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12.11.2015

21:36 Uhr

Asics

Die S-Klasse der Jogger

VonJoachim Hofer

Der Aktienkurs von Asics ist Anfang der Woche eingebrochen. Ein neuer Superschuh für die Langstrecke soll die Japaner nun wieder zurück in die Spur bringen – und die Investoren besänftigen. Gut 250 Euro kostet ein Paar.

Asics hat einen neuen Langstrecken-Laufschuh auf den Markt gebracht. Sein Name: „Meta-Run“. PR

Asics

Asics hat einen neuen Langstrecken-Laufschuh auf den Markt gebracht. Sein Name: „Meta-Run“.

LondonWas für Daimler die neue S-Klasse ist für Asics der neue Langstrecken-Laufschuh „Meta-Run“: Das Glanzstück der Produktpalette, technisches Aushängeschild und eine Kampfansage an die Konkurrenz. In New York, Tokio und London hat der japanische Laufspezialist den großen Hoffnungsbringer am Mittwoch vorgestellt, Mitte kommender Woche wird er weltweit in den Regalen der Sporthändler stehen. Der Preis: 250 Euro.

„Dieser Schuh ist der neue Industrie-Standard“, sagte Europa-Chef Alistair Cameron bei der Präsentation in der britischen Hauptstadt. Wie die Luxus-Limousinen gibt es den „Meta-Run“ ebenfalls nur in verhältnismäßig kleinen Dosierungen: 60.000 Stück kommen weltweit in die Lauf-Stores, davon 2000 nach Deutschland. Zum Vergleich: Von allen sonst üblichen Modellen setzt Asics mehrere Millionen Stück ab. Die kosten dann aber auch nur die Hälfte.

Der „Meta-Run“ kommt keinen Moment zu früh, denn Asics steht schwer unter Druck. Die Investoren sind seit Wochenbeginn alarmiert. Am vergangenen Montag ist der Aktienkurs in Tokio um fast ein Fünftel eingebrochen, weil der Konzern seine Prognose fürs laufende Jahr zurücknahm. Umsatz und Gewinn werden weit geringer ausfallen als noch Mitte September angekündigt, teilte Asics mit.

Asics: Die Japaner gehen neue Wege

Die Fitness

Der Laufsport-Spezialist Asics expandiert in neue Sportarten. Kommendes Frühjahr bringen die Japaner erstmals eine umfassende Fitness-Kollektion in Deutschland in die Läden. „Fitness ist ein großer, wachsender Markt“, sagt Deutschland-Chef Carsten Unbehaun den Schritt. Zudem gebe es viele Gemeinsamkeiten mit dem angestammten Geschäft mit Schuhen, Shirts und Shorts fürs Laufen.

Das Kalkül

Vor allem im Winter trainieren viele Läufer im Fitness-Studio oder in der Vereinsturnhalle. Die mussten bislang zu anderen Marken wechseln. Fortan können sie sich bei Asics einkleiden.

Die Reklame

Asics ist bereits vor einiger Zeit erstmals mit TV-Spots an die Öffentlichkeit gegangen. Doch die Asiaten drehen bald noch mehr auf. Mit einer großen Werbekampagne werden die Japaner Anfang 2016 in Deutschland an den Start gehen. Prominente Gesichter sollen dann in TV-Spots und in Anzeigen, auf Youtube und Facebook zu sehen sein, etwa der Weltklassetriathlet Jan Frodeno. Deutschland-Chef Unbehaun macht sich keine Illusionen: „Natürlich sind da viele Anbieter im Markt, es ist auch ein Verdrängungswettbewerb.“ Deshalb will er die Massen erreichen.

Die Läden

Vergangenes Jahr eröffneten die Asiaten ihren ersten Flagship-Store in Deutschland. Jahrelang hatte das Label nach einem geeigneten Standort gesucht, und entscheid sich dann für Hamburg. „Wir wollen die Stärke der Marke Asics mit der ganzen Produkt-Palette präsentieren und erlebbar machen“, sagt Deutschland-Chef Unbehaun. Das heißt: Asics will auch hierzulande zeigen, dass die Firma mehr kann als Laufschuhe herstellen.

Die Produkte

Das größte Wachstumspotenzial sieht Asics bei Kleidung und Accessoires. Noch stehen Shirts und Shorts nur für einen kleinen Teil vom Umsatz in Deutschland. Dazu kommt, dass Asics auch Kollektionen für andere Sportarten wie Handball, Volleyball, Tennis, Rugby und Fitnessstudios anbietet – was im Sporthandel freilich kaum zu sehen ist. Die meisten Ladenbesitzer führen vor allem die Laufschuhe der Marke.

Die Konkurrenz

Im deutschen Sporthandel hat Asics seit Jahren einen Platz unter den zehn umsatzstärksten Marken. Allerdings liegen die Marktführer Nike und Adidas weit vorne und sind für Asics unerreichbar. Im Laufen hingegen führt das Label den Markt an, obwohl immer mehr Konkurrenten von hinten drängen. So wollen nun auch die aufstrebenden US-Konzerne Sketchers und Under Armour in das Geschäft.

Asics wird zwar nach wie vor kräftig wachsen, rund zehn Prozent soll das Plus betragen. Doch vor allem im wichtigen brasilianischen Markt läuft es nicht mehr rund, auch im eigenen Land stagnieren die Einnahmen. Rund ein Viertel seines Geschäfts macht die Marke in Japan. Wohl und Wehe von Asics hängen damit noch viel stärker an der Heimat als etwa beim fränkischen Rivalen Adidas.

Deutschland steht bei der Traditionsfirma nur noch für einen kleinen einstelligen Prozentsatz. Insgesamt wird Asics wohl auf Erlöse von umgerechnet rund 3,2 Milliarden Euro kommen – das entspricht in etwa den Einnahmen von Puma, des nach Adidas zweitgrößten deutschen Sportkonzerns.

Asics ist zwar weltweit die Laufmarke schlechthin. Doch das Label muss zwingend in spannende Produkte, in eigene Läden und in pfiffige Werbung investieren. Der Grund: Für die weitaus größeren Konkurrenten Nike und Adidas ist Laufen inzwischen eine Kernkategorie. Die beiden global führenden Sportkonzerne haben jedoch viel üppigere Marketing-Etats als die Japaner, und das zahlt sich aus.

Ein Paar der auf die Langstrecke spezialisierten Laufschuhe soll 250 Euro kosten. PR

Asics

Ein Paar der auf die Langstrecke spezialisierten Laufschuhe soll 250 Euro kosten.

Adidas hat gerade erst ein Umsatzplus im sogenannten „Running“-Segment von neun Prozent im dritten Quartal verkündet. In Nordamerika, China und auch in Japan sei es sogar zweistellig nach oben gegangen, sagte Vorstandschef Herbert Hainer.

Wie wichtig der Sport für die Marke ist, zeigt der größte Deal von Adidas seit Jahren: Im Sommer erst hat der Konzern für gut 200 Millionen Euro die Lauf-App „Runtastic“ geschluckt.

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