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15.05.2017

13:27 Uhr

Arcandor-Prozess

Ex-Aufsichtsräte weisen Untreue-Vorwürfe zurück

Ex-Arcandor-Vorstand Thomas Middelhoff sitzt wieder auf der Anklagebank im Essener Landgericht – und mit ihm sechs weitere Beschuldigte. Zwei von ihnen haben nun ebenfalls den Vorwurf der Untreue zurückgewiesen.

Erneut vor Gericht

Ex-Arcandor Chef droht mehrjährige Haftstrafe

Erneut vor Gericht: Ex-Arcandor Chef droht mehrjährige Haftstrafe

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EssenIm Essener Prozess gegen den früheren Top-Manager Thomas Middelhoff und sechs ehemalige Arcandor-Aufsichtsräte haben zwei weitere Angeklagte den Vorwurf der Untreue zurückgewiesen. Die Hauptverhandlung werde ergeben, dass die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft jeder Grundlage entbehrten, betonten die Verteidiger beider Aufsichtsräte am Montag - dem zweiten Verhandlungstag - in ihren Stellungnahmen zu den Anklagevorwürfen.

Die Bochumer Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität wirft dem ehemaligen Arcandor-Chef Middelhoff in dem Essener Verfahren Anstiftung zur Untreue vor. Den Aufsichtsratsmitgliedern legt sie Untreue zur Last. In dem Verfahren geht es um Erfolgsprämien in Höhe von 3,8 Millionen Euro, die der Aufsichtsrat noch wenige Monate vor der Pleite des Karstadt-Mutterkonzerns für Middelhoff und einen weiteren Manager bewilligte, obwohl es laut Anklage keinen Anspruch der Manager auf das Geld gab und der Konzern auch in Zukunft keine Vorteile durch die Zahlung zu erwarten hatte.

Die besten Zitate von und über Thomas Middelhoff

Hintergrund

Als sich Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff 2014 vor dem Essener Landgericht wegen des Vorwurfs der Untreue verantworten musste, fielen einige denkwürdige Sätze. Eine Auswahl.

Die Katze auf dem heißen Blechdach

„Ich bin wie die Katze übers Dach. Ich musste drei Meter tief auf eine Garage springen und dann noch einmal drei Meter auf die Straße.“
(Middelhoff über seine filmreife Flucht vor Fotografen nach einem Termin bei einem Gerichtsvollzieher in Essen Ende Juli, bei dem er seine Vermögensverhältnisse hatte offenlegen müssen)

Apocalypse Now

„Das ist wie ein apokalyptischer Traum.“
(Middelhoff zu Pfändungsversuchen von Gläubigern am Rande seines Untreue-Prozesses vor dem Essener Landgericht)

Arbeit, Arbeit, Arbeit

„Er hat eigentlich immer gearbeitet, immer, immer.“
(Middelhoffs Gattin Cornelie Middelhoff als Zeugin vor Gericht zur Arbeitsbelastung ihres Mannes)

Das fliegende Büro

„Das war ein fliegendes Büro für ihn.“
(Ein früherer Mitarbeiter Middelhoffs als Zeuge vor Gericht zu den umstrittenen Charterflügen seines Ex-Chefs)

Stau

„Stau war das Schlimmste für ihn.“
(Der langjährige Fahrer des Managers als Zeuge vor Gericht)

Der Schaden des Thomas M.

„Mir und meiner unternehmerischen Tätigkeit ist großer Schaden zugefügt worden.“
(Middelhoff zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen ihn, die er als „uferlos“ und „unverhältnismäßig“ empfindet)

Von Gott gegeben

„Ich habe mich nie als Controllerin meines Chefs gesehen.“
(Eine ehemalige Sekretärin des Managers, die sagte, sie habe Middelhoffs Entscheidungen als „gottgegeben“ hingenommen.)

Middelhoff hatte die Vorwürfe bereits am ersten Verhandlungstag zurückgewiesen. Am Montag betonte er vor Gericht in einer persönlichen Stellungnahme, dass bereits das erste Untreue-Verfahren bei dem er vor zweieinhalb Jahren zu drei Jahren Haft verurteilt wurde, zu einem Bruch in seinem Leben geführt habe. Schon durch die Ermittlungen und die breite Berichterstattung darüber habe er nicht mehr als Manager arbeiten können. Die Untersuchungshaft habe dann auch noch zum Ausbruch einer schweren Autoimmunerkrankung geführt, unter der er nach wie vor leide.

Für den Prozess sind insgesamt 34 Verhandlungstage bis zum 21. Dezember 2017 vorgesehen.

Von

dpa

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