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10.06.2017

12:12 Uhr

Armani, Versace, Kempinski

Der Luxus kehrt nach Kuba zurück

Mit dem Ende der diplomatischem Eiszeit zwischen Kuba und den USA öffnet sich die Karibikinsel dem westlichen Lebensstil. Erste Luxusmarken halten in der Hauptstadt Havanna Einzug – für Einheimische unerschwinglich.

Ausgewählte Luxusmarken finden sich in der Einkaufsgalerie des Hotels. Die Eröffnung des Hauses ist das Symbol schlechthin, dass Kuba auf Luxustourismus setzt. dpa

Gran Hotel Manzana in Havanna

Ausgewählte Luxusmarken finden sich in der Einkaufsgalerie des Hotels. Die Eröffnung des Hauses ist das Symbol schlechthin, dass Kuba auf Luxustourismus setzt.

HavannaStaunend bleiben Kubaner vor den Schaufenstern eines Prachtbaus in der Altstadt Havannas stehen, einige Mutige wagen sich in die Läden hinein und fragen nach den Preisen. Doch Kaufen ist wohl eher nicht drin: Die Luxusartikel übersteigen bei weitem die Möglichkeiten der Einheimischen. So bleibt den meisten als Erinnerung nur ein Selfie vor den Auslagen, in denen die Taschen von Versace oder die Polohemden von Lacoste zu sehen sind.

Luxusmarken wie Armani oder Montblanc, aber auch preiswertere Ketten wie Women'secret oder Mango schmücken die Einkaufsgalerie des Baus aus dem frühen 20. Jahrhundert, in dem auch das Fünf-Sterne-Hotel Gran Hotel Manzana untergebracht ist. Es öffnete kürzlich – als erste Adresse im Luxussegment auf der Insel.

„Die Preise sind heftig“, sagt die Kubanerin Idalmis mit einem Blick in die Schaufenster. Sie arbeitet in einer staatlichen Buchhandlung in der Nähe. „Ich glaube, nicht einmal die Touristen können sich dort etwas kaufen, wenn die Preise nicht heruntergehen.“ Auf der sozialistischen Insel in der Karibik übersteigt der monatliche Durchschnittsverdienst nicht die 30 Dollar-Marke (etwa 27 Euro). Damit scheiden Einheimische als Kunden fast schon automatisch aus.

Auch so manche Touristen reiben sich verwundert die Augen. Schließlich wähnten sie sich in einem Land fernab von Luxus und Konsum. „Ich habe wirklich nicht erwartet, hier solche Art Läden vorzufinden“, sagt etwa der Kanadier Michael McDonnell. „Wenn jemand Urlaub in Kuba macht, dann doch gerade auch, um den Einkaufszentren zu entfliehen.“

Die Geschäfte in der Hotelgalerie profitieren auch von ihrer zentralen Lage: Gleich nebenan thronen das Kapitol und das Große Theater. Überquert man die Straße, wartet schon die Bar „Floridita“, in der US-Schriftsteller Ernest Hemingway gern seine Daiquiris trank. Ebenfalls in der Nähe: der prächtige Boulevard Paseo del Prado, der den Paseo Martí umfasst. Von hohen Bäumen gesäumt war er 2016 der Laufsteg für die Präsentation der Sommerkollektion des Pariser Modehauses Chanel.

Am Paseo del Prado, zwischen einigen heruntergekommenen und anderen restaurierten Gebäuden im Kolonialstil, zog im Februar die Parfümerie Guerlain ein – und zwar in dasselbe Geschäft, das die französische Marke nach der kubanischen Revolution und dem Einzug des Sozialismus auf der Insel vor mehr als 50 Jahren geschlossen hatte. Nun verkauft die Firma dort Düfte von Loewe, Givenchy, Hermès oder Dior. All dies markiert eine neue Epoche auf Kuba, in der extremer Luxus und eine von einer Wirtschaftsrezession geplagte Gesellschaft nebeneinander existieren.

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