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25.07.2014

06:32 Uhr

Anleger schockiert

Amazon wächst ohne Rücksicht auf Verluste

VonAxel Postinett

Die Investoren verzweifeln. Je mehr Umsatz der Onlinehändler Amazon macht, umso tiefer die roten Zahlen. Der jüngste Quartalsausweis war für die Anleger einfach zu viel. Die Aktie schmiert um über zehn Prozent ab.

Smartphone zeigt Amazon-Logo: Einerseits geht es für den Händler aufwärts, für Gewinn und Aktie aber abwärts. dpa

Smartphone zeigt Amazon-Logo: Einerseits geht es für den Händler aufwärts, für Gewinn und Aktie aber abwärts.

San FranciscoEigentlich verzeihen die Aktionäre Jeff Bezos alles, und sie sind so manches gewöhnt. Mit aggressivsten Mitteln weitet der Gründer des Webriesen Amazon seine Marktanteile aus, auch wenn er damit alle Gewinne wieder verspielt. Für ihn ist das Internet noch immer der Wilde Westen. Man steigt in seinen Planwagen und fährt ohne Rücksicht auf Verluste in die unerschlossene Weite hinaus, um sich sein Stück vom Glück zu sichern. Die Belohnung gibt es später.

Die Landnahme ist bislang geglückt, ob Buch- oder Musikhandel, Amazon ist der Platzhirsch, Cloudcomputing für Unternehmen – Amazon führt das Feld an, er verkauft Tablets und vermietet und produziert Filme und TV-Serien. Bezos legt sich mit Microsoft an, mit Google, IBM, Netflix und eBay. In der alten Welt kämpft er gegen Wal Mart oder Best Buy, Hachette oder Barnes & Noble.

Das kostet, das ist bekannt. Diesmal war es aber einfach zu viel. Während im zweiten Quartal 2014 der Umsatz um satte 23 Prozent auf 19,34 Milliarden Dollar anstieg, kollabierte gleichzeitig das Ergebnis auf Minus 27 Cents pro Aktie oder Minus 126 Millionen Dollar. Das ist fast doppelt so hoch wie selbst pessimistische Analysten erwartet hatten. Im Vorjahr waren es sogar nur Minus sieben Millionen Dollar.

Die beliebtesten deutschen Händler

Quelle

Die Beratungsfirma OC&C hat 30.000 Kunden in neun Ländern befragt. Die hier gezeigten Ergebnisse beziehen sich auf Deutschland. Die Kunden wurden unter anderem zu Preisen, Qualität, Service und Markenvertrauen befragt. Maximal waren 100 Punkte zu erreichen, ein Wert von mehr als 75 gilt als „sehr gut“.
Stand der Veröffentlichung: Dezember 2013.

Platz 10

bonprix
Mode
Indexwert: 77,9 (plus 1,9 Punkte gg. Vorjahr)

Platz 9

Otto
Multisortimenter
Indexwert: 77,9 (minus 0,1 Punkte gg. Vorjahr)

Platz 8

Globus
Lebensmittel
Indexwert: 78,1 (minus 2,3 Punkte gg. Vorjahr)

Platz 7

Tchibo
Multisortimenter
Indexwert: 79 (minus 1,0 Punkte gg. Vorjahr)

Platz 6

Rossmann
Drogerie
Indexwert: 79,6 (plus 0,8 Punkte gg. Vorjahr)

Platz 5

Müller
Drogerie
Indexwert: 80,0 (plus 2,2 Punkte gg. Vorjahr)

Platz 4

Thalia
Bücher
Indexwert: 81 (minus 1,4 Punkte gg. Vorjahr)

Platz 3

Douglas
Drogerie
Indexwert: 81,1 (plus 2,7 Punkte gg. Vorjahr)

Platz 2

Amazon
Multisortimenter
Indexwert: 82,5 (minus 7,7 Punkte gg. Vorjahr)

Platz 1

dm
Drogerie
Indexwert: 84,2 (minus 1,3 Punkte gg. Vorjahr)

Eine neue TV-Box, eingeführt Anfang des Quartals und ein Smartphone, das ab heute an die Kunden verschickt wird, saugten die Gewinne ab. Dazu kommen Investitionen in Inhalte und jetzt gibt es auch eine Flatrate für Bücher. Ein Amazon-Lieferdienst für Lebensmittel wird ständig erweitert, die Lieferwagen kurven noch nachts durch die Straßen von San Francisco. Alles, um immer mehr Menschen zu Dauerkäufern zu machen. Verluste in dieser Höhe hat Amazon seit 2012 nicht mehr gesehen. „Das ist schon ein Kunststück, mit 20 Milliarden Dollar Umsatz Geld zu verlieren“, schüttelt Colin Gillis, Analyst bei BGC Partners, ungläubig den Kopf.

Doch es kommt noch schlimmer. Für das laufende Quartal wird ein völlig überraschender und atemberaubender operativer Verlust zwischen 400 und 810 Millionen Dollar vorhergesagt. Kein Vergleich zu den Minus 25 Millionen im Vorjahr. Alleine für neue Video-Inhalte werden laut Amazon über 100 Millionen Dollar ausgegeben werden. Der versprochene weitere Umsatzanstieg um bis zu 26 Prozent interessierte da niemanden mehr. Die Aktie, die seit Jahresbeginn keine Kursgewinne verzeichnen konnte, rasselte im Tief um über elf Prozent in den Keller und schloss nachbörslich gut zehn Prozent tiefer bei immer noch kaum zu rechtfertigenden 322 Dollar.

Amazons ECommerce-Strategie

Videochat statt teure Kundenhotline

Amazons ECommerce-Strategie: Videochat statt teure Kundenhotline

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Kommentare (1)

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Herr D. Dino54

25.07.2014, 09:01 Uhr

".... ohne Rücksicht ...."

Das sind die Cowboy - Manieren, die leider durch Übernahmen deutscher Unternehmen die Mitarbeiter zu spüren bekamen !

Loyalität, interessiert nicht, kranke Gehirne und die deutschen Nachwuchs-Betriebswirte & Co. studieren und eifern diesen Schwachsinn mehr oder weniger nach !

So wurden aber deutsche Unternehmen nicht erfolgreich !!!
Dieses wird man, wie immer, zu spät erkennen !

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