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12.01.2014

16:51 Uhr

Arbeitskampf

Lufthansa-Piloten drohen mit Streik

Schlechte Nachrichten für Vielflieger: Europas größte Fluglinie könnte in wenigen Wochen ein Arbeitskampf drohen. Dieses Mal hat die Deutsche Lufthansa Ärger mit den Piloten.

Piloten der Deutschen Lufthansa müssen bald auf viel Geld verzichten. Streik ist möglich. dpa

Piloten der Deutschen Lufthansa müssen bald auf viel Geld verzichten. Streik ist möglich.

FrankfurtDie rund 5000 Piloten der Lufthansa drohen mit Streik. Die Gewerkschaft VC Cockpit habe eine Urabstimmung eingeleitet, sagte ein Gewerkschaftssprecher am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. Damit könnte Europas größter Fluglinie in wenigen Wochen ein Arbeitskampf drohen. Darüber hatte zuvor bereits „Der Spiegel“ berichtet.

Der aktuelle Konflikt entzündet sich an der Kündigung des Tarifvertrags zur Alters- und Übergangsversorgung. Bislang wurden Piloten der Lufthansa spätestens mit 60 Jahren in Rente geschickt. Doch der Europäische Gerichtshof (EuGH) erklärte die entsprechende Regelung 2011 für unzulässig. Da die Piloten jetzt bis 65 arbeiten könnten, entfalle auch die Notwendigkeit einer Übergangsversorgung, argumentiert die Lufthansa.

Der Vertrag sei deshalb zum 31. Dezember 2013 gekündigt worden. Die Gewerkschaft erklärte hingegen, die Übergangsversorgung sei für die Piloten immens wichtig, ihre gesamte Karriereplanung sei darauf ausgerichtet. Daneben ziehen sich die Verhandlungen über einen neuen Gehaltstarifvertrag bereits seit zwei Jahren hin.

Die Rechte der Fluggäste

Betreuung bei Verspätung oder Annullierung

Bei Flügen bis zu 1500 Kilometern Entfernung haben Fluggäste ab zwei Stunden Verspätung Anspruch auf Betreuungsleistungen - also Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden. Ab einer Wartezeit von fünf Stunden können Passagiere eine Erstattung des Flugpreises verlangen.

Betreuung bei Verspätung oder Annullierung 2

Anspruch auf Betreuung haben Reisende aber auch, wenn Flüge wegen "außergewöhnlicher Umstände" wie der Luftraumsperrung nach einem Vulkanausbruch annulliert werden müssen. Die Airlines müssen dann etwa im Ausland gestrandeten Reisenden solange Hotel und Vollpension zahlen, bis sie abfliegen können. Die Betroffenen können in solchen Fällen aber nur eine "notwendige und angemessene" Betreuung verlangen, heißt es in einem neuen EuGH-Urteil.

Stornierung und Umbuchung bei Streiks

Einen wegen Streiks gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist - und auch länger, da ein Rückstau entstehen kann.

Entschädigung

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein "außergewöhnlicher" Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks ebenso wie miserables Wetter als außergewöhnlichen Umstand. Zu Recht, wie der Bundesgerichtshof (BGH) entschied: Streiks könnten als außergewöhnlicher Umstand von Airlines "nicht beherrscht" werden.

Informationen

Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist immer die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter. Reisende sollten sich am Flughafen schriftlich die Verspätung oder Flugausfall bestätigen lassen. Hilfreich ist auch ein Beweisfoto der Anzeigetafel. Reisende sind allerdings verpflichtet, sich rechtzeitig über aktuelle Änderungen von Abflug- und Ankunftszeiten zu informieren. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.

Pünktlichkeit

Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.

„Wir suchen weiterhin das Gespräch mit der Gewerkschaft“, sagte ein Lufthansa-Sprecher. „Wir sind nach wie vor zuversichtlich, dass wir eine Einigung mit den Piloten finden werden.“ Bis auf die Piloten hätten sämtliche Berufsgruppen ihren Beitrag zum Sparprogramm Score geleistet.

Mit dem Sparprogramm will die Lufthansa den operativen Gewinn bis nächstes Jahr auf 2,3 Milliarden Euro steigern. Der Weg ist noch weit: Für das gerade zu Ende gegangene Jahr sind bis zu 700 Millionen Euro angepeilt.

Von

rtr

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