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04.05.2016

18:38 Uhr

Arriva und Schenker

Aufsichtsrat berät über Börsenpläne der Bahn

Die Bahn will bis Mitte 2017 die Personenverkehrstochter Arriva an die Börse bringen, später soll der Logistiker Schenker folgen. Bis zum Herbst soll ein Konzept stehen. Das Unternehmen hat die Erlöse dringend nötig.

Die Bahntocher Arriva, zu der auch die bekannten roten Busse in London gehören, macht 4,8 Milliarden Euro Umsatz. dpa

Straßenverkehr in London

Die Bahntocher Arriva, zu der auch die bekannten roten Busse in London gehören, macht 4,8 Milliarden Euro Umsatz.

BErlinDie Deutsche Bahn treibt ihre Pläne für den Teilverkauf ihrer beiden internationalen Töchter Arriva und Schenker voran. Der Aufsichtsrat des Staatskonzerns beauftragte am Mittwoch den Vorstand, „ein konkretes Umsetzungskonzept für eine Minderheitsbeteiligung Dritter“ zu erstellen. „Eine endgültige Entscheidung soll im Herbst dieses Jahres fallen“, teilte das Unternehmen nach einer Sondersitzung in Berlin mit.

Bahnchef Rüdiger Grube plant, die beiden Tochtergesellschaften in den Jahren 2017 bis 2019 an die Börse zu bringen und dabei jeweils bis zu 45 Prozent der Anteile zu platzieren. Der Begriff „Börsengang“ taucht jedoch in der Mitteilung zu den Ergebnissen der Aufsichtsratssitzung nicht auf. Grube wird darin lediglich mit den Worten zitiert, es sei ausdrücklicher Wille, „dass DB Arriva und DB Schenker auch in Zukunft in der DB-Bilanz voll konsolidiert werden“.

Zur Begründung des angestrebten Teilverkaufs stellte der Aufsichtsratsvorsitzende Utz-Hellmuth Felcht fest: „Wenn wir nicht gegensteuern, wird die Verschuldung des Konzerns bis zum Jahr 2020 deutlich steigen. Die Kapitalbeteiligung Dritter begrenzt die Verschuldung und schafft finanziellen Spielraum, um die Qualitäts- und Investitionsoffensive in Deutschland fortzuführen.“

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Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube fürchtet um den Börsengang seiner britischen Tochter Arriva – und hofft, dass das Land für den Verbleib in der EU stimmt. Dabei argumentiert er nicht nur im Interesse seines Konzerns.

Von 2016 bis 2020 entfielen von rund 55 Milliarden Euro Investitionen des Konzerns rund 50 Milliarden Euro und somit 90 Prozent auf die Eisenbahn in Deutschland, hieß es. Von den Gesamtinvestitionen müssten 20 Milliarden Euro aus eigener Kraft finanziert werden. Nach früheren Angaben aus Aufsichtsratskreisen erwartet die Bahn von den beiden Teilverkäufen insgesamt Einnahmen von rund 4,5 Milliarden Euro.

Der Aufsichtsrat beschloss am Mittwoch zudem, die bisherige Holdingstruktur aufzulösen. Der Teilkonzern DB Mobility Logistics, der eigens für den 2008 gescheiterten Börsengang gegründet wurde, verschmilzt rückwirkend zum 1. Januar 2016 mit der Deutschen Bahn AG.

Der Verkehrsexperte der SPD-Bundestagsfraktion, Sören Bartol, betonte, die Entscheidung über einen Börsengang von Arriva und Schenker werde erst im Herbst fallen. „Ich rate dazu, die Diskussion nicht am Haushalts- und Verkehrsausschuss des Bundestags vorbei zu führen“, fügte er hinzu.

Für den Sprecher für Bahnpolitik in der Grünen-Fraktion, Matthias Gastel, markierte die Aufsichtsratssitzung den „vorläufigen Endpunkt eines jahrelangen Expansionskurses des Bahn-Konzerns“. Er sprach sich aber gegen eine Teilprivatisierung aus. „Entweder sollten Arriva und Schenker einen stärkeren Beitrag zum Kerngeschäft liefern und im Konzern bleiben oder man trennt sich langfristig komplett von beiden Konzerntöchtern“, sagte Gastel.

Von

dpa

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