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12.06.2012

13:19 Uhr

Anwaltsfirmen

Pleitewelle erfasst New Yorker Star-Kanzleien

VonRolf Benders

Wenn es kriselt, boomt die Anwaltsbranche - seit der Insolvenz von Dewey & LeBoeuf scheint damit Schluss zu sein. Es soll zur Zeitenwende kommen: Nicht mehr Anwälte, sondern Ökonomen sollen nun die Kanzleien führen.

Starkanzleien wie Dewey & LeBoeuf machen pleite: Mitarbeiter geht mit Karton nach Hause. Reuters

Starkanzleien wie Dewey & LeBoeuf machen pleite: Mitarbeiter geht mit Karton nach Hause.

New YorkLange galten Rechtsanwaltskanzleien als die neue Boombranche in der Weltfinanzhauptstadt New York. Schließlich sehen sich die Großbanken der Wall Street seit der Lehman-Pleite einer beispiellosen Klagewelle gegenüber. Zuletzt feierte sich die Branche sogar angesichts von Stundensätzen von über 1.000 Dollar pro Anwalt lauthals selbst.

Doch die Pleite der Star-Kanzlei Dewey & Leboeuf Anfang Juni beweist: Hinter der Fassade des schönen Scheins verbirgt sich eine kranke Branche, die ihre Stars zu teuer bezahlt. Experten sagen nun eine Sterbewelle unter den großen Star-Sozietäten voraus. "Über eine der ganz großen Kanzleien, deren geschäftsführende Partner heute glauben, so etwas könnte ihnen nie passieren, werden wir im nächsten Jahr sprechen", sagt Stephen J. Harper, ehemaliger Partner der Kanzlei Kirkland & Ellis und Professor der Northwestern University, voraus. Paul Lippe, Chef der Beratungsgesellschaft Legal onRamp, geht davon aus, dass bis Ende 2013 noch zehn der größten US-Kanzleien aufgeben müssen.

Das Hauptproblem der Kanzleien ist das eigene Management. Es hat zu lange versucht, die Strukturkrise der Branche zu ignorieren. "Viele Kanzleien werden noch nach alter Väter Sitte geführt, ohne dass jemand wirklich auf die Zahlen guckt", sagt Silvia Hodges, Professorin an der Fordham Law School in New York. Den Stars der Branche werden Millionengehälter gezahlt, damit sie bleiben.

Die größten US-Anwaltsfirmen

Die Übersicht

Das Fachblatt „The American Lawyer“ hat die Übersicht der größten US-Anwaltsfirmen erstellt. Angegeben ist im Folgenden der Bruttoumsatz 2011 in Mio. US-Dollar, sowie die Zahl der angestellten Juristen.

1. Platz

Baker & McKinzie

Umsatz: 2265 Mio. Dollar, 3805 Anwälte

2. Platz

DLA Piper

Umsatz: 2247 Mio. Dollar, 3746 Anwälte

3. Platz

Skadden

Umsatz: 2165 Mio. Dollar, 1832 Anwälte

4. Platz

Latham & Watkins

Umsatz: 2152 Mio. Dollar, 2014 Anwälte

5. Platz

Kirkland & Ellis

Umsatz: 1750 Mio. Dollar, 2253Anwälte

Dewey & LeBoeuf landen mit 782 Millionen Umsatz nur auf Platz 28 (1040 Anwälte)

Früher ging diese Rechnung auch auf. Denn die als Regenmacher verehrten Haudegen zogen über ihre Kontakte in den Rechtsabteilungen die großen Aufträge an Land. Dann wurden für die Kanzlei billige Berufsanfänger auf die Fälle angesetzt und horrende Stundenpauschalen abgerechnet. So hatte es jahrelang der Belletristik-Star John Grisham in seinen vielen Anwaltsromanen eindrucksvoll beschrieben.

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