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13.08.2012

19:40 Uhr

Arbeitsmarkt

Zeitarbeitsbranche zeigt sich verunsichert

VonMarkus Fasse

Auf die Zeitarbeitsbranche kommen grundlegende Veränderungen zu. Nicht nur müssen sich die Firmen auf neue Tarifverträge einstellen. Auch die Konjunkturdelle schlägt nun voll durch - mit weitreichenden Folgen.

BMW-Werk in Leipzig. dpa

BMW-Werk in Leipzig.

MünchenDer August war in den vergangenen zwei Jahren stets ein guter Monat für die Zeitarbeit. Die Dienstleister füllten auf, was der Urlaubskalender an Lücken in die Stammbelegschaft gerissen hatte. Doch in diesem Jahr ist die Situation anders: Noch ist die Beschäftigung bei den Personaldienstleistern gut, doch die Stimmung kippt. „Die Kunden sind zögerlicher geworden“, sagt Heide Franken, Geschäftsführerin von Randstad Deutschland. Andere sehen das genauso. „Es wird kurzfristiger kalkuliert, die Firmen werden vorsichtiger“, meint Dieter Traub von der Hamburger Orizon-Gruppe.

Zeitarbeit ist ein Frühindikator, und in diesem Sommer wackeln alle Prognosen. Während erste Unternehmen wie der Lastwagenhersteller MAN und die Kölner Ford-Werke wegen Auftragseinbrüchen ihre Zeitarbeiter abbauen, stellen BMW und Volkswagen Tausende Zeitarbeiter fest ein, denn sie rechnen weiter mit hohen Absätzen.

Die Personaldienstleister selbst stehen aber vor einer der größten Veränderungen der letzten Jahre. Auf Druck der Politik schließen die Verbände Zusatzverträge mit den Gewerkschaften ab, um die Zeitarbeiter zumindest in die Nähe einer Gleichbezahlung mit den Stammbeschäftigten zu bringen (Equal Pay). Noch während die Verhandlungen laufen, rätseln die Unternehmen über die Folgen. „Mit den Branchenzuschlägen wird Zeitarbeit teurer. Noch ist offen, wie unsere Kunden darauf reagieren“, sagt Heide Franken.

Mehr zahlt, wer ab November Leiharbeiter beschäftigt. Zwar gewähren einige Unternehmen schon freiwillig die Zuschläge, für die Fläche gilt das aber noch lange nicht. Mit den Schwergewichten IG Metall und IG BCE hat bislang eine Handvoll Gewerkschaften Zusatzverträge mit den Zeitarbeitsverbänden geschlossen. Dabei werden auf die bestehenden Tarifverträge der Zeitarbeit Zuschläge für solche Branchen aufgesattelt, die höher entlohnen als die Zeitarbeit. Das Ergebnis ist ein Tarifdschungel: Während beispielsweise in der Elektroindustrie nach neun Monaten künftig ein Zuschlag von 50 Prozent auf den Zeitarbeitstarif aufgeschlagen wird, begnügt sich die Kunststoffverarbeitung mit zwölf bis 14 Prozent.

Kommentare (3)

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sklavenhupe

13.08.2012, 20:17 Uhr

Die Gierbranche zeigt sich verunsichert

Account gelöscht!

14.08.2012, 00:08 Uhr

Flexibilität ist Mehrwert. Mehrwert ist teurer. Spitzenlaststrom ist teuerer als Grundlaststrom. Daher müssen auch Zeitarbeiter besser bezahlt werden als Festangestellte.

ANONYM

14.08.2012, 02:12 Uhr

@SandraK
Warum sollten Zeitarbeiter besser entlohnt werden, wenn ihnen in der Regel das notwendige Wissen und Know-How fehlt und dieses während der Arbeitszeit erst erlernt werden muss?

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