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08.01.2007

15:44 Uhr

Apotheken in Deutschland

Doc Morris will 500 deutsche Filialen eröffnen

Mit einem neuen Lizenzmodell versucht die niederländische Versandapotheke Doc Morris doch noch mit eigenen Apotheken in Deutschland Fuß fassen. Im Saarland hat der Versandhändler am Montag mit dem neuen Modell einen Vorstoß gemacht. Viele weitere in ganz Deutschland sollen folgen.

HB ST. WENDEL. Die niederländische Versandapotheke DocMorris hat am Montag im saarländischen St. Wendel einen neuen Vorstoß auf den deutschen Markt gestartet: Sie eröffnete eine Apotheke, in der Medikamente zum Teil deutlich günstiger als bisher üblich verkauft werden. Offiziell bleibt die umgebaute Apotheke im Besitz der bisherigen Eigentümerin, einer in Deutschland zugelassenen Apothekerin, die für den Verkauf von Pillen unter dem Doc-Morris-Logo eine Lizenzgebühr zahlen muss. Nach Angaben von Doc-Morris-Chef Ralf Däinghaus werden in den nächsten drei bis fünf Jahren 500 derartiger Doc-Morris-Apotheken entstehen: „Wir werden flächendeckend in allen größeren Städten vertreten sein“, sagte er am Montag der dpa. In den kommenden Wochen werde jeweils eine neue DocMorris-Apotheke in Deutschland eröffnet.

Die ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände - reagierte mit Skepsis auf die Strategie: „Nachdem klar ist, dass der Versandhandel nicht den erhofften Gewinn abwirft, sucht DocMorris offensichtlich nach einem anderen Betätigungsfeld“, teilte die Organisation in Berlin mit. Der Anteil des Versandhandels an den Ausgaben der Gesetzlichen Krankenkassen sei nach einer im Dezember vom Bundesgesundheitsministerium veröffentlichten Statistik „stark rückläufig“. Im ersten Quartal 2006 betrug der Anteil 0,8 Prozent, im zweiten 1,1 Prozent, im dritten Quartal sei er rasant auf 0,2 Prozent abgefallen. „Diese negative Tendenz ist augenscheinlich auch der Grund, warum die niederländische Kapitalgesellschaft DocMorris heute in großformatigen Zeitungsanzeigen Apotheken eine Lizenzpartnerschaft anbietet.“

„Wir fangen langsam an“, sagte DocMorris-Chef Däinghaus. In der kommenden Woche stehe der Start einer Filiale in Norddeutschland auf dem Programm, dann einer in Süddeutschland. Die Namen der Städte wollte er noch nicht bekannt geben. Die Kooperationen mit Vor-Ort- Apotheken seien Teil einer „Multikanalstrategie“: „Wir wollen präsent sein im Internet, beim Versand und vor Ort“, sagte Däinghaus in St. Wendel. Es werde erwartet, dass die beteiligten Apotheken ein deutliches Umsatz- und Ertragsplus erzielen werden.

Der Vorstoß ist der zweite Versuch von DocMorris, mit Ladengeschäften auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. Im vergangenen Sommer hatten die Niederländer eine Saarbrücker Apotheke übernommen; nach mehreren Klagen ordnete das saarländische Verwaltungsgericht aber die vorläufige Schließung an. Über die Berufung wurde noch nicht entschieden. Nach deutschem Recht dürfen nur Apotheker eine Apotheke betreiben, DocMorris und das saarländische Gesundheitsministerium berufen sich auf die Niederlassungsfreiheit nach europäischem Recht. Nach wie vor strebe DocMorris die Wiedereröffnung der Saarbrücker Apotheke an, sagte Däinghaus. Diese „eigene Apotheke“ sei auch als Versandapotheke ein wichtiger Pfeiler im Flächenkonzept des Unternehmens.

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