Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.06.2013

09:37 Uhr

Aufsichtsrat tagt

Karstadts Wiederbelebung, zweiter Akt

ExklusivWährend der angeschlagene Kaufhauskonzern einen neuen Chef braucht, will Eigentümer Berggruen die Frau fürs Leben finden. Das könnte länger dauern, als die Suche nach dem Karstadt-Chef. Dort gibt es einen Namen.

Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen: Auf der Suche. (Foto: Archiv) dpa

Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen: Auf der Suche. (Foto: Archiv)

DüsseldorfWas soll das? In Essen, dort, wo Karstadt seinen Hauptsitz hat, geht es heute zur Sache: Der Aufsichtsrat des Kaufhauskonzerns tagt ab zwölf Uhr und die 20 eingeladenen Mitglieder finden auf der Tagesordnung genug Stoff für Zoff. Es geht um Personal, es geht um Zahlen. Es ist High Noon bei Karstadt. 20000 Mitarbeiter zittern um ihre Zukunft.

Ausgerechnet in dieser Phase gibt der Eigentümer der Kaufhaus-Kette, Nicolas Berggruen, ein Interview in der „Bunten“. Seine Botschaft dort hat nichts mit Karstadt oder der Suche nach einem neunen Chef zu tun. Nein – Berggruen sucht eine Frau, sagt Berggruen über sich selbst. Er wolle heiraten. Der Investor pflegt damit sein Image als glamouröser Milliardär, nur passt beides in der derzeitigen Situation rund um den Warenhauskonzern schlecht zusammen.

Eine Lösung des Problems Karstadt dürfte noch dringender sein als die persönliche Lösung für Berggruen. Bei Karstadt sind die Zahlen schlecht und Vorstand Andrew Jennings zieht sich zurück. Als möglicher Nachfolger wird Thomas Fox gehandelt. Der bullige Manager kommt immer dann ins Spiel, wenn es in einem Unternehmen kriselt. Bei Karstadt ist er gut in Erinnerung, weil er in den Jahren 2009 bis 2011 als Sanierer an die Spitze geholt worden war und den Verkauf an Berggruen steuerte.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Nach dem Karstadt-Engagement übernahm Fox die Führung der angeschlagenen Baumarktkette Praktiker, wo er sich allerdings mit den Eigentümern nicht über eine Sanierungsstrategie einigen konnte und letztlich wieder ausschied. Berggruen hatte anlässlich des Abschieds von Fox bei Karstadt im Jahr 2011 seinem Manager ausdrücklich gedankt und angekündigt, es sei geplant, ihn „zu einem späteren Zeitpunkt in den Aufsichtsrat von Karstadt zu berufen“. Nach Meinung von Karstadt-Insidern könnte das jetzt der Fall sein. Fox will sich dazu nicht äußern. Eine Berggruen-Sprecherin möchte die Personalie ebenfalls nicht kommentieren.

Das Berggruen-Team ist derzeit neben Karstadt vor allem um die Vermarktung des Investors in eigener Sache bemüht. In dem Interview mit der „Bunten“ redet der Karstadt-Eigentümer und bekennende Junggeselle übers Heiraten. Er wolle eine Familie gründen. Er suche eine Frau. Er wolle „Leben kreieren“, lässt er sich zitieren.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

GanzVielleKrank

13.06.2013, 09:56 Uhr

privates regenbogen management.

bunt und allzeitbereit

desaster of univers wird und noch viel unterhaltung bereiten

blackstone13

13.06.2013, 10:13 Uhr


Blender Berggruen

Berggruen will jetzt "Leben kreiren"?

Zieht er deshalb systematisch Kapital aus Karstadt ab, um eine kleine Mittelstandsfamilie gründen zu können?

Millionen von € für "Namensrechte", "Beratung" und "Marketing" verschwinden in einer seiner "Holdings" auf den Virgin Islands.

Jeder Cent, den eine seiner Verkäuferinnen bei Karstadt verdient, muss in D versteuert werden. Wo zahlt denn der werte Herr Steuern? Auf den Virgin Islands?

Ein Blender, eine geborene Heuschrecke, ein "Würdiger" Nachfolger von Middellhoff, ein Berggruen.

LG
Blackstone

boludo2011

13.06.2013, 10:16 Uhr

Seit wann ist Karstadt ein Kaufhaus? Sind die Schreiberlinge von der Bunten oder Blöd-Zeitung übernommen
worden?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×