Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.04.2012

12:21 Uhr

Ausbau-Stopp

Lufthansa bringt Gewerkschaft auf die Barrikaden

Außerhalb der Drehkreuze München und Frankfurt will die Lufthansa ihr Geschäft mit der Billigtochter Germanwings zusammenlegen. Die Flotte wird nicht mehr ausgebaut, Strecken werden gestrichen.

Passagiermaschinen der Lufthansa stehen auf dem Flughafen in Frankfurt am Main. dpa

Passagiermaschinen der Lufthansa stehen auf dem Flughafen in Frankfurt am Main.

FrankfurtDie Lufthansa bringt mit ihren drastischen Sparplänen die Gewerkschaften gegen sich auf. „Wir befürchten einen Personalabbau und Lohnkürzungen, und wir werden alles tun, hier einen Riegel vorzuschieben“, sagte eine Verdi-Sprecherin am Samstag. „Die Lufthansa macht im operativen Geschäft guten Gewinn und wir sehen diesen Sparkurs als nicht notwendig an.“ Es sei ein Unding, wenn die Mitarbeiter, die gute Arbeit leisteten, dafür bezahlen sollten, dass Lufthansa noch mehr Gewinn wolle, sagte die Verdi-Sprecherin weiter.

Lufthansa-Passagievorstand Carsten Spohr hatte in einem Reuters vorliegenden Brief an die Mitarbeiter geschrieben, die Flotte solle in den nächsten drei Jahren nicht mehr wachsen, Strecken sollen gestrichen und zahlreiche Flüge künftig von der Billigflugtochter Germanwings betrieben werden. So will die größte deutsche Fluggesellschaft das Ergebnis im Passagiergeschäft um rund 900 Millionen Euro jährlich verbessern.

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo zeigte sich überrascht. „Der Brief kam unerwartet und wir sehen das als ein ernstes Droh-Szenario. Die Verunsicherung der Mitarbeiter ist natürlich groß“, sagte ein Sprecher. Auf dem Sparplan stehen dem Brief zufolge noch weitere Punkte: So wird bei vielen Langstreckenflügen die First Class abgeschafft. Neue Langstreckenflugzeuge werden erst bestellt, wenn erste Sparziele erreicht worden seien.

Rote Zahlen im Europa-Geschäft

Der Lufthansa macht die wachsende Konkurrenz durch Billigfluglinien und Golf-Airlines wie Emirates oder Air-Berlin -Partner Etihad zu schaffen. Der deutsche Marktführer, der seit Jahren im Europageschäft rote Zahlen schreibt, leidet zunehmend auch auf Langstreckenflügen unter dem harten Wettbewerb. Lufthansa fliegt seit diesem Jahr drei Ziele in den Boom-Märkten Asiens nicht mehr an. „Wir müssen unbedingt verhindern, dass den nächsten gefährdeten Strecken Nanjing, Chennai und Bangkok das gleiche Schicksal widerfährt“, schrieb Spohr in dem Brief.

Der Lufthansa-Konzern will den operativen Gewinn mit seinem Sparpaket namens „Score“ bis 2014 um mindestens 1,5 Milliarden Euro steigern. Das Lufthansa-Passagiergeschäft soll laut Spohr dazu rund 900 Millionen Euro beitragen. Mit 600 Millionen Euro soll der Löwenanteil aus Einsparungen stammen, den Rest will Spohr mit Erlössteigerungen etwa durch den Verkauf von mehr teuren Tickets schaffen. Die Fluggesellschaft war 2011 mit 13 Millionen Euro in die roten Zahlen gerutscht.

Entgegen der bisherigen Planungen werde die Anzahl der Lufthansa-Flugzeuge bis 2014 nicht steigen. Verlustbringende Strecken würden gestrichen, die Zahl der angebotenen Sitzplätze werde 2012 auf dem Vorjahresniveau stagnieren. In den Jahren 2013 und 2014 werde die Kapazität maximal um vier Prozent pro Jahr steigen. In Düsseldorf, Berlin, Hamburg, Stuttgart und Köln soll das Geschäft mit der Billigtochter Germanwings zusammengelegt werden. Auf Strecken, die in einem hartem Preiswettkampf stehen, will Lufthansa die First Class abschaffen. Zudem will Spohr noch einmal prüfen, eine aufgewertete Economy-Class (“Premium Economy“)
einzuführen.

Von

dapd

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

21.04.2012, 15:57 Uhr

In der Flotte der Lufthansa-Gruppe ist ein wesentlicher Kostenfaktor die hohe Zahl der A340 Familie. 4 Triebwerke verbrauchen mehr als 2 Triebwerke. Der Wettbewerb unterhält eine breite Flotte von B777 und A330, die wirtschaftlicher sind. Die Lufthansa unterhält auch noch eine Flotte von 54 alten B737-3/5 die völlig überaltert sind und durch hohen Verbrauch auf sich aufmerksam machen. Die relativ große Flotte von B747-400 wird durch die B 747-800 ersetzt, die aber bisher ihre versprochenen Ersparnisquoten nicht erbringen. Emirates, der scharfe Konkurrent aus Dubai ist da geschickter: A 380 und B 777 dazu ein paar A 340 und ein paar A 330. Die Strategie immer mit genügend Sitzen an Bord durch Spottpreisverkauf das preisgetriebene Segment anzusprechen auf der Langstrecke scheint aufzugehen. Durch die 2 Etagen im Flugzeug kommen sich die Budget und die Luxery Kunden nicht in die Quere.

LXLHFCFLYER

21.04.2012, 18:34 Uhr

Solche Nachrichten treiben die Premiumkunden weg von LH. Wird auch im Service gespart? Ab wann gibt es wo welches Angebot? First Class also bei anderen Airlines buchen. Ich will eine Airline bei der das Personal mit Freude arbeitet und der Passagier dies spührt. Kurz: mein Entscheid: Meine LH Flüge umbuchen!

konsg

22.04.2012, 10:15 Uhr

Als Senator Status Kunde , kann ich mich das nur bestätigen.Ich stelle immer wieder fest, dass hier Studenten , die keinen Stautus haben weiter bevorzugt werden im Vergleich.Deshalb absofort ist der deutsche 130.000 Meilen Senator-Status nachweislich bei mir nichts mehr wert.Vielen Dank auch für Ihre Erfahrung.
Weiterhin werde ich diese Wirklichkeit so oft kommunizieren wie es nur geht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×