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26.08.2014

03:50 Uhr

Arbeitskampf in der Luft und am Boden

Lufthansa will Streik in letzter Sekunde abwenden

Noch hat die Lufthansa die Hoffnung nicht begraben, die Spartengewerkschaft Cockpit von ihren Streikplänen abzubringen. Doch die Parteien liegen weit auseinander. Auf der Schiene sieht es nicht besser aus.

Sie wollen an den Einnahmen des Konzerns weiter wie bisher partizipieren, etwa über großzügige Rentenregelungen: Lufthansa-Piloten. dpa

Sie wollen an den Einnahmen des Konzerns weiter wie bisher partizipieren, etwa über großzügige Rentenregelungen: Lufthansa-Piloten.

FrankfurtFür Kunden der Lufthansa bleibt die Lage unklar: Am Montag blieb offen, wann und wie lange die Flugkapitäne streiken werden. Nähere Informationen zu einem möglichen Arbeitskampf dürfte es wohl frühestens am Dienstag geben. Die Lufthansa wollte Arbeitsniederlegungen in letzter Minute abwenden. Auch im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn ist bislang keine Lösung in Sicht. Anders als bei der Lufthansa gibt es von Gewerkschaftsseite noch keine konkrete Streikdrohung.

Die deutsche Reisebranche appellierte an die Piloten, im Tarifstreit um die Frühverrentung wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren. „Die Verhandlungspartner sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein und nicht Arbeitsplätze anderer gefährden“, sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV), Norbert Fiebig, der Oldenburger „Nordwest-Zeitung“. Von einem Streik seien nicht nur tausende Lufthansa-Passagiere betroffen, sondern auch zehntausende Unternehmen und ihre Beschäftigten. Ein Streik bedeute zudem erheblich Mehrkosten für Reisebüros, die sich um Umbuchungen oder Stornierungen für Reisende kümmern müssten.

Spartengewerkschaften

Spartengewerkschaften – die mit der großen Macht

Klein, aber schlagkräftig: Im Luftverkehr, aber auch bei der Bahn und bei Medizinern gibt es einflussreiche Spartengewerkschaften, deren Arbeitskämpfe häufig weitreichende Folgen für die Bürger haben. Einige Beispiele.

Vereinigung Cockpit

Der „Verband der Verkehrsflugzeugführer und Flugingenieure in Deutschland“ setzt sich für die Interessen von rund 9300 Cockpit-Besatzungsmitgliedern aus allen deutschen Airlines und von Verkehrshubschrauberführern ein.

Gewerkschaft der Flugsicherung

Zu den etwa 3900 Mitgliedern gehören Lotsen in den Towern, bei der militärischen Flugsicherung und bei den Vorfeldkontrollen.

Unabhängige Flugbegleiter Organisation

Nach eigenen Angaben ist sie die einzige deutsche Gewerkschaft, die sich ausschließlich für das fliegende Kabinenpersonal einsetzt. Die Ufo hat gut 10.000 Mitglieder.

Arbeitnehmergewerkschaft im Luftverkehr

Die erst Ende 2012 gegründete Gruppierung gilt als neuer Machtfaktor im Lufthansa-Konzern. Nach eigenen Angaben vertritt sie alle Beschäftigten von Fluggesellschaften, Airportbetreibergesellschaften und Dienstleistungsunternehmen mit Bezug zur Luftfahrtbranche.

Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer

Sie hat rund 34.000 Mitglieder und ist Tarifpartner der Deutschen Bahn und mehrerer Privatbahnen. Nach eigenen Angaben organisiert sie mehr als 80 Prozent der Lokomotivführer und zahlreiche Zugbegleiter.

Marburger Bund

Die nach eigenen Angaben einzige tariffähige Ärztegewerkschaft in Deutschland kämpft unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen ihrer rund 115.000 Mitglieder in Kliniken.

Die Gewerkschaften GDL und Cockpit wollen indes bei ihren Tarifkonflikten die Reisenden nicht mit einem zeitgleichen Streik belasten. „Es gibt Gespräche“, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) am Montagabend in Frankfurt. „Wir wollen verantwortungsvoll mit dem Mittel Arbeitskampf umgehen.“ Die Gewerkschaften würden sich abstimmen, damit nicht zeitgleich Bahn- und Flugreisende von einem Streik betroffen sind.

In der Auseinandersetzung mit den Piloten forderte die Lufthansa eine Rückkehr an den Verhandlungstisch. „Wir sind konsensbereit und suchen einen Kompromiss“, sagte Lufthansa-Personalvorstand Bettina Volkens. Sie forderte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit auf, eine gemeinsame Lösung zu finden.

Hintergrund der Streiks ist ein Streit über die Übergangsrente für die Piloten. Deshalb hatte es bereits im April massive Flugausfälle gegeben. Cockpit hatte die Verhandlungen in der vergangenen Woche für gescheitert erklärt.

Die Lufthansa rechnet nach eigenen Angaben damit, dass Cockpit einen Ausstand 24 Stunden vorher ankündigen werde. Mehrtägige Streiks erwartet die Airline nicht. Die Lufthansa werde einen Sonderflugplan entwickeln, um wesentliche Strecken aufrechterhalten. Auf einen Ausstand sei man vorbereitet, betonte Europas größte Fluggesellschaft.

Pilotenstreik ohne Vorwarnung

Wird Lufthansa unter der Macht der Piloten zerbrechen?

Pilotenstreik ohne Vorwarnung: Wird Lufthansa unter der Macht der Piloten zerbrechen?

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