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21.07.2015

17:05 Uhr

Arcandor-Insolvenzverwalter klagt

Haben KPMG und BDO geschlampt?

KPMG und BDO sollen die ehemaligen Karstadt-Mutter Arcandor nicht rechtzeitig auf eine Zahlungsunfähigkeit hingewiesen haben. Nun klagt der Insolvenzverwalter. Der Fall könnte die Wirtschaftsprüfer sehr viel Geld kosten.

Zum Handelskonzern gehörten vor der Pleite nicht nur die Karstadt-Warenhäuser, sondern auch das Versandhaus Quelle und der Reiseveranstalter Thomas Cook. dpa

Arcandor

Zum Handelskonzern gehörten vor der Pleite nicht nur die Karstadt-Warenhäuser, sondern auch das Versandhaus Quelle und der Reiseveranstalter Thomas Cook.

KölnSechs Jahre nach der Pleite des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor fordert der Insolvenzverwalter Schadenersatz in Höhe von fast 100 Millionen Euro von den Wirtschaftsprüfungsgesellschaften des Konzerns. Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch werfe den Beratungsgesellschaften KPMG und BDO vor, es 2008 pflichtwidrig unterlassen zu haben, den Konzern auf seine bereits damals bestehende Zahlungsunfähigkeit hinzuweisen, berichtete dessen Sprecher am Dienstag. Arcandor hatte erst Mitte 2009 Insolvenz angemeldet.

Die Landgerichte in Frankfurt und Düsseldorf bestätigten den Eingang der Klagen. KPMG und BDO lehnten auf Anfrage eine Stellungnahme zu den Vorwürfen ab. Die „Süddeutsche Zeitung“, der WDR und der NDR hatten als erste über die Klagen berichtet.

Karstadts Krisen-Chronik

Lange Leidensgeschichte

Die Krisengeschichte der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt ist lang, 2009 begann das Insolvenzverfahren. Eine Übersicht über sechs Jahre Überlebenskampf.

1. September 2009

Nach Jahren des Überlebenskampfes wird für die Karstadt Warenhaus GmbH das Insolvenzverfahren eröffnet.

7. Juni 2010

Die Berggruen Holding des Privatinvestors Nicolas Berggruen bekommt den Zuschlag zur Übernahme.

20. September 2010

Das Amtsgericht Essen hebt das Insolvenzverfahren auf. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro, die Belegschaft auf 150 Millionen Euro.

23. November 2010

Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt und beginnt Anfang Januar 2011.

6. Juli 2011

Jennings legt das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.

16. Juli 2012

Karstadt kündigt die Streichung von 2000 Stellen an.

13. April 2013

Karstadt kündigt eine „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Die Belegschaft protestiert.

16. September 2013

75,1 Prozent der Premium-Kaufhäuser und der Sporthäuser gehen an den Karstadt-Vermieter Signa. Dafür sollen die Österreicher 300 Millionen Euro in die Modernisierung investieren.

7. Juli 2014

Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt, die dem Ende 2013 augeschiedenen Jennings folgte, verlässt das Unternehmen wieder. Sie sehe keine Basis mehr für die von ihr angestrebten Sanierung, sagt die Ex-Ikea-Managerin.

15. August 2014

Berggruen verkauft die Karstadt Warenhaus GmbH für einen Euro an den österreichischen Immobilieninvestor René Benko.

23. Oktober 2014

Die Warenhauskette kündigt tiefe Einschnitte an. Sechs Häuser sollen geschlossen werden.

22. Februar 2015

Nach monatelangen Verhandlungen zur Sanierung einigen sich Konzern und Betriebsrat. So wurden Altersteilzeit- und Vorruhestandsregelungen vereinbart. Rund 1400 Jobs sollen wegfallen.

2. April 2015

Dank sozialverträglicher Maßnahmen schrumpft die Zahl der Kündigungen auf 960. Außerdem zahlt Karstadt 2,5 Millionen Euro in einen Fonds für die Betroffenen.

10. April 2015

Teileinigung bei den Tarifverhandlungen: KaDeWe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München kehren in die Tarifbindung zurück. Verhandlungen für die „normalen“ Karstadt-Warenhäuser und die Sporthäuser bleiben ohne Einigung.

12. Mai 2015

Weitere fünf Warenhäuser sollen geschlossen werden.

Der Insolvenzverwalter fordert in den bereits Ende 2014 eingereichten Schadenersatzklagen von KPMG insgesamt 85 Millionen Euro, von BDO 12,4 Millionen Euro. BDO hatte 2008 die Bilanzen des Konzerns geprüft. KPMG war laut Insolvenzverwalter damit beauftragt, die Sanierungsfähigkeit des Konzerns zu untersuchen.

Die Forderungen orientierten sich an den Verlusten, die durch die Verzögerung der Insolvenz um mehrere Monate zusätzlich entstanden seien, sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters. Die Klagen seien auch deshalb eingereicht worden, um eine Verjährung der Ansprüche zu verhindern. Vergleichsgespräche mit den Wirtschaftsprüfern seien bislang ergebnislos geblieben.

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PWC, KPMG, EY und Deloitte: Die größten Wirtschaftsprüfer wuchsen 2014 um sechs Prozent. Die zweite Reihe kann da nicht mithalten, zeigt eine Lünendonk-Analyse. Die Konsolidierung setzt sich fort.

Zum Arcandor-Konzern gehörten vor der Pleite nicht nur die Karstadt-Warenhäuser, sondern auch das Versandhaus Quelle und der Reiseveranstalter Thomas Cook. Der Niedergang des Handelsriesen beschäftigt seit der Pleite im Jahr 2009 nicht nur den Insolvenzverwalter, sondern immer wieder auch die Justiz. So ermittelt die Bochumer Staatsanwaltschaft nach wie vor wegen des Verdachts von Bankrottdelikten, wie Oberstaatsanwalt Bernd Bienioßek bestätigte. Geprüft werde, ob vom damaligen Management möglicherweise die Vermögensverhältnisse des Konzerns in einem der Jahresabschlüsse unzutreffend dargestellt worden seien.

Von

dpa

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