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07.10.2017

16:41 Uhr

Anuga 2017

Wenn Alexa das Tofu-Thunfischrezept liefert

VonAlexandra Hildebrand

Nicht nur lecker, sondern mitunter auch skurril sind die Spezialitäten, die auf der Anuga in Köln präsentiert werden. Auf der Messe können Besucher einen Blick ins Experimentierlabor der Lebensmittelindustrie werfen.

Nicht nur innovative Sushi-Variationen werden auf der Anuga in Köln präsentiert. dpa

Bunte Fischplatte

Nicht nur innovative Sushi-Variationen werden auf der Anuga in Köln präsentiert.

KölnOb Thunfisch aus Tofu, Chiasamen-Marmelade oder Birkensaft: „Die Nahrungsmittelbranche ist der Spiegel der Gesellschaft“, ist sich Dietmar Eiden von der Koelnmesse zum Auftakt der Ernährungsmesse Anuga sicher. Und die Gesellschaft ist ziemlich anspruchsvoll geworden. Das führt zu solch exotischen Produktentwicklungen: 2300 neue Lebensmittel stellen die insgesamt 7400 Aussteller auf der Anuga vor, die am Samstag ihre Tore öffnete.

„Besonders jungen Konsumenten wird Nachhaltigkeit immer wichtiger“, sagt Christoph Minhoff, Chef der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie. Die Konsumenten legten mehr Wert auf gesunde Ernährung.

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Ob im Discounter, von der Supermarkt-Theke, per Lieferservice oder im stylischen Restaurant: Der Hunger der Deutschen auf Sushi ist enorm. Doch die Konsumenten achten auf den Preis – und das Geschäft hat Schattenseiten.

Zudem sollen die Lebensmittel auch ethische Kriterien erfüllen. Und das wichtigste: Sie müssen lecker sein. Viele Konsumenten suchen daher nach Alternativen für tierische Produkte – so wie den Tofu-Thunfisch. Der schmeckt nicht nur wie der Echte – er enthält auch jede Menge natürliches Eiweiß.

Proteinreiche Nahrungsmittel sind ohnehin ein wichtiger Trend, wie auch eine aktuelle Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) bestätigt. Lag der Umsatz an Eiweißprodukten vor vier Jahren noch bei 50 Millionen Euro, sind es jetzt bereits 175 Millionen. Allein im Jahr 2016 wuchs die Nachfrage nach Proteinprodukten um durchschnittlich 62 Prozent. Kein Zufall, denn neben dem Konsum von proteinreichen Produkten steigen auch die Anmeldungen in Fitnessstudios.

Ein weiterer Mega-Trend: Offenbar haben immer weniger Menschen Zeit oder Lust selbst zu kochen. Alles muss schnell gehen, sagt auch Konsumforscher Robert Kecskes von der GfK. „Wir sehen ein großes Wachstum an Produkten im ,To-Go-Format‘. Während zum Beispiel die Zahl der gehandelten Salatköpfe seit Jahren stagniere, kauften immer mehr Menschen fertige Salate.

Mundgerecht geschnittene Salatblätter, dazu Beilagen wie Mozzarella und getrocknete Tomaten und das passende Balsamico-Dressing – alles einzeln verpackt. Der anfallende Plastikmüll sei die Kehrseite des To-Go-Konsums, sagt Kecskes: „Das ist eine Herausforderung, die die Lebensmittelindustrie noch meistern muss“, sagt Kecskes.

Auch die Digitalisierung wird für die Lebensmittelindustrie immer wichtiger: Kühlschränke, die selbst Lebensmittel nachbestellen oder Kommunikationssysteme wie Amazons Alexa, die neben dem Speichern von Einkaufslisten auch Kochanweisungen geben, sind bei den Konsumenten zunehmend gefragt. Besonders junge Leute zwischen 20 und 35 Jahren sind einer GfK-Umfrage zufolge offen für diese Technologien.

Für viele, die nur gelegentlich oder am Wochenende kochen – immerhin gut 26 Prozent der Deutschen – seien Alexas Kochanweisungen von Nutzen, sagt Kefcsek. Vielen fehle schlicht die Zeit. Und selbst Menschen, die eigentlich gerne kochen, brauchen Hilfestellung: Denn insbesondere junge Leute haben oft schlicht keine Küchenpraxis. Ob aber eine Kochanleitung für den Tofu-Thunfisch nötig sein wird, bleibt fraglich.

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