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07.01.2007

12:21 Uhr

Apotheken

Doc Morris unternimmt neuen Anlauf

Rund vier Monate nach der gerichtlich erzwungenen Schließung der ersten deutschen Doc-Morris-Filiale in Saarbrücken startet der niederländische Arzneimittelversand einen neuen Anlauf zum Aufbau einer deutschen Apothekenkette. Ein juristischer Kniff soll diesmal den klagefreudigen eingesessenen Apothekern den Wind aus den Segeln nehmen.

Doc-Morris-Chef Ralf Däinghaus. Foto: dpa

Doc-Morris-Chef Ralf Däinghaus. Foto: dpa

HB SAARBRÜCKEN. Am morgigen Montag eröffnet in St. Wendel im Saarland erneut eine Apotheke mit dem Logo des Internet-Händlers, wie „Spiegel“ und „Frankfurter Allgemeine Sonntagzeitung“ am Wochenende unter Berufung auf Doc-Morris-Vorstandschef Ralf Däinghaus berichteten. Die Apotheke bleibe zwar im Besitz der bisherigen Inhaberin, wie es das deutsche Recht verlange. Diese zahle jedoch eine Lizenzgebühr dafür, Arzneien künftig unter dem Doc-Morris-Logo zu verkaufen.

Zu den Plänen des Versandhandels in Deutschland zitierte der „Spiegel“ Däinghaus mit den Worten: „In den nächsten drei Jahren wollen wir mit rund 500 Apotheken im ganzen Bundesgebiet solche Kooperationen eingehen.“ Wenn das gelinge, „dann kommen wir als Gruppe auf einen Umsatz von 1 bis 1,5 Milliarden Euro. Dann erhalten wir ganz andere Konditionen beim Einkauf“.

In den Filialen sollen den Angaben zufolge nichtverschreibungspflichtige Medikamente um bis zu 30 Prozent billiger sein als in herkömmlichen Apotheken. Rezeptpflichtige Medikamente dürften laut „Spiegel“ nach jetziger Gesetzeslage dagegen nur zum einheitlichen Apothekenverkaufspreis abgegeben werden. „Wir kämpfen dafür, dass es auch bei den verschreibungspflichtigen Arzneien zu einem Preiswettbewerb kommt“, sagte Däinghaus. Schließlich habe allein sein Unternehmen bereits 25 Millionen Euro Rabatte an die Kunden ausbezahlt: „Das zeigt, dass bei den Preisen noch Luft drin ist.“

Der Vorstoß ist der zweite Versuch von Doc Morris, mit Ladengeschäften auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. Im Juli hatten die Niederländer eine Saarbrücker Apotheke übernommen; nach mehreren Klagen ordnete das saarländische Verwaltungsgericht aber im September die vorläufige Schließung an. Sowohl das Unternehmen selbst als auch das saarländische Gesundheitsministerium riefen dagegen ihrerseits die Gerichte an.

Das Verwaltungsgericht hatte seine Entscheidung mit einer Interessenabwägung begründet und betont, dass damit noch keine endgültige Entscheidung vorweggenommen werde. Im Kern geht es darum, was Vorrang hat - das europäische Recht auf Niederlassungsfreiheit oder das deutsche Apothekenrecht, wonach Kapitalgesellschaften keine Apotheke besitzen dürfen.

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