäft nicht die Trendwende gebracht. Die unter Verlusten leidende Karstadt Warenhaus GmbH hatte im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2013/14 ein Umsatzminus von drei Prozent verzeichnet. Zur Ergebnisentwicklung im Weihnachtsgeschäft hatte Karstadt keine Angaben gemacht. Die Jahreszeit ist für Händler aber sehr wichtig – sie fahren im Geschäft um die Feiertage den Löwenanteil ihrer Gewinne ein.

Kommende Woche wird es laut Patzelt in Gesprächen von Betriebsrat und der Gewerkschaft Verdi darum gehen, wie die Strategie umgesetzt werden kann, wo es gut läuft und wo es bei den Warenhäuser noch hakt.

Von

rtr

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