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28.07.2014

10:03 Uhr

Angeschlagene Warenhauskette

Verdi fordert mehr Freiheit für Karstadt-Filialen

Verdi setzt sich für die weitere Existenz der Karstadt-Filialen ein und fordert: Jeder Standort soll sein Sortiment individuell bestimmen können – für noch mehr Erfolg. Als Vorbild dient ausgerechnet der Rivale Kaufhof.

Die einzelnen Filialen von Karstadt sollen mehr Gestaltungsfreiraum bekommen. dpa

Die einzelnen Filialen von Karstadt sollen mehr Gestaltungsfreiraum bekommen.

BerlinDie einzelnen Filialen der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt sollen nach dem Willen der Gewerkschaft Verdi mehr Gestaltungsfreiraum bekommen. „Jeder Standort muss die Möglichkeit bekommen, sein individuelles Sortiment zu entwickeln“, sagte der Verdi-Vertreter im Karstadt-Aufsichtsrat, Arno Peukes, der „Berliner Zeitung“ vom Montag. Es sei für den Erfolg relevant, „in welchem Umfeld ein Warenhaus lokalisiert ist“. Peukes führte dem Bericht zufolge den Rivalen Kaufhof als Vorbild an. Kaufhof treibe seit Jahren „das Prinzip der regionalisierten Sortimente“ voran.

Peukes kritisierte zudem, dass unter dem früheren Karstadt-Chef Andrew Jennings die Multimedia-Abteilungen in den Warenhäusern abgeschafft wurden. In kleinen Häusern, zum Beispiel in einigen Hamburger Stadtteilen, sei dadurch die „Kundenfrequenz“ gesunken. „Wer Kunden verliert, verliert auch Umsatz, und es ist enorm schwer, diese verlorenen Kunden zurück zu holen“, beklagte Peukes.

Im seit Längerem kriselnden Karstadt-Konzern hat der überraschende Rücktritt der erst knapp fünf Monate amtierenden Chefin Eva-Lotta Sjöstedt Anfang Juli für neue Ungewissheit gesorgt. Nach Angaben des Gesamtbetriebsrats fürchten nun viele Mitarbeiter um ihren Job.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Medienberichten zufolge schreibt Karstadt weiterhin Verluste. Aufsichtsratschef Stephan Fanderl erklärte nach Sjöstedts Rückzug, das Unternehmen mache sich Sorgen um die Profitabilität „von mehr als 20 Häusern“. Karstadt betreibt derzeit noch 83 Warenhäuser.

Von

afp

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