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04.12.2013

12:03 Uhr

Auf dem Heimatmarkt

Aldi und Lidl nehmen Tesco in die Zange

Der weltweit drittgrößte Einzelhändler Tesco erwirtschaftet zwei Drittel seines Umsatzes in Großbritannien. Doch Aldi und Lidl jagen ihm immer mehr Marktanteile ab. Alle teuren Gegenmaßnahmen verpufften.

Einkaufstüte der Supermarktkette „Tesco“ in London: „Trotz der schwierigen Lage auf vielen unserer Märkte sind wir für das Gesamtjahr im Rahmen der Markterwartungen.“ dpa

Einkaufstüte der Supermarktkette „Tesco“ in London: „Trotz der schwierigen Lage auf vielen unserer Märkte sind wir für das Gesamtjahr im Rahmen der Markterwartungen.“

LondonDie deutschen Discounter Aldi und Lidl jagen dem weltweit drittgrößten Einzelhändler Tesco auf seinem Heimatmarkt Großbritannien immer mehr Marktanteile ab. Auch modernere Filialen, neue Produkte, mehr Personal und Preis-Angebote konnten das Blatt bei Tesco nicht wenden. Zwar nahm der Konzern umgerechnet rund 1,2 Milliarden Euro in die Hand, um Rivalen Paroli zu bieten und die Kauflust der Briten anzuregen. Dennoch schrumpfte der vergleichbare Umsatz in Großbritannien im dritten Quartal um 1,5 Prozent. Auch auf den Auslandsmärkten seien die Erlöse zurückgegangen, teilte der hinter US-Branchenprimus Wal-Mart und der französischen Carrefour liegende Tesco mit.

„Trotz der schwierigen Lage auf vielen unserer Märkte sind wir für das Gesamtjahr im Rahmen der Markterwartungen“, erklärte Tesco am Mittwoch. Im November hatten Marktforscher von Kantar Worldpanel berichtet, dass die vier größten Einzelhändler in Großbritannien - neben Tesco, Wal-Mart's Asda, Sainsbury und Wm Morrison - erstmals sei mehr als einem Jahrzehnt Marktanteile verlieren. Aldi und Lidl verbuchten dagegen einen Umsatzsprung.

Warum Aldi billig ist

Es ging ums Sattwerden

Es ist eine Gretchenfrage: Wie viele Artikel biete ich meinen Kunden an? 1946 ging es um nichts mehr als ums Sattwerden. Die Aldi-Brüder schauten auf ihren Tages- und Wocheneinkauf. Erst im Laufe der Jahre kamen Non-Food-Artikel hinzu – anfangs waren sie verpönt.

Zahl der Artikel

Mit der Zeit pendelte man sich bei 400 Artikeln ein. Inzwischen – in Zeiten der feiner werdenden Nuancen – ist die Zahl auf 900 Artikel gewachsen. Der Stellplatz in den Filialen hat natürliche Grenzen. Zudem ist Produktpflege ein aufwändiges Geschäft.

Das oberste Gebot

Von Beginn an galt bei den Albrechts das Gebot der Warengleichheit: In allen Filialen sollten die Kunden dieselben Produkte finden. Schnell ging es soweit, dass sie es sogar an derselben Stelle fanden.

Die Revolution

Eine echte Revolution war die Einführung von Kühlware in den 70er-Jahren. Sowohl bei Aldi Nord als auch bei Aldi Süd gingen Grundsatz-Diskussionen voraus. Entgegen der Behauptungen gab es darüber aber keinen brüderlichen Zwist. Allerdings musste der vorpreschende Karl Überzeugungsarbeit leisten beim abwägenden Theo. Doch die Kühltruhe kam, erst im Kleinformat, dann immer mehr.

Markenartikel? Nein, Danke!

Seit Jahren macht andere Discounter wie Netto (vorher Plus) gute Geschäfte mit Markenartikeln. Aldi hat stets eine Aversion gegen sie gehabt. Auf der anderen Seite taten sich die Hersteller von Markenartikeln anfangs auch sehr schwer, bei einer Billigkette zu listen, als die Aldi galt.

Aldis Problem

Vereinfacht gesagt besteht Aldis größtes Problem darin, die erforderlichen Liefermengen von mehreren Anbietern zu beziehen. Bei vergleichenden Qualitätsstandards heißt es immer wieder: Bedarfsdeckung versus Preis. Gerade zu Ostern und Weihnachten ist es eine Sisyphusarbeit in Planung und Organisation, für ausreichend Waren zu sorgen und sie auf die Filialen zu verteilen.

Harte Gespräche mit Lieferanten

Die Preisfindung in diesem „Wettkampf“ ist das eigentliche Erfolgsrezept Aldis. Als Marktführer, ausgestattet mit dem Hebel der Mengemacht, hat man hier natürlich Vorteile. Dabei bündeln Aldi Nord und Aldi Süd ihre Einkaufsstrategie in vielen Sortimenten. Auf der anderen Seite hat Aldi auch kein Interesse, die Lieferanten so sehr zu schröpfen, dass sie in den Ruin gehen. 

Die große Verlockung

Lieferanten unterliegen leicht der großen Verlockung, mit Aldi so zu verhandeln, dass die eigentlichen Kapazitätsgrenzen überschritten werden. Zwar kann man mit Aldi vermögend werden, aber das Risiko, sich zu sehr abhängig zu machen, ist groß. Denn Aldi streicht durchaus schnell einen Lieferanten. Fachleute raten dazu, maximal 50 Prozent seiner Produkte an Aldi zu verkaufen.

Das Preisdiktat

Die Wettbewerber sind dem Preisdiktat ausgesetzt. In den vergangenen Jahres war gut zu beobachten, was passiert, wenn Aldi die Preise für Alltagsprodukte wie Milch senkte: Die Konkurrenz zog innerhalb weniger Stunden nach. Preisvergleich und Preispolitik sind Tagesaufgaben.

Wie preissensibel ist der Kunde

Doch warum agieren die Discounter eigentlich so nah am „gerechten Preis“? Die Frage ist durchaus berechtigt, denn die Durchschnittskunde ist eigentlich sehr wenig mit den Preisen vertraut. Er stellt seinen Warenkorb den Bedürfnissen und Gepflogenheiten zusammen. Die meisten gehen nicht mit offenen Augen durch die Läden. Angebote werden auch bei Aldi sehr deutlich mit andersfarbigen Schildern gekennzeichnet, damit sie überhaupt auffallen. Umso wichtiger ist also, dauerhaft der Preisführer zu sein – und dieses Image zu pflegen.

Tesco, der rund zwei Drittel seiner Umsätze auf der Insel erwirtschaftet, leidet seit längerem unter der Nachfrageflaute auf seinem Heimatmarkt. „Der anhaltende Druck auf die Haushaltsfinanzen in Großbritannien hat den Lebensmittelhandel für jeden seit Sommer schwieriger gemacht, und unser Ergebnis im dritten Quartal spiegelt das wider“, sagte Tesco-Chef Philip Clarke. Tesco misslang zudem die Expansion in die USA und nach Japan - auch der Schritt nach China kostete viel Geld.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Karma

04.12.2013, 14:50 Uhr

In die Zange nehmen hört sich böse an. Tatsache ist doch, dass ALDI und Lidl viel besser ist, als Tesco oder die sogenannten Fachgeschäfte. Selbst die Brötchen sind frisch und wrden mehrfach am Tag frisch gebacken. Wo bekommt man sonst noch so einen hervorragenden Service.

Gerade bei Aldi / Lidl hat man oft Markenprodukte (Mövenpick Eis / Homan Salate, die als No-Name heraus gebracht werden. Und immer häufiger findet man dort auch "Fair Trade" Produkte und schon fast ein standardisiertes Angebot an Produkte die aus nachwachsenden Rohstoffen Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeit entstehen.

Bei diesen Discountern kann man wirklich mit einem guten Gewissen einkaufen.

1040389-63

04.12.2013, 16:15 Uhr

Haben Sie schon einmal bei Tesco eingekauft? Wenn nicht, dann beschränken Sie sich darauf zu Aldi und Lidl zu kommentieren.

Account gelöscht!

04.12.2013, 20:58 Uhr

Sie haben wohl noch nicht auf die Inhaltsstoffe der Brötchen geguckt, die da im Automaten bei Aldi und Lidl frisch aufgebacken werden. Das Einzige was ich dort nämlich nicht kaufe sind diese Kunstprodukte aus den Backautomaten. Bei so einem undifferenzierten Lobgesang auf unsere Discounter müssen Sie wohl Angestellter einer der beiden Ketten sein.
Tesco ist natürlich ein Vollsortimenter bei dem die Produkte in Regalen statt in Kartons stehen und daher ist es m.E. schwierig einen Vergleich anzustellen. Für manche Sachen muss man einfach in andere Geschäfte, da es bei Aldi und Lidl nicht alles gibt und daher ist der Vergleich schon ein bisserl Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

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