Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.07.2014

22:05 Uhr

Angeschlagenes Warenhaus

Karstadt vertagt Aufsichtsratssitzung

ExklusivDas Warten der Karstadt-Mitarbeiter geht weiter. Die für Ende Juli geplante Sitzung des Aufsichtsrates wurde um drei Woche verschoben. Finanzchef Müllenbach und Arbeitsdirektor Weitz brauchen mehr Zeit für ein Konzept.

Die Zukunft von Karstadt bleibt weiter ungewiss. dpa

Die Zukunft von Karstadt bleibt weiter ungewiss.

DüsseldorfEs sind schwierige Zeiten für Karstadt. Die Unsicherheit ob der Zukunft des angeschlagenen Warenhauskonzerns ist groß. Der Betriebsrat und die Gewerkschaft Verdi fordern Klarheit über den künftigen Kurs, doch sie werden sich noch gedulden müssen. Der Grund: Die für den 31. Juli geplante Aufsichtsratssitzung wird auf den 21. August verschoben.

Das teilten Finanzchef Miguel Müllenbach und Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz der Belegschaft am Donnerstag in einem Brief, der dem Handelsblatt vorliegt (Freitagsausgabe), mit. Man stimme diesbezüglich mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden überein. Nach dem Rücktritt von Eva-Lotta Sjöstedt zum 7. Juli führen Müllenbach und Weitz die Karstadt-Warenhäuser.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

„Uns ist es sehr wichtig, für eine fundierte und verlässliche Konzepterstellung und Planung ausreichend Zeit zu finden“, erklären die beiden Manager. „Davon hängt sehr viel für die Zukunft von unserem Unternehmen und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ab.“ Müllenbach und Weitz wollen erst in vier Wochen die zukünftige Strategie vorstellen und das Sanierungskonzept mit den Aufsichtsräten beraten – nicht wie geplant kommende Woche.

„Weil wir uns unserer Verantwortung Ihnen gegenüber sehr bewusst sind, müssen wir uns die Zeit nehmen, die wir für eine solide Strategie und belastbare Aussagen brauchen“, heißt es in dem Schreiben weiter. Man glaube, dass Karstadt mit den erforderlichen Schritten eine Zukunftschance habe. „Deshalb wollen wir im Interesse von Karstadt, unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und unserer Kunden und Lieferanten alles dafür tun, diese so gut wie möglich zu nutzen.“

Von

luki

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×