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12.02.2014

13:37 Uhr

Angeschlagene Warenhauskette

Karstadt sieht keinen Spielraum für Lohnerhöhungen

Am Mittwochnachmittag sollen die Gespräche mit der Karstadt-Geschäftsführung beginnen. Arbeitnehmervertreter machten im Vorfeld ihre Forderungen klar: „Wir verhandeln nicht über Filialschließungen.“

Karstadt in Düsseldorf: Personalchef Kai-Uwe Weitz sagt, er werde Lohnerhöhungen zahlen, wenn dies möglich sei. „Aber das ist nicht 2014.“ dpa

Karstadt in Düsseldorf: Personalchef Kai-Uwe Weitz sagt, er werde Lohnerhöhungen zahlen, wenn dies möglich sei. „Aber das ist nicht 2014.“

DüsseldorfKurz vor Beginn neuer Gespräche mit der Geschäftsführung des angeschlagenen Warenhauskonzerns Karstadt haben die Arbeitnehmervertreter ihre Erwartungen untermauert. „Wir verhandeln nicht über Filialschließungen, es geht um Standort- und Beschäftigungssicherung und Tarifbindung“, sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft Verdi am Mittwoch.

Die Beschäftigten hätten in der Vergangenheit schon so viel gegeben, es könne nicht sein, dass sie für Managementfehler geradestehen müssten. „Die Mitarbeiter verzichten ja schon“, sagte auch Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt. Jetzt gehe es um die Zukunftssicherung des Konzerns.

Karstadt hatte im vergangenen Mai einen bis 2015 befristeten Ausstieg aus der Tarifbindung verkündet. Der Warenhausriese will sich so Lohnerhöhungen sparen. Personalchef Kai-Uwe Weitz ließ im Vorfeld der Verhandlungen, die am Nachmittag in Hannover starten sollten und auch für Donnerstag angesetzt sind, durchblicken, dass er wenig Verhandlungsspielraum sieht.

Karstadt werde Lohnerhöhungen zahlen, wenn dies möglich sei, hatte er vor einigen Tagen in einem Interview gesagt. „Aber das ist nicht 2014.“ Einen Bestandsschutz für Filialen gebe es zudem nicht. Karstadt kämpft seit Jahren mit Verlusten, im vergangenen Weihnachtsgeschäft hatten die Warenhäuser ein erneutes Umsatzminus verzeichnet.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Verdi sieht das Management in der Pflicht, einen tragfähigen Zukunftsplan auf den Tisch zu legen. Die Gewerkschaft unterstrich auch ihre Kritik an Miteigner Rene Benko, der seine anfängliche Gesprächszusage zurückgezogen habe. Damit werde eine wichtige Forderung von Verdi, mit allen Eigentümern über deren Vorstellungen und Pläne zu sprechen, nicht erfüllt, sagte die Sprecherin. Arbeitnehmervertreter hatten immer wieder die Sorge geäußert, Karstadt könne zerschlagen werden.

Benko kontrolliert mit seiner Signa Holding bereits das operative Geschäft der Luxus-Warenhäuser, zu denen etwa das KaDeWe in Berlin zählt, und hält auch die Mehrheit an den Karstadt-Sporthäusern. In Branchenkreisen hatte es vor einigen Wochen zudem geheißen, der eins als Karstadt-Retter gefeierte Milliardär Nicolas Berggruen habe Benko und dem Signa-Investor Beny Steinmetz auch eine Option auf die Mehrheit am Karstadt-Stammgeschäft eingeräumt.

Von

rtr

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