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01.11.2014

15:55 Uhr

Arbeitsbedingungen bei Amazon

320 Mitarbeiter beenden Arbeitskampf vorerst

Verdi versucht den Versandhändler Amazon unablässig mit Streiks unter Druck zu setzen. Zudem will die Gewerkschaft an allen Standorten einen paritätisch besetzten Aufsichtsrat durchsetzen. Der Arbeitskampf hat begonnen.

Nicht das letzte Mal? Die Flagge der Gewerkschaft Verdi weht vor dem Amazon-Logistikzentrum. dpa

Nicht das letzte Mal? Die Flagge der Gewerkschaft Verdi weht vor dem Amazon-Logistikzentrum.

Bad Hersfeld/LeipzigZum vorläufigen Ende eines mehrtägigen Streiks haben Beschäftigte des Versandhändlers Amazon an zwei deutschen Verteilzentren erneut die Arbeit niedergelegt. Am Samstag beteiligten sich nach Angaben der Gewerkschaft Verdi 200 Mitarbeiter am größten deutschen Standort in Bad Hersfeld an dem Protest. Das sei ein Drittel der Schicht gewesen. In Leipzig waren laut Verdi rund 150 Beschäftigte im Ausstand. Der Streik sollte mit Abschluss der Spätschicht enden.

Wann Verdi in dem seit mehr als einem Jahr andauernden Tarifkonflikt zum nächsten Streik aufruft, ist unklar. „Amazon muss damit rechnen, dass sie keine ruhige Minute mehr haben“, sagte Thomas Schneider von der Gewerkschaft Verdi in Leipzig. Zu jeder Zeit und an jedem Ort könnte die Arbeit niedergelegt werden.

Bei der langwierigen Auseinandersetzung sieht Verdi erste Erfolge. „Wir verzeichnen stetig Terrain-Gewinne. Es gibt mittlerweile an allen deutschen Standorten Betriebsräte“, sagte Eva Völpel vom Verdi-Bundesvorstand. Zudem will die Gewerkschaft an allen größeren Standorten einen paritätisch besetzten Aufsichtsrat durchsetzen. „Ziel ist es, künftig auch über die Gremien gegen die Tarif-Blockade des Konzerns vorzugehen“, sagte Verdi-Onlinehandelsexperte Stefan Najda der „Wirtschaftswoche“.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Schadet der Shitstorm?

Amazon selbst äußerte sich auf Nachfrage bisher nicht dazu, ob seit der Ausstrahlung der ARD-Doku weniger bestellt wurde. Doch ein Vergleich legt nahe: Zu große Sorgen muss sich Amazon wohl nicht machen. Auch über den deutschen Rivalen Zalando tobte bereits ein - wenn auch kleinerer - Sturm der Aufregung nach Berichten über schlechte Arbeitsbedingungen. Am rasanten Umsatzwachstum änderte das nichts. Von 2011 auf 2012 verdoppelte Zalando seine Erlöse von 510 Millionen auf 1,15 Milliarden Euro.

Folgen des Leiharbeiterskandals

Das ist schwer abzuschätzen. Die Empörung hat auch die Politik erreicht und es ist Wahlkampf. Die Vorwürfe wegen der schlechten Behandlung von Leih- und Zeitarbeitern richten sich aber primär gegen die Leiharbeitsfirmen. Denen droht das Bundesarbeitsministerium inzwischen mit einer Sonderprüfung. Die Firmen selbst äußern sich nicht. Die Bezahlung bei Amazon entspricht aber wohl den gültigen Standards. Mit einem Bruttostundenlohn von mindestens 9,55 Euro zahlt Amazon mehr als den gesetzlichen Mindestlohn für Zeitarbeiter, der derzeit im Westen bei 8,19 Euro und im Osten bei 7,50 Euro liegt.

Wo Amazon noch Ärger hat

In Großbritannien gab es im vergangenen Jahr eine Debatte darüber, wie sich Amazon und andere US-Konzerne mit legalen Tricks vor dem Steuerzahlen drückten. Ein Amazon-Vertreter musste vor einem Ausschuss des Parlaments erscheinen und wurde dort von den Parlamentariern vor laufenden Kameras in die Mangel genommen. In den USA hatten sich Mitarbeiter darüber beschwert, dass sie im heißen Sommer in unklimatisierten Lagerhallen schuften mussten. Nach US-Medienberichten erlitten mehrere Beschäftigte Schwächeanfälle. Amazon reagierte und rüstete Klimaanlagen nach.

Verdi habe deshalb in den vergangenen Wochen an den Amazon-Standorten Leipzig, Graben, Koblenz und Rheinberg sogenannte Statusverfahren eingeleitet, sagte Najda. Dabei werde gerichtlich überprüft, ob die jeweiligen Amazon-Tochterunternehmen mehr als 2000 Mitarbeiter beschäftigen und entsprechend Aufsichtsräte bilden müssen, bei denen die Beschäftigten die Hälfte der Mitglieder stellen. Vorbild der Aktion ist der Amazon-Standort in Bad Hersfeld. Dort wurden Ende August zwei Verdi-Vertreter in den Aufsichtsrat gewählt. Zuvor war das Kontrollgremium über ein Statusverfahren erweitert worden.

Verdi will Branchen-Primus Amazon zu Tarifverhandlungen zu den Bedingungen des Einzelhandels bewegen. Amazon sieht sich selbst aber als Logistikunternehmen und lehnt die Forderungen ab. Mittlerweile wird an bis zu fünf Standorten gestreikt. Involviert sind auch die Lager in Rheinberg und Werne (beide NRW) und Graben in Bayern.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Frau Dagmar Trinks

03.11.2014, 10:58 Uhr

Was verdi da treibt, ist einfach lächerlich und nur Stunk verbreiten... aber die treuen Amazon Kunden stellen sich sicher darauf ein und tolerieren sicher 1 - 2 Tage längere Lieferzeiten, so mache ich es. Die Mitarbeiter von Amazon verdienen mehr , als in anderen Branchen beispielsweise, ich finde es absolut lächerlich, was die gewerkschaft da treibt und wünsche Amazon ein gutes Durchhaltevermögen und Rückrat bei der Einstellung zu bleiben !!

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